Tommi Schmitt (34) geht bald mit seinem neuen Podcast „Copa TS – der Fußball-Podcast mit Tommi Schmitt“ an den Start (ab 22. August immer dienstags und überall, wo es Podcasts gibt). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt der Podcaster, Kolumnist und TV-Moderator von seiner großen Fußball-Leidenschaft und verrät, mit wem er diese teilt und wo er Spiele am liebsten verfolgt. Zudem spricht er über seine besondere Freundschaft zu Podcast-Sidekick Christoph Kramer (32), gibt seine Einschätzung zum Ausscheiden der deutschen Frauen bei der WM ab und verrät erste Details zu seiner neuen TV-Show „Neo Ragazzi“.

Wie unterscheidet sich „Copa TS“ von anderen Fußball-Podcasts?

Tommi Schmitt: Am Ende ist es ganz einfach: In „Copa TS“ gibt’s wöchentlich meinen Blickwinkel auf den Fußball. Den Blickwinkel eines Typen, der in den 90ern und 2000ern fußballromantisch sozialisiert wurde. Durch die Europameisterschaft 1996 bis hin zum WM-Finale 2014. Dazwischen ganz viel Bundesliga. Meine Generation hat viel Schönes rund um den Fußball erlebt. Der Podcast ist meine ganz persönliche Spielwiese, es kann alles passieren. Vielleicht ein Interview mit einem Fußballer, Funktionär, Fan oder Berater, ganz egal. Was aber immer passiert, ist, dass ich mit einer Person aus meiner „Fünfer-Kette“ durch die Folge führe, über den Spieltag rede oder das, was mich gerade am Fußball interessiert. Diese Kette besteht aus Gregor Ryl, Dr. Turid Knaak, Christoph Kramer, Jana Wosnitza und Terence Boyd. Darauf bin ich sehr stolz.

Inwiefern ist die Arbeit an „Copa TS“ anders als für „Gemischtes Hack“?

Schmitt: Es ist eine gänzliche andere Sportart. „Gemischtes Hack“ lebt davon, dass Felix und ich uns Dinge erzählen, die uns in der Woche passiert oder popkulturell bzw. gesellschaftlich aufgefallen sind. Mal total flapsig, immer gewissenhaft, mal etwas tiefgründiger, aber immer als zwei Freunde, die sich etwas erzählen. Ein Fußballpodcast dagegen bedarf schon einer gewissen redaktionellen Vorbereitung, aber ich freue mich sehr drauf.

Hat „Copa TS“ Auswirkungen auf „Gemischtes Hack“? Wie bringen Sie beides unter einen Hut?

Schmitt: Würden wir in „Gemischtes Hack“ wöchentlich über Fußball reden, gäbe es natürlich Schwierigkeiten, keine Frage. Allerdings tun wir das nicht. Fußball spielt dort eine sehr untergeordnete oder gar keine Rolle. Ich habe aber immer gespürt, dass ich meine Gedanken zum Fußball auch irgendwo publizieren möchte. Egal, ob es befreundete Fans, Familie, Kollegen oder auch Profis waren, oft wurde mir von denen gesagt: „Warum machst DU eigentlich nix mit Fußball?!“ Deshalb schrieb ich ja relativ lange eine Kolumne für das von mir sehr geschätzte Magazin „11FREUNDE“. Aber irgendwann hatte ich einfach Bock, das doch lieber als Audio-Format zu entwickeln. Dann kam Studio Bummens. Und jetzt gibt’s „Copa TS“.

Sie sprechen im Podcast unter anderem mit Christoph Kramer. Wie ist Ihr Verhältnis und was bringt er für den Podcast mit?

Schmitt: Wir sind mittlerweile gut befreundet, waren zusammen im Urlaub und tauschen uns regelmäßig über Fußball aus. Es gibt einfach niemanden, der die Kompliziertheit des Spiels so fan-nah rüberbringen kann. Der eine solche Leidenschaft in den Augen hat, wenn er über den Fußball redet. Dazu kommt, dass wir bezogen auf den Sport ähnlich sozialisiert wurden. Wir müssen nur bestimmte Schuhe aus den 2000ern, ein Video von Edgar Davids oder alte Trikots sehen und schon haben wir zwei Stunden Gesprächsstoff. Natürlich gibt es Momente, wenn wir zusammen Kaffee trinken, in denen ich mir die Augen reibe, hier mit einem Weltmeister zu sitzen. Ich will mir das auch einfach bewahren, da bleibe ich immer zehn Jahre alt und bin für ein paar Sekunden aufgeregt, auch wenn er mittlerweile mein Freund ist. Und ich finde das toll, dass das surreale Gefühl so da ist. Darum geht’s doch! Der Zauber! Der hat einfach in einem WM-Finale gespielt, wie absurd (lacht).

Wie viel Platz nimmt Fußball in Ihrem Leben ein?

Schmitt: Der Job in der Medienbranche läuft sehr antizyklisch und selten planbar, aber immer, wenn ich es schaffe, gehe ich ins Stadion. Am liebsten zu Auswärtsspielen, da spürt man den Fußball einfach am meisten. Ich kicke auch selbst einmal in der Woche mit einer Hobbytruppe. Darüber hinaus checke ich in der Kicker-App jeden Tag, welches Spiel heute im Fernsehen läuft und die Stimmung am Wochenende steht und fällt tatsächlich mit dem Ausgang der Partie meiner Borussia aus Mönchengladbach. Sagen wir so: Ich hatte im vergangenen Jahr oft schlechte Laune. Das mag pathetisch klingen: Aber Fußball ist sehr wichtig für mein Seelenheil und eine relevante Konstante in meinem Leben. Deshalb halte ich ihn auch aus ganz egoistischen Gründen für sehr schützenswert.

Wie würden Sie einem Nicht-Fußball-Fan die Faszination für den Sport erklären?

Schmitt: Jemandem, der nicht mit dem Fußball durch Familie und Freunde sozialisiert wurde, diese Passion zu erklären, ist unmöglich. Entweder du hast es, oder eben nicht. Ich verstehe auch jede Person, die das absurd findet – ist es ja auch. Es ergibt null Sinn, Fußballfan zu sein. Aber irgendwas braucht man ja dann doch. Es ist einfach ein Gefühl. Es hat natürlich etwas Religiöses, keine Frage. Es hat ganz viel mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu tun, wir gegen die, mit Ablenkung, Freundschaft und dem Projizieren von Alltags-Emotionen auf den Sport. Allein die Stimmung an einem Heimspiel-Tag, und man hat sogar noch ein Ticket, ist ganz speziell. Man kennt das vor Gewittern, dieser ganz komische Zauber in der Luft, der nicht beschreibbar ist. Und dann klingelt es, Freunde holen dich ab, ihr trinkt noch zwei, drei Bier und dann geht es zum Stadion. Es gibt nichts Schöneres. Wirklich nicht.

Mit wem teilen Sie Ihre Leidenschaft am liebsten?

Schmitt: Ich habe zum Glück viele Freunde, die demselben Fußballverein die Daumen drücken, wie ich. Mit denen schaue ich logischerweise die Spiele. Aber ich habe auch Freunde, die wirklich durch die Bank verschiedensten Clubs anhängen. Von Arminia Bielefeld, über den 1. FC Köln bis Manchester United ist alles dabei. Was meine Freunde aber wissen, ist, dass ich sehr wichtige Spiele, wie bspw. Finals, nicht in Kneipen gucken kann. Das lenkt mich zu sehr ab, dann hast du vielleicht keinen guten Blick auf den Fernseher, oder jemand neben dir nervt, absoluter Horror. Diese Partien muss ich in Ruhe zuhause schauen. Oder eben im Stadion.

Wird es Ihnen als Borussia-Fan schwerfallen, im Podcast objektiv zu bleiben?

Schmitt: Ich glaube, das kriege ich gut hin. Vielmehr muss ich aufpassen, nicht zu kritisch zu sein. Immerhin liebe ich die Borussia, dementsprechend enorm ist die Fallhöhe, was meine mögliche Enttäuschung angeht. Natürlich werde ich immer mal wieder über Gladbach und meine Erlebnisse als Fan sprechen, das liegt in der Natur der Sache. Aber das wird schon ausgewogen sein.

Was waren für Sie persönlich bis jetzt die größten Momente im Fußball?

Schmitt: Ach, das sind Unzählige. Mein Papa, der 1996 den Fernseher vor Freude anbrüllt, als Oliver Bierhoff das Golden Goal geschossen hat. Da saß ich da mit sieben Jahren und wusste: Okay, das liebe ich. Das letzte Tor am Bökelberg live im Stadion gesehen zu haben. Alle Tore von Juan Arango, das 1:0 von Oliver Neuville gegen Polen 2006, das wahrscheinlich erst das Sommermärchen auslöste, Gladbachs Relegation gegen den VfL Bochum und Tom Bartels‘ Kommentar von Mario Götzes Tor in Rio. Den Text kann hoffentlich jeder, der bei Verstand ist, noch heute auswendig. Aber am Ende sind es wahrscheinlich gar nicht die großen sportlichen Highlights, die glücklich machen, sondern die kleinen Momente, die du mit deinen Freunden vor, während und nach dem Spiel erlebst.

In der Ankündigung heißt es, Sie machen sich Sorgen um die Entwicklungen im Fußball. Wie düster sehen Sie die Zukunft des Profi-Fußballs?

Schmitt: Ich mache mir eher Sorgen darüber, ob ich für immer diese Emotionen beibehalten kann. Der Fußball verändert sich. Weg von Europa, hin zu anderen Märkten. Anstoßzeiten, krude Wechsel der Stars, die Jagd nach der nächsten Sensation auf Social Media. Da bleiben Fans wie ich rein emotional langfristig auf der Strecke. Das ist dem Fußball allerdings egal, der bleibt erfolgreich, dafür ist Europa auch viel zu klein und andere Märkte zu groß. Man möge mir diesen Vergleich verzeihen, aber es ist ein bisschen wie beim Klimawandel: Der Erde ist es auch egal, ob es die Menschen noch gibt. Auch deshalb wollte ich den Podcast machen, um weiterhin das Schöne am Fußball zu betonen und vielleicht aufzuzeigen, warum wir überhaupt Fußball gucken. Doch nicht wegen des Erfolgs. Es geht um Theater, Zufälle und Emotionen.

Am Sonntag steht das WM-Finale der Frauen an. Haben Sie die WM viel verfolgt und wie haben Sie das Ausscheiden der deutschen Frauen erlebt?

Schmitt: Es ist natürlich bitter. Das Spiel gegen Südkorea war unerklärlich schwach, da muss man nicht drum herum reden. Es ist schon irgendwie interessant, dass dieses Deutschland ist eine Turniermannschaft-Denken, egal ob bei den Männern oder Frauen, endgültig beerdigt ist. Um es einfach zu sagen: Wir sind nicht mehr so gut. Und Südkorea ist endgültig ein deutscher Angstgegner. Ich bin aber optimistisch, was die Frauen angeht, sie haben gehöriges Talent im Team, die Liga ist gut aufgestellt und sie werden beim nächsten Turnier genügend Wut im Bauch haben. Das Wichtigste: Es stimmt im Team, die mögen sich, das hat man einfach gespürt und das ist ein elementares Gut für die Zukunft.

Nicht nur ein neuer Podcast, sondern auch eine neue TV-Show steht an. Wird in „Neo Ragazzi“ Fußball auch ein Thema sein, was erwartet die Zuschauer in der Sendung?

Schmitt: Es kann natürlich sein, dass auch mal eine Fußballerin oder ein Fußballer zu Gast sein wird. Dann kommen wir ja gar nicht drum herum, übers Kicken zu reden. Aber ich werde den Zuschauern und Sophie zur Liebe dann nicht anfangen „abzunerden“, sondern gemäßigt über den Fußball sprechen. Für alles andere gibt es ja jetzt den Podcast. „Neo Ragazzi“ ist eine Talkshow, in der nicht nur die Gäste, sondern auch Sophie und ich viel zu Wort kommen werden. Alles auf Augenhöhe. Ich liebe Talks, bin mit „Zimmer frei!“ und Co. sozialisiert worden, ich mag Sophie, und das sind doch schon mal gute Voraussetzungen. In der Show werden wir mit vier Gästen amüsant, aber bestimmt auch mal tiefgründig, sprechen. Ganz normal, ohne Druck und ohne das Hoffen auf die nächste Sensation, verbalen Fehltritt oder den nächsten Shitstorm. Alles entspannt. Sechs Menschen, die miteinander reden. Ich freue mich sehr darauf.

(jom/spot)

Bild: Tommi Schmitt ist leidenschaftlicher Fußballfan. / Quelle: Studio Bummens / Joseph Strauch