Wenn Uli Brée (geb. 1964) ein Drehbuch schreibt, geht es in der Wiener Gesellschaft selten mit rechten Dingen zu. Der Autor der Kultserie „Vorstadtweiber“ hat wieder zugeschlagen – und das ZDF zeigt am heutigen Montag (18. Mai) seinen neuesten Streich: den Zweiteiler „Mama ist die Best(i)e“. Was auf den ersten Blick nach gepflegter Krimiunterhaltung klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als schwarzhumoriges Familienpanorama mit echten Abgründen – und einem Top-Ensemble.

Im Mittelpunkt steht Gloria Almeda, gespielt von Adele Neuhauser (67): eine ehemals steinreiche Wiener Society-Lady, die nach zehn Jahren Gefängnis plötzlich wieder vor der Tür ihrer Villa steht. Verurteilt wegen des Mordes an ihrem despotischen Ehemann Viktor, der bei der Explosion einer Gartenlaube ums Leben kam. Gloria bestreitet die Tat – und ist überzeugt: Der wahre Täter sitzt mitten in ihrer dysfunktionalen Familie.

Rache – mit Wiener Schmäh

Zurück in der Villa, trifft sie auf eine Mannschaft, die sich gerade ohne Umschweife an ihrem Erbe bedient: ihre erwachsenen Kinder, deren Partner und Victors Bruder. Wegen einer Fußfessel darf Gloria das Anwesen nicht verlassen, also schickt sie zwei Vertraute vor, die sie im Gefängnis kennengelernt hat: Maria und Henny haben sich längst als Mitarbeiterinnen im Familienunternehmen eingeschleust und liefern Gloria Puzzlestück für Puzzlestück.

Besonders pikant: Glorias einstige Freundin Bernadette und deren Ehemann Tono – ausgerechnet Glorias heimliche Liebe – tauchen ebenfalls wieder auf. Auch sie hatten Gloria nicht im Gefängnis besucht. Elena Uhlig (50) spielt die „maximal überkandidelte“ Bernadette mit sichtlicher Spielfreude. Im Interview mit spot on news verrät die Schauspielerin, wie viel Spaß ihr die Rolle gemacht hat: „Herrlich! Genau dafür liebe ich meinen Beruf. Wenn man tolle Angebote bekommt, darf man völlig unterschiedliche Dinge ausprobieren und manchmal einfach komplett auf die Zwölf gehen.“ Und dass es dabei gerade mit Theaterstar Roland Koch (66), der ihren Mann Tono verkörpert, manchmal etwas zu viel des Guten wurde, räumt sie offen ein: „Roland und ich – beide. Uns gingen teilweise wirklich die Pferde durch. Er ist ja auch ein absolutes Theaterpferd. Das war schon wild.“

Ein Ensemble in Hochform – und ein besonderes Wiedersehen

Dass der Zweiteiler so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt an eben diesem außergewöhnlichen Cast. Neben Neuhauser und Uhlig und Koch spielen unter anderem Bernhard Schir, Manuel Rubey, Andreas Lust, Aglaia Szyszkowitz, Stefanie Stappenbeck, Fanny Krausz und Lara Mandoki mit. Für Uhlig war das Ensemble der entscheidende Grund, überhaupt zuzusagen: „Als auf meine Nachfrage ‚Wer spielt denn mit?‘ die Namen fielen – vor allem Adele Neuhauser und Roland Koch als mein direkter Spielpartner – war eigentlich klar: Das wird gut.“

Ein besonderes Kapitel schreibt dabei Miriam Fussenegger (35): Sie spielt Désirée Fischer, die Geliebte des ermordeten Viktor (Schir) – und ist damit als künftige Wiener „Tatort“-Kommissarin erstmals gemeinsam mit ihrer Vorgängerin Adele Neuhauser auf dem Bildschirm zu sehen. Neuhauser, die bald ein letztes Mal in der Rolle der langjährigen Ermittlerin Bibi Fellner zu sehen sein wird, übernimmt in „Mama ist die Best(i)e“ eine völlig andere Figur. „Gloria ist keine positive Persönlichkeit, was ihr natürlich überhaupt nicht bewusst ist. Sie ist überkandidelt und unreflektiert. Und was machen zehn Jahre Haft mit so einem Menschen? Den Wandel zu zeigen, das hat mich gereizt“, sagte Neuhauser in einem Statement.

Brée und die Kunst des schwarzen Humors

Für Elena Uhlig steht fest, wer hinter der Qualität des Zweiteilers steckt: „Krimikomödien kann er einfach wie kein Zweiter. Wenn Uli Brée etwas schreibt, dann hat das Qualität.“ Und sie fügt hinzu, was seine Texte von anderen abhebt: „Sprachlich ist das weit weg von dem Flapsigen oder Verrohten, was man inzwischen oft in deutschen Produktionen hört. Sprache ist unglaublich wichtig, denn wie wir sprechen, ist Kultur. Und bei ihm merkt man das.“ Seine Dialoge haben Rhythmus und Präzision.“

Brée selbst beschreibt „Mama ist die Best(i)e“ als weit mehr als einen Krimi: Es gehe um Familie, Schuld, Verantwortung – und die leise Erkenntnis, dass Vergebung manchmal mehr Mut braucht als Rache. Regisseurin Ute Wieland setzte dabei auf intensive Probenarbeit vor den Dreharbeiten, darunter eine Familienaufstellung mit dem gesamten Ensemble. Das Ergebnis: ein Zweiteiler, der seine Figuren ernst nimmt, ohne den Humor zu verlieren.

„Mama ist die Best(i)e“ läuft am 18. Mai in zwei Teilen um 20:15 Uhr und 22:15 Uhr im ZDF. Beide Teile sind in der Mediathek verfügbar.

(ili/spot)

Bild: „Mama ist die Best(i)e“: Gloria Almeda (Adele Neuhauser) wird von Polizisten abgeführt, weil sie verdächtigt wird, ihren Ehemann Viktor umgebracht zu haben. / Quelle: ZDF / Fabio Eppensteiner