Am 22. Oktober kommt „Der perfekte Urlaub“ in die deutschen Kinos. Die Komödie setzt die Geschichte des Vorgängers „Das perfekte Geheimnis“ fort, der 2019 mit mehr als 5,3 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten deutschen Film des Jahres wurde. Regie führt erneut Bora Dağtekin (47), der auch diesmal auf die bekannte Besetzung setzt: Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Jessica Schwarz, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring und Emily Kusche kehren zurück. Verstärkung kommt von Diana Amft, die Carlottas beste Freundin spielt.
In „Der perfekte Urlaub“ hoffen Leo, Pepe, Rocco und Simon auf unbeschwerte Tage mit Freunden auf Mallorca, nachdem ein gefährliches Spiel mit den Handys die Freundschaften belastet hat. Auch Eva, Carlotta und ihre beste Freundin Maus sind auf der Insel. Als ein Feuer die Unterkunft unbewohnbar macht, landen alle in demselben Clubhotel und die alten Streitigkeiten brechen rasch wieder aus.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Hauptdarstellerin Karoline Herfurth (42) über zweite Chancen, chaotische Urlaube und ihre Flugangst.
In „Der perfekte Urlaub“ verkörpern Sie erneut Carlotta. Was hat Sie beim Wiedersehen mit der Figur mehr überrascht: Wie vertraut sie Ihnen noch ist, oder eher das Gegenteil?
Karoline Herfurth: Carlotta hat Ecken und Kanten und sie ist manchmal auch abgründig. Sie kann zickig, biestig und spitz sein, das zu spielen macht großen Spaß. Ich und Carlotta unterscheiden uns sehr. Gerade das macht es besonders spannend: In eine Haut zu schlüpfen, die einem eher fremd ist. Was Freundschaften und Vertrauen zu anderen Menschen angeht, ist sie ganz anders als ich. Ich selbst bin unglaublich gutgläubig: Ich glaube den Menschen schnell alles und sehe zunächst immer das Beste in meinem Gegenüber. Carlotta ist genau das Gegenteil. Deshalb hat es mich nicht überrascht, aber mir wurde noch einmal deutlich, wie unterschiedlich wir sind. Über ihre Entwicklung im Film habe ich mich außerdem sehr gefreut.
Carlotta hat Leo verziehen, aber das Misstrauen ist noch da. Kennen Sie das von sich: Der Kopf hat eine Sache längst abgehakt, aber das Herz weigert sich, mitzumachen?
Herfurth: Ich bin meinem Herzen im echten Leben sehr treu. Ich vergesse zwar vieles und bin eine sehr nachgiebige Person. Aber wenn einmal ein Vertrauensbruch passiert ist, kommt das nicht so leicht wieder zurück. Ich öffne zwar viele Türen immer wieder, doch wenn eine einmal wirklich zugegangen ist, bleibt sie zu. Davon komme ich dann schwer wieder zurück.
Woran merken Sie bei sich selbst, dass Sie jemandem wirklich verziehen haben?
Herfurth: Meistens vergesse ich es einfach. Und was heißt vergeben? Ich finde, wir befinden uns alle in einem Entwicklungsprozess. Es ist völlig erlaubt, Fehler zu machen, Dinge nicht zu wissen oder gemeinsam daran zu wachsen. Für mich ist das ehrlich gesagt einfach das Leben.
Sie glauben also an zweite Chancen?
Herfurth: Absolut, wenn mein Gegenüber wirklich an einer Klärung interessiert ist. Selbstbetrug oder Scheinlösungen kann ich überhaupt nichts abgewinnen. Ich gebe aber viele Chancen, weil ich finde, dass jeder Mensch das Recht auf Entwicklung und neue Erkenntnisse hat. Ich habe selbst ständig neue Erkenntnisse und glaube, dass das ein Leben lang so bleibt. Wenn wir damit aufhören, hören wir auch ein bisschen auf zu leben.
Für mich gehört das zum Leben dazu: Dadurch bleibt man doch lebendig und nimmt am Austausch teil. Bei zweiten Chancen kommt es für mich immer darauf an, ob man das Geschehene ehrlich verhandeln kann. Aber natürlich gibt es auch Dinge, die nicht zu verzeihen sind. Wer etwa Grenzen überschreitet – insbesondere Grenzen der Gewalt -, hat nicht immer eine zweite Chance verdient.
Im Film wird aus der erhofften Auszeit ziemlich schnell Chaos. Erinnern Sie sich an einen eigenen Urlaub, der ganz anders lief als geplant?
Herfurth: Ich muss gestehen: Ich bin eigentlich kein Urlaubsmensch. Ich bin eher ein Arbeitstier und musste erst lernen, Urlaub zu machen. Vielleicht liegt das daran, dass ich so früh angefangen habe zu arbeiten. In den Sommerferien, in denen alle anderen Pause gemacht haben, habe ich gearbeitet und dann im Unterricht meistens geschlafen. Auf dieser Reise und an diesem Dreh hat mich Jessica Schwarz mit ihrer Neugier und Lebenslust aber wirklich mitgerissen. Normalerweise gehe ich arbeiten, zurück ins Hotel, dann wieder arbeiten und erneut ins Hotel. Sie hat mich überallhin mitgenommen, auf einen schönen Markt, in ein tolles Restaurant, das sie unbedingt sehen wollte, weil man dort von den Klippen ins Wasser springen kann. Diese Lebensneugier hat mich richtig angepiekst.
Seitdem verstehe ich auch Sommerurlaub und all diese Dinge. Aufgewachsen bin ich auf jeden Fall mit eher chaotischen Urlauben. Als große Familie sind wir immer mit dem Fahrrad zelten gefahren und dabei ist nie alles so gelaufen, wie geplant. Dass ein Urlaub überhaupt geplant abläuft, war für mich also eher die Überraschung. Weil ich sehr viel arbeite, lege ich im Urlaub nun wirklich die Füße hoch. Am liebsten bin ich im Bett oder in der Sauna. Das ist für mich Urlaub und dabei kann nicht viel schiefgehen, außer dass ich vielleicht einmal einen schlechten Film auswähle.
Wollen Sie dank Frau Schwarz nun öfter Urlaub machen?
Herfurth: Auf jeden Fall. Sie hat mich wirklich angesteckt. Ich hatte große Flugangst, doch durch die Flüge nach Mallorca konnte ich das überwinden. Damit hat sich für mich eine ganze Welt geöffnet. Plötzlich habe ich wieder viele Möglichkeiten. Dieses Jahr war ich bereits in Tallinn, Rom und London. Es ist wunderbar, wieder so frei reisen zu können, und das kann ich jedem nur empfehlen. Wer eine Angst entwickelt, sollte ihr nicht aus dem Weg gehen: Je mehr man ihr ausweicht, desto größer wird sie. Besser ist es, sich ihr immer wieder zu stellen. Dann wird sie kleiner und sie verschwindet tatsächlich wieder, auch wenn man sich das im Moment kaum vorstellen kann. Mittlerweile habe ich eine ganze Liste mit Reisezielen, die ich besuchen möchte. Ich freue mich riesig darauf und werde sie auch umsetzen.
Wie entstand diese Flugangst?
Herfurth: Das kann ich nicht genau sagen. Früher bin ich wahnsinnig gerne geflogen. Für mich war Fliegen wie Bus- oder Bahnfahren. Ich habe es geliebt, über den Wolken zu sein, weil mich dort niemand erreichen konnte. Meistens habe ich sogar geschlafen. Dann habe ich plötzlich Panik bekommen und ich weiß nicht, warum. Diese Panik hat sich verfestigt. Fortan hatte ich immer wieder Angst vor der nächsten Panikattacke und habe deshalb Flüge gemieden.
Sie haben schon mehrfach mit Elyas M’Barek zusammengearbeitet. Ist ein weiteres Projekt in Planung?
Herfurth: Es gibt eine Geschichte, die ich wahnsinnig schön finde und würde sie gerne verfilmen. Er findet sie ebenfalls schön. Aber man weiß nie, ob wir das wirklich umsetzen können. Er hat sehr viel zu tun und ich auch. Es ist ja nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bekommen.
Können Sie etwas über die Geschichte verraten?
Herfurth: Leider nicht.
Ihre erste Zusammenarbeit mit Bora Dağtekin liegt mit „Fack ju Göhte“ jetzt 13 Jahre zurück. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken: Was hat sich seitdem an Ihnen verändert, als Schauspielerin und als Mensch?
Herfurth: Ich habe mich unglaublich verändert. Vor allem dadurch, dass ich selbst Regisseurin geworden bin. Das hat extrem viel verändert. Selbst wenn ich „nur“ spiele, bewege ich mich auf dem Set anders, weil ich viel besser verstehe, wie ein Film in all seinen Details entsteht. Ich bin auch erwachsen und älter geworden und freue mich sehr darüber. Alles, was ich in dieser Zeit gelernt habe, hat mich verändert. Eigentlich hat sich alles verändert – zum Positiven.
(des/spot)
Bild: Karoline Herfurth schlüpft in „Der perfekte Urlaub“ erneut in die Rolle der Carlotta. / Quelle: IMAGO/Sven Simon