Vom mutigen Hardware-Experiment zum ernstzunehmenden Mitspieler im Premium-Segment: Als Google am 4. Oktober 2016 das erste Pixel-Smartphone präsentierte, stellte dies einen Wendepunkt dar. Der Konzern beendete die Nexus-Reihe, die als Referenzplattform für Android und Entwickler diente und teils vergleichsweise günstige Geräte bot. Man trat nun unter eigenem Namen direkt gegen das iPhone und Samsungs Galaxy-S-Klasse an. Zehn Jahre später hat sich Google vom Software-Konzern mit einzelnen Hardware-Projekten zum Anbieter eines eigenen Geräte-Ökosystems entwickelt – wenn auch nicht ohne Umwege.

Der Beginn einer neuen Ära: Die Geburtsstunde der Pixel-Serie

Das erste Google Pixel war optisch noch von Zurückhaltung geprägt, gefertigt von HTC, aber offiziell als erstes Smartphone „Made by Google“. Doch schon damals zeigte sich der Markenkern, der die Serie über ein Jahrzehnt prägen sollte: Spitzenleistungen durch Software und KI statt reiner Hardware-Aufrüstung.

Das Pixel war das erste Smartphone, das ab Werk mit dem Google Assistant ausgeliefert wurde. Bei der Kamera setzte Google auf rechnergestützte Fotografie („Computational Photography“): Das bereits für Nexus-Geräte entwickelte HDR+-Verfahren wurde beim Pixel zum Standardmodus und zeigte, was Algorithmen aus einer einzelnen Linse herausholen können. Pixel und Pixel 2 erhielten dafür jeweils zum Zeitpunkt ihres Tests die Höchstwertungen für Smartphone-Kameras.

Experimente und die Suche nach der Identität

Die mittleren Generationen waren geprägt von wechselnden Designs und technischen Experimenten. Für Diskussionen sorgte etwa die tiefe Display-Einkerbung („Notch“) des Pixel 3 XL aus dem Jahr 2018, eine der größten ihres Jahrgangs. Mit dem Pixel 4 führte Google 2019 die Radar-Gestensteuerung „Soli“ sowie eine 3D-Gesichtsentsperrung ein – nur um beide Features beim Nachfolger wieder zu streichen. Soli verschwand dauerhaft von den Smartphones, die Gesichtsentsperrung kehrte erst mit dem Pixel 7 in einfacherer, kamerabasierter Form zurück.

Das Pixel 5 trat 2020 nicht mehr als klassisches Flaggschiff an, sondern mit dem Mittelklasse-Prozessor Snapdragon 765G; ein günstigeres Modell hatte Google bereits 2019 mit dem Pixel 3a eingeführt. Es war eine Phase der Standortbestimmung, in der Google spürbar nach dem richtigen Rezept suchte, um aus der Nische der Android-Enthusiasten herauszutreten.

Die Wende: Eigener Chip und markanter Kamerabalken

Den Neustart als Flaggschiff-Reihe wagte 2021 das Pixel 6. Google setzte auf ein Redesign mit dem quer über die Rückseite verlaufenden Kamerabalken, der den Geräten einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert verschaffte.

Mindestens genauso bedeutend war der Abschied von Qualcomms Snapdragon-Prozessoren. Der erste Tensor-Chip basierte zwar noch auf einer Exynos-Vorlage von Samsung, das ihn auch fertigte, Google ergänzte jedoch eigene Komponenten, vor allem für KI-Berechnungen direkt auf dem Gerät. Live-Übersetzungen, für einige Sprachen auch ohne Internetverbindung, und die Retusche-Funktion „Magic Eraser“ wurden zu Aushängeschildern; die bereits zuvor eingeführte automatische Anrufprüfung profitierte von der zusätzlichen Rechenleistung. Erst der Tensor G5 im Pixel 10 (2025) gilt als weitgehend eigenständige Google-Entwicklung, gefertigt bei TSMC.

Neue Gerätekategorien und der Fokus auf KI

Neben den seit 2017 erhältlichen Pixel Buds und der 2022 eingeführten Pixel Watch stieg Google 2023 mit dem Pixel Fold in den Markt der Falt-Smartphones ein. Weltweit blieb Googles Anteil an diesem Markt zwar klein, in Europa legte Google vor allem mit dem Pixel 9 Pro Fold jedoch deutlich zu.

Seit Dezember 2023 läuft das KI-Modell Gemini Nano direkt auf Pixel-Geräten, zuerst auf dem Pixel 8 Pro. Die im August 2026 vorgestellte Pixel-11-Serie setzt diesen Kurs fort: Ihr Tensor G6 bietet laut Google 50 Prozent mehr Rechenleistung in der KI-Einheit (TPU), beim Basismodell Pixel 11 ist der Kamerabalken rund 40 Prozent flacher, und wie seit dem Pixel 8 verspricht Google sieben Jahre Updates.

Unterm Strich zeigt sich nach zehn Jahren: Die Schwerpunkte der Pixel-Serie lagen vor allem bei rechnergestützter Fotografie und KI-Funktionen. Google verfolgt damit den Ansatz, dass die Zukunft der Mobiltelefonie weniger im Wettlauf um Megapixel oder Taktfrequenzen liegt als mehr im Zusammenspiel von Hardware, Software und künstlicher Intelligenz.

Wirtschaftlich bleibt Google ein kleiner Anbieter: Weltweit macht Pixel laut Counterpoint nur rund ein Prozent der aktiven Smartphones aus. Die Marke wächst jedoch: 2025 stiegen die Auslieferungen um 25 Prozent, im zweiten Quartal 2026 trotz schrumpfenden Gesamtmarkts um 16 Prozent. Im Premium-Segment kehrte Google im ersten Halbjahr 2025 unter die fünf größten Hersteller zurück, in Japan rückte Google im Februar 2026 hinter Apple auf Platz zwei vor.

(elm/spot)

Bild: Mit dem Pixel 6 war Google 2021 Vorreiter, den KI-Trend auf das Handy zu bringen. / Quelle: Google