Eine Diagnose kann trotz aller Ängste auch Gewissheit geben. Für Christina Applegate (54) ist diese Gewissheit nach fünf Jahren plötzlich dahin. Die Schauspielerin, die 2021 ihre Erkrankung an Multipler Sklerose (MS) öffentlich gemacht hatte, erklärte am Dienstag in ihrem Podcast „MeSsy“, dass sie offenbar gar nicht an der Autoimmunerkrankung leidet. Ihre schweren körperlichen Beschwerden bestehen jedoch weiterhin.
„Ich bin wieder ganz am Anfang“, erklärte die aus „Eine schrecklich nette Familie“ bekannte Schauspielerin. Erleichterung verspüre sie angesichts der neuen Erkenntnisse nicht, schließlich sei weiterhin unklar, woher ihre Beschwerden kommen. Mit einer solchen Erfahrung steht Applegate nicht allein da. Auch andere Hollywoodstars haben von Fehldiagnosen berichtet, die zum Teil schwerwiegende Folgen hatten.
Lucy Liu wurde unnötig operiert, Kylie Minogues Krebs übersehen
Für Lucy Liu (57) endete eine Fehldiagnose sogar auf dem Operationstisch. Wie die Schauspielerin im April 2026 dem US-Magazin „People“ erzählte, entdeckte sie 1991 im Alter von 22 Jahren einen Knoten in ihrer Brust. Ihr Arzt habe diesen allein durch Abtasten als Krebs eingestuft. Ohne Mammografie oder Ultraschall ließ sich Liu operieren. Erst anschließend stellte sich heraus, dass der Knoten gutartig war. Die Erfahrung habe sie gelehrt, medizinische Einschätzungen stärker zu hinterfragen.
Bei Kylie Minogue (58) verlief es genau umgekehrt. Die australische Popsängerin wurde 2005 zunächst für gesund erklärt, obwohl sie tatsächlich an Brustkrebs erkrankt war. Erst einige Wochen später wurde die Krankheit entdeckt. 2008 machte Minogue die anfängliche Fehldiagnose in der Talkshow von Ellen DeGeneres öffentlich. Ihre Botschaft: Auch Ärzte könnten sich irren. Nach einer Operation und Chemotherapie galt sie zunächst als krebsfrei. Doch 2021 erkrankte sie erneut an Brustkrebs. Diese zweite Diagnose hielt sie jahrelang geheim, bevor sie im Mai 2026 in ihrer Netflix-Dokumentation darüber sprach. Inzwischen hat sie nach eigenen Angaben auch diese Erkrankung überstanden.
Kris Kristofferson: Ärzte vermuteten Alzheimer statt Borreliose
Jahrelang glaubte auch Kris Kristofferson (1936-2024) an einer schweren neurologischen Erkrankung zu leiden. Der Countrymusiker und Schauspieler hatte zunehmend mit Gedächtnisproblemen zu kämpfen. Ärzte gingen von Alzheimer beziehungsweise Demenz aus. Erst 2016 wurde bei ihm Borreliose festgestellt. Nach einer entsprechenden Behandlung verbesserte sich sein Zustand deutlich, wie seine Ehefrau Lisa damals unter anderem gegenüber der „Huffington Post“ berichtete.
Oscarpreisträgerin Halle Berry (60) machte ebenfalls eine erschreckende Erfahrung. Wegen starker Schmerzen im Intimbereich suchte sie einen Gynäkologen auf, der nach ihren Angaben einen besonders schweren Fall von Herpes diagnostizierte. Doch sowohl Berry als auch ihr Partner Van Hunt wurden negativ auf das Virus getestet. Wie die Schauspielerin unter anderem in der „The Drew Barrymore Show“ erklärte, hingen ihre Beschwerden tatsächlich mit der Perimenopause zusammen, also der hormonellen Übergangsphase vor den Wechseljahren.
Olivia Williams: Krebs erst nach vier Jahren erkannt
Besonders schwerwiegende Folgen hatte die lange Suche nach einer Diagnose für Olivia Williams (58). Die aus „The Crown“ bekannte Schauspielerin litt jahrelang unter gesundheitlichen Beschwerden. Ärzte vermuteten unter anderem Lupus, ein Reizdarmsyndrom oder Wechseljahresbeschwerden. Erst 2018 wurde ein seltener neuroendokriner Tumor an ihrer Bauchspeicheldrüse entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krebs bereits in die Leber gestreut. Im Interview mit der britischen „Times“ beklagte Williams 2025, dass eine frühere Diagnose möglicherweise eine Heilung ermöglicht hätte.
Für Kelly Clarkson (44) fiel ein medizinischer Schock ausgerechnet mit einem der größten Erfolge ihrer Karriere zusammen. Am Morgen der Grammy-Verleihung 2006 wurde ihr mitgeteilt, dass Untersuchungsergebnisse auf Krebs hindeuteten. Die Sängerin verbrachte den Tag voller Angst, gewann am Abend aber gleich zwei Grammys. Erst am nächsten Tag erfuhr sie, dass ihre Untersuchungsergebnisse vertauscht worden waren. „Es war irgendwie der schlimmste und gleichzeitig beste Tag“, erinnerte sie sich 2017 im „Pop Shop“-Podcast von „Billboard“.
Susan Boyle lebte jahrzehntelang mit falscher Diagnose
Noch deutlich länger lebte Susan Boyle (65) mit einer falschen medizinischen Einschätzung. Der schottischen Sängerin, die 2009 durch „Britain’s Got Talent“ berühmt wurde, war als Kind eine Hirnschädigung infolge von Komplikationen bei der Geburt zugeschrieben worden. Erst Jahrzehnte später erhielt sie eine Asperger-Diagnose, die heute dem Autismus-Spektrum zugeordnet wird. 2013 sprach Boyle im Interview mit dem „Observer“ über die große Erleichterung. Sie habe immer gewusst, dass die frühere Einordnung nicht richtig gewesen sei. Endlich verstehe sie sich selbst besser.
(dr/spot)
Bild: Lucy Liu (l.) und Christina Applegate teilen das identische Schicksal: Fehldiagnose. / Quelle: imago/ZUMA Press Wire / Paul Fenton-KPA