J.K. Rowling (61) hat in einem neuen Essay ihre Positionen in der Debatte um Trans- und Frauenrechte erneut verteidigt. In dem Text, der auf ihrer Website veröffentlicht wurde, berichtet sie auch, dass sie deswegen bedroht worden sei. „Es ist nun sechs Jahre her, seit ich meinen Essay geschrieben habe, in dem ich erklärte, warum ich mich dazu entschlossen habe, mich zum Thema Transaktivismus zu äußern, und welches Risiko dieser meiner Meinung nach für die Rechte der Frauen sowie für die Meinungs- und Glaubensfreiheit aller darstellt“, schreibt Rowling in der Einleitung.
Ihre Überzeugungen hätten sich nicht verändert, die Umstände jedoch schon: „Die Lage hat sich zweifellos gewandelt, und mein eigenes Engagement in dieser Frage ist mittlerweile sowohl praktischer als auch theoretischer Natur, weshalb ich dachte, es sei an der Zeit für ein Update.“
Sie erhielt Drohungen
Die Autorin schildert, dass sie wegen ihrer Einwände gegen die „derzeitige, vorherrschende Strömung des Transaktivismus“ eine Flut von Mord-, Vergewaltigungs- und Folterdrohungen erhalten habe. Diese Strömung gehe nach ihrer Darstellung davon aus, dass ein Mann, der sich als Frau bezeichnet, „buchstäblich eine Frau“ sei und deshalb in allen Bereichen als Frau behandelt werden müsse.
Welche Folgen das nach ihrer Meinung hätte, beschreibt Rowling so: „Wo Frauen hingehen, um sich auszuziehen, sollte auch er hingehen, um sich auszuziehen.“ Das gelte demnach ebenso für Preise und Stellen, die ausschließlich für Frauen ausgeschrieben sind, sowie für Sportmannschaften. Am Ende ihrer Aufzählung steht der Strafvollzug: „Wenn er wegen einer Straftat verurteilt wird, selbst wegen Vergewaltigung, sollte er zusammen mit Frauen eingesperrt werden.“
Zugleich räumt Rowling ein, dass es „zweifellos“ schutzbedürftige Transpersonen gebe. Eine Benachteiligung etwa bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Job sowie Eingriffe in ihre Rechte und Sicherheit lehnt sie ausdrücklich ab.
Transaktivismus sei „elitär“
Rowling vergleicht den von ihr kritisierten Transaktivismus mit früheren Bürgerrechtsbewegungen. „Wenn es um Bürgerrechte, Rechte von Homosexuellen und Frauenrechte ging, organisierten sich einfache Menschen, die kaum oder gar keinen individuellen Einfluss hatten, an der Basis, um mächtige Institutionen – angefangen bei der Regierung – wegen ihrer tief verwurzelten Vorurteile herauszufordern, und setzten sich dafür ein, schädliche, diskriminierende Behandlung zu ändern“, schreibt sie.
Ihr Urteil: „Der Transaktivismus des 21. Jahrhunderts ist das genaue Gegenteil dieser Bewegungen. Er ist durch und durch elitär.“
Sie wird weiterhin ihre Meinung sagen
Schließlich beendet Rowling ihr Essay mit den Worten: „Ich werde mich weiterhin zu Wort melden, weiterhin mein Geld einsetzen, um Frauen zu helfen, die sich einen Gerichtsprozess sonst nicht leisten könnten, und weiterhin dafür sorgen, dass Frauen in meiner Region nach einer Vergewaltigung weiterhin Zugang zu Unterstützung haben, die von Frauen geleistet wird und auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist.“
Kritik gegen die Autorin
Rowling äußert sich bereits seit Jahren kritisch dazu, wie Trans-Menschen mit ihrer Identität umgehen. Ihrer Ansicht nach bleiben Menschen, die als biologische Frauen oder Männer geboren wurden, ihr Leben lang Frauen beziehungsweise Männer. Viele Trans-Aktivisten werfen ihr daher seit geraumer Zeit Trans-Feindlichkeit vor. Auch die Hauptdarsteller der „Harry Potter“-Filme, Daniel Radcliffe (37), Emma Watson (36) und Rupert Grint (38), haben sich von der Autorin distanziert.
Radcliffe reagierte im Juni 2020 auf ihre früheren Äußerungen mit einem offenen Brief, der auf der Website „The Trevor Project“ erschien. Darin schrieb er: „Es ist klar, dass wir mehr tun müssen, um Transgender- und nichtbinäre Personen zu unterstützen. Wir sollten ihre Identitäten nicht für ungültig erklären, und nicht weiteres Leid verursachen.“
Watson brachte ebenfalls im Juni desselben Jahres in den sozialen Medien ihre Unterstützung für Trans-Personen zum Ausdruck: „Transmenschen sind die, für die sie sich ausgeben, und sie verdienen es, ihr Leben zu leben, ohne ständig infrage gestellt zu werden oder gesagt zu bekommen, dass sie nicht die sind, für die sie sich ausgeben.“
Auch Grint veröffentlichte im Juni 2020 ein Statement und schrieb: „Ich stehe fest hinter der Trans-Community. Transfrauen sind Frauen. Transmänner sind Männer. Wir alle sollten das Recht haben, in Liebe und ohne Vorurteile zu leben.“
(des/spot)
Bild: J.K. Rowling hat in einem Essay ihre politischen Ansichten verteidigt. / Quelle: IMAGO/Newscom World