Bautzen, 07.04.2026 (lifePR) – Die Umgebindehäuser im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck sind ein weltweit einzigartiges Kulturerbe, das bislang zu wenig bekannt ist. In den zahlreich erhaltenen Zeugnissen der speziellen Volksbauweise steckt allerdings enormes Potenzial zur touristischen Profilierung der Region. Das ist ein wesentliches Fazit aus Befragungen, die Liberecký kraj (Bezirk Liberec) in Tschechien und die Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien auf deutscher Seite in Auftrag gaben. Angaben von insgesamt 1110 Personen aus beiden Ländern wurden dafür ausgewertet. Die Ergebnisse fließen in eine Marketingstrategie ein, die bis Juni 2026 innerhalb des deutsch-tschechischen INTERREG-Projektes „Das Umgebindeland touristisch erlebbar machen“ (Umgebinde 2.0) erarbeitet werden soll.

In Umgebindehäusern verbinden sich Elemente von Umgebinde, Fachwerk, Blockbau und Massivbau zu einer einmaligen Bauweise. Die regionaltypischen Bauten prägen zahlreiche Orte in Nordböhmen, im polnischen Niederschlesien, in der südlichen Oberlausitz und teilweise auch in der Sächsischen Schweiz. Schätzungen zufolge sind insgesamt rund 20.000 Häuser mit dem markanten Erscheinungsbild noch erhalten. Die jüngste Umfrage hat gezeigt, dass ihr Bekanntheitsgrad bislang allerdings außerhalb des Verbreitungsgebietes gering ist. Das gilt für Deutschland und besonders für Tschechien, wo nur eine Minderheit den Begriff „Umgebindehaus“ überhaupt kennt.

Grenzüberschreitende Vermarktung erwünscht

"Die Befragungen machten deutlich, dass es ein großes Interesse an Umgebindehäusern gibt, diese jedoch als unverwechselbares Kulturerbe stärker erlebbar werden sollten“, sagt Dr. Stephan Meyer, Landrat des Landkreises Görlitz. Sowohl Gäste und Einheimische als auch touristische Akteure in beiden Ländern befürworten die gemeinsame Vermarktung als „Umgebindeland". Das Interesse an grenzüberschreitenden Aktivitäten liegt bei Bewohnern der Region mit 87 Prozent noch etwas über dem der Gäste. Die befragten Akteure, die in Umgebindehäusern bereits unterschiedliche Angebote offerieren, erhoffen sich von einer stärkeren Vermarktung des „Umgebindelandes" mehr Nachfrage und neue Zielgruppen.

An der Umfrage in Deutschland beteiligten sich überwiegend Menschen, denen die Region und die Umgebindehäuser bereits vertraut sind.

Bei ihnen gibt es weniger ein fehlendes Bewusstsein für die Bedeutung der überwiegend denkmalgeschützten Objekte, sondern eher ein „Angebots- und Zugangsproblem“, heißt es in der Analyse. Als Bereicherung gefragt sind deshalb Handwerksvorführungen, Besuche in Manufakturen und Hofläden, kulinarische Offerten oder sogar „Schaubaustellen“. Gäste wünschten sich eine bessere Orientierung durch Routenvorschläge, Beschilderung oder digitale Übersichten sowie buchbare Angebote wie Übernachtungen im Umgebinde.

Hintergrund

Auf deutscher Seite war zur Teilnahme an einer Umfrage im Internet aufgerufen worden. Im November und Dezember 2025 beteiligten sich daran insgesamt 239 Personen, von denen allein 174 aus der Oberlausitz stammten. Zudem wurden insgesamt 30 Personen an drei touristischen Orten der Oberlausitz direkt befragt. Diese Interviews fanden vom 10. bis 12. Dezember 2025 im Zittauer Museum Kirche zum Heiligen Kreuz, in der Zittauer Schmalspurbahn und in der Manufaktur der Herrnhuter Sterne GmbH statt.

Anders als in Deutschland wurden die Angaben in Tschechien mit Hilfe einer repräsentativen Online-Befragung ermittelt. 806 zufällig ausgewählte Personen nahmen daran teil, darunter 406 aus der Region Liberec und angrenzenden Gebieten sowie 400 aus dem übrigen Tschechien.

Darüber hinaus wurden 17 touristische Akteure in der Oberlausitz und 18 in Nordböhmen befragt.

Am deutsch-tschechischen INTERREG-Projekt „Das Umgebindeland touristisch erlebbar machen“ (Umgebinde 2.0) beteiligt sind die Sächsische Bildungs- und Begegnungsstätte Windmühle Seifhennersdorf e. V. als Leadpartner sowie die Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH, das Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge GmbH, Liberecký kraj (Bezirk Liberec) und die lokale Aktionsgruppe Český sever mit Sitz in Varnsdorf.

Das Gesamtbudget des Projekts beträgt 1.224.994,18 Euro. Davon werden 979.995,34 Euro durch die Europäische Union aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung, aus dem Kooperationsprogramm Freistaat Sachsen – Tschechische Republik 2021 – 2027 gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt: https://oberlausitz.business/projekte/interreg-umgebindeland
Allgemeine Informationen rund um das Umgebindeland sind zu finden unter:
https://www.umgebinde-kultland.de/

Kontakt
Veronika Franzbecker
Projektmanagerin Tourismusmarketing

Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH
Humboldtstraße 25 | 02625 Bautzen
Telefon: +49 (3591) 4877 14
E-Mail: veronika.franzbecker@oberlausitz.com