Russell Brand (51) hat am Mittwoch im Prozess gegen ihn erstmals selbst ausgesagt und dabei laut „The Hollywood Reporter“ eingeräumt, dass sich niemand sonst bereit erklärt habe, für ihn auszusagen. Vor dem Southwark Crown Court in London trat der Komiker als erster Zeuge der Verteidigung auf. Die Anklage hat ihre Beweisaufnahme abgeschlossen, nun ist das Team um Brands Anwalt Ian Winter am Zug.
Winter wollte von seinem Mandanten wissen, ob er auch nur eine einzige Person mit relevanten Beweisen zu einer Aussage zu seinen Gunsten bewegen konnte. „Das habe ich nicht“, antwortete Brand. Auf die Nachfrage, ob ihn überhaupt noch jemand „mit der Kneifzange anfassen“ würde, sagte er knapp: „Nein.“
„Atemberaubender Ruhm“
Winter begann mit Brands Heirat mit US-Popstar Katy Perry im Jahr 2010 und dem Wandel, den sie in sein Leben brachte. „Atemberaubender Ruhm“, fasste Brand zusammen. Die Channel-4-Dokumentation „Dispatches“, die 2023 die Ermittlungen der Polizei auslöste, nannte er „verheerend“.
Angeklagt ist der „St. Trinian’s“-Star wegen dreifacher Vergewaltigung, drei sexueller Übergriffe und versuchter sexueller Nötigung. Sechs Frauen werfen ihm Taten zwischen 1999 und 2009 vor. Den letzten Punkt hatte Richter Bennathan am Dienstag von sexueller Nötigung auf den Versuch der sexuellen Nötigung herabgestuft. Brand bestreitet jedes strafbare Verhalten.
„Ich weiß, was Nein bedeutet“
Eine Frau gibt an, Brand habe sie 1999 nach einem seiner Comedy-Auftritte in einem Hotelzimmer in Bournemouth vergewaltigt. Er erinnere sich, sie auf dem Labour-Parteitag kennengelernt und als „redselig“ und „interessant“ empfunden zu haben. Eine Vergewaltigung habe es nicht gegeben. Dem Vorwurf der Anklage, ihr Wille sei ihm egal gewesen, hielt er entgegen: „Ich weiß, was Nein bedeutet.“
Eine weitere Frau wirft ihm vor, er habe ihr 2004 in einer Bar in Soho an die Brüste gegriffen, sie auf eine Toilette gedrängt und dort oral vergewaltigt. An die Begegnung erinnere sich Brand. Nach weniger als einer Minute Gespräch seien beide auf die Toilette gegangen, um „rumzumachen“, ihre Zustimmung hierzu habe außer Frage gestanden. Einen Griff an die Brüste schloss er „absolut“ aus, so etwas sei „widerliches Verhalten“.
Fragen beim Sex
Auch den Vorwurf, er habe 2009 eine Frau in seinem Haus in Hampstead nach einvernehmlichem Sex anal vergewaltigt, wies Brand zurück. Sie habe ihn auch nicht gebeten, aufzuhören.
Er erklärte vor Gericht, während des Sex Fragen gestellt zu haben: „Mache ich das richtig, gefällt dir das, ist das okay?“ Einvernehmlichkeit sei „in vielerlei Hinsicht wichtiger als der Sex selbst“.
Der Prozess könnte bis zu sechs Wochen dauern.
(stk/spot)
Bild: Russell Brand betrat erstmals selbst den Zeugenstand und sagte aus. / Quelle: ZUMA/Zuma Press/Action Press