Sein Gesicht dürfte vielen Fernsehzuschauern noch immer bestens vertraut sein: Sigmar Solbach gehörte über Jahrzehnte zu den bekanntesten Darstellern im deutschen Fernsehen. Er spielte in Erfolgsserien wie „Die Schwarzwaldklinik“, „Das Erbe der Guldenburgs“ und „Diese Drombuschs“, ging mehrfach an Bord des „Traumschiffs“ und wurde als „Dr. Stefan Frank“ einem Millionenpublikum bekannt.
Ob Herzensbrecher, Held oder Schurke – Solbach verkörperte häufig den charmanten, gut aussehenden Gentleman mit besten Manieren. Ein Image, das ihn über viele Jahre begleitete. Inzwischen hat sich der Schauspieler weitgehend vom Fernsehen zurückgezogen. Seit mehr als zehn Jahren steht er nicht mehr regelmäßig vor der Kamera und genießt ein Leben ohne Drehtermine. Am 3. Oktober feiert Sigmar Solbach seinen 80. Geburtstag – und ganz zur Ruhe gesetzt hat er sich trotzdem nicht.
Seinen Abschied vom Fernsehen wählte er selbst. Solbach zog einen Schlussstrich, „obwohl ich das körperlich locker schaffen würde“, wie er der „Bild“-Zeitung sagte. Vielmehr waren es die Drehbücher und veränderte Arbeitsbedingungen, die ihm die Freude nahmen. „Und Regisseure und Schauspieler haben bei TV-Filmen kaum noch Mitspracherechte. Ich spiele lieber Theater.“ Der Bühne ist er bis heute treu geblieben.
Vom Theater führt sein Weg ins Fernsehen
Von 1967 bis 1970 studierte Solbach an der renommierten Westfälischen Schauspielschule Bochum. 1970 gab er sein Theaterdebüt am Schauspielhaus Bochum. Es folgten Engagements in Oberhausen, Wiesbaden, Augsburg und Bonn sowie zahlreiche Gastspiele, etwa am Berliner Theater des Westens und am Theater am Kurfürstendamm. Das Theater wurde zu Solbachs großer Leidenschaft. Dann öffnete sich für ihn eine weitere Tür: das Fernsehen.
Regisseur Fritz Umgelter (1922-1981) entdeckte Solbach für den Bildschirm und besetzte ihn in einer der männlichen Hauptrollen des ARD-Mehrteilers „Der Winter, der ein Sommer war“, der vom Schicksal hessischer Soldaten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erzählt und auch international Beachtung fand. Für Solbach der Beginn einer langen TV-Karriere.
Mehr als 90 Fernsehproduktionen folgten. Er spielte unter anderem in dem deutsch-französischen Mehrteiler „Die Geheimnisse von Paris“, in „Fabrik der Offiziere“ und „Feuer und Flamme“. Von 1987 bis 1990 war er als Jan Balbeck in der erfolgreichen ZDF-Serie „Das Erbe der Guldenburgs“ zu sehen. Hinzu kamen Rollen in „Diese Drombuschs“ sowie Gastauftritte in Formaten wie „Das Traumschiff“, „Wilsberg“, „Rosamunde Pilcher“ und „Die Alpenklinik“.
Mit „Dr. Stefan Frank“ wird er zum TV-Liebling
Den Höhepunkt seiner Popularität erreichte Solbach mit der RTL-Serie „Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen“. Von 1995 bis 2001 spielte er in sieben Staffeln und mehr als 100 Episoden den titelgebenden Gynäkologen. Die Serie wurde auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Kroatien ausgestrahlt.
Dabei hätte er die Rolle beinahe abgelehnt: Vor allem mit dem Untertitel der Serie konnte er sich zunächst nicht anfreunden. Dass er schließlich doch zusagte, hatte auch wirtschaftliche Gründe. „Die Serie hat mir die finanzielle Unabhängigkeit gebracht“, sagte er später. Danach habe er selbst entscheiden können, „welche Angebote ich annehme und welche nicht“.
Warum er dem Fernsehrummel den Rücken kehrt
Mit dem Fernsehen fremdelte Solbach zunehmend. Nicht nur die Rollenangebote gefielen ihm immer weniger, auch der Starrummel und die damit verbundene Selbstdarstellung wurden ihm zu viel. „Ich trage meine Erfolge nicht vor mir her“, sagte er der „Bild“. Bei Veranstaltungen, auf denen Menschen um Aufmerksamkeit buhlen, bekomme er „Atemnot“. Auch rote Teppiche seien längst nicht mehr seine Welt: „Da habe ich eine Phobie entwickelt. Diese Selbstdarstellung bereitet mir körperliche Schmerzen.“
Umso wohler fühlt sich Solbach auf der Theaterbühne. „Zu spüren, wie die Menschen dir zuhören, wie du ihnen direkt etwas vermitteln kannst, ist das schönste Geschenk.“ Eine besondere Herausforderung wurde für ihn die Rolle des querschnittgelähmten Philippe in der Bühnenfassung von „Ziemlich beste Freunde“. Zwei Stunden lang durfte er weder Hände noch Füße bewegen und steuerte seinen Elektrorollstuhl ausschließlich mit dem Kinn. Zwei Wochen trainierte er allein dafür. „Wenn man da nicht aufpasst, fährt man in die Kulissen oder ins Publikum“, erinnerte er sich.
Sein privates Glück mit Ehefrau Claudia
Zuletzt stand Solbach an der Münchner Komödie im Bayerischen Hof auf der Bühne. In dem Stück „Der Abschiedsbrief“ spielte er an der Seite von Michaela May. München ist auch privat längst sein Lebensmittelpunkt. Dort lebt er mit seiner zweiten Ehefrau Claudia, einer gelernten Maskenbildnerin, mit der er seit 2002 verheiratet ist. Ihre Tochter aus einer früheren Beziehung adoptierte Solbach später. Inzwischen ist er zweifacher Großvater. „Die entzückenden Kinder (…) sagen von klein auf Opa zu mir. Ich liebe es, Opa zu sein“, erzählte er 2020 der Zeitschrift „Bunte“.
Gemeinsam mit seiner Frau zieht es ihn regelmäßig aufs Wasser. Das Paar besitzt ein Segelboot in der türkischen Ägäis und verbringt dort oft mehrere Wochen auf engem Raum. „Claudia kocht, ich wasche ab. Ich bin der Kapitän und gemeinsam bestimmen wir, wo es langgeht. Das ist unser kleines Paradies, mehr Romantik geht kaum.“
Das Segeln gehört seit Langem zu Solbachs großen Leidenschaften, drei Atlantiküberquerungen hat er bereits hinter sich. Auf dem Meer hat er auch eine seiner wichtigsten Lebenslektionen gelernt: „Auf dem Atlantik, mit nichts als Wasser um sich herum, erkennt man, wie klein und unbedeutend wir sind. Wenn man das verinnerlicht, gewinnt man sehr viel.“
(ln/obr/spot)
Bild: Er bleibt der Theaterbühne treu: Sigmar Solbach bei der Probe zum Theaterstück „Der Abschiedsbrief“ im Januar 2026. / Quelle: imago/APress / A-way!/RM