Zu wütend für Pop, zu erschöpft für Punk? Danger Dan hat diese musikalische Marktlücke schon mit dem 2021 erschienenen Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ geschlossen. Fünf Jahre später gibt es nun die Fortsetzung „Keine Angst“, die mit ihrem, sagen wir mal, sehr linken Titelsong und der Ausladung des ZDF schon für zahlreiche Schlagzeilen sorgte.
Rückzug ins Private
Skandalöser als die Grüße an verurteilte Linksextremisten wird es auf dem Album nicht. Es gibt noch den Vorschlag, Nazis wie Frauen zu behandeln – also catcallen, mansplainen, nicht ernst nehmen -, aber damit wird hoffentlich niemand ein Problem haben. Die politischen Songs sind auf diesem Album also eher die Ausnahme. Stattdessen zieht sich auch der inzwischen 43-Jährige, wie so viele von uns, ins Private zurück.
„Dass es hier so schön ist“ etwa behandelt mit eindringlichem Grönemeyer-Refrain die drohende Erblindung des Künstlers. Sehenswert ist auch das Musikvideo, in dem man die Sicht des Musikers einnimmt – mit den immer größer werdenden schwarzen Flecken. „Warum es nicht geklappt hat“ ist ein spätes Outing und eine Entschuldigung an einen Mann. „Für immer“ ist der Versuch, damit klarzukommen, die Erinnerungen an einen geliebten Menschen mit der Zeit zu verlieren. „Aber dann“ zeigt zum Schluss auf, warum man die Hoffnung – in persönlichen und politischen Dingen – nie aufgeben sollte.
Der Witz, um die Tränen zu überspielen
Dazwischen finden sich Schenkelklopfer-Lieder wie „In der roten Rose“ oder „Der Versicherungsvertreter lebe hoch“, die wie der Witz sind, den man schnell macht, um die eigenen Tränen zu überspielen. Was leider deplatziert wirkt auf einem Album, das vor allem von Klavier, Streichern und Intimität lebt. Die zeigt sich nicht nur in den Texten. Danger Dan erzählt selbst, dass er die Songs nach einer Session im Studio noch einmal eingesungen hat – diesmal im Sitzen und mit Kippe in der Hand. Man sollte den Entspannungsfaktor hören.
Authentizität und Vulnerabilität funktionieren mittlerweile besser als die gesellschaftskritischen Songs, deren Witz von wortreichen Texten zum lustigen Klavier langsam auserzählt ist. Mit der Verletzlichkeit und Offenheit, die Danger Dan als Mann in seinen Songs zeigt, tut er vielleicht sogar noch mehr für eine bessere Gesellschaft.
(mia/spot)
Bild: Danger Dan 2022 auf der Bühne. / Quelle: ddp/PIC ONE/Adina Scharfenberg