Vom Außenseiter aus Springe zur schillernden Travestie-Ikone von St. Pauli: Das ZDF hat die Lebensgeschichte von Olivia Jones (56) verfilmt. Das TV-Biopic „Olivia“ zeigt den steinigen Weg von Oliver Knöbel, der wegen seiner Vorliebe für Frauenkleider in seiner kleinen Heimatstadt mit Ablehnung, Spott und Gewalt konfrontiert wird, bis hin zum Aufstieg auf der Reeperbahn. In den Hauptrollen sind Johannes Hegemann (geb. 1996) als Olivia Jones und Annette Frier (52) als deren Mutter Evelin zu sehen. Stephan Kampwirth (59) spielt Travestiekünstler Lilo Wanders, Angelina Häntsch (42) Olivias langjährige Freundin Marlene Stelling, Martin Brambach (58) den Nachbarn in der niedersächsischen Kleinstadt und Karin Hanczewski (44) die „Wort zum Sonntag“-Pastorin.

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Olivia Jones war bei der Entstehung des Films intensiv eingebunden. „Der Film ist sehr authentisch, weil er auf meiner Biografie basiert“, sagt sie im Interview mit spot on news. Der Besuch am Set sei für sie körperlich spürbar gewesen: „Sogar mein Kinderzimmer sah dort genauso aus wie früher. Das war schon ziemlich krass.“ Mit allen Schauspielerinnen und Schauspielern habe sie sich „intensiv ausgetauscht.“ Vor allem Hegemann und Frier hätten sich „sehr mit meiner Geschichte beschäftigt“. Wichtig sei ihr gewesen, „dass der Film so nah wie möglich an der Realität bleibt“.

Eine Achterbahn der Gefühle bei der Premiere

Die Filmpremiere im Rahmen des Filmfest Hamburg Ende September 2025 wurde für Olivia Jones zur emotionalen Grenzerfahrung. „Ich bin total stolz. Nicht nur darauf, dass das ZDF daraus einen Eventfilm gemacht hat, sondern auch darauf, mit wie viel Herzblut die Schauspielerinnen und Schauspieler dabei sind“, erzählt sie im Interview. Gleichzeitig sei der Abend „eine Achterbahn der Gefühle“ gewesen, „weil der Film sehr emotional ist, weil ich alles noch mal durchlebt habe und die ganzen Erinnerungen wieder hochgekommen sind“. Tröstlich: Es gebe „auch viele lustige Momente und am Ende ein Happy End“.

Eine Schlüsselszene im Film führt zurück in die frühen Tage auf St. Pauli: Olivias erster Auftritt in einem Kiez-Club zu Nina Hagens (71) „Du hast den Farbfilm vergessen“ (1974). Die Inszenierung entspricht der Wahrheit, denn die deutsche „Godmother of Punk“ war tatsächlich ein Vorbild. „Nina Hagen habe ich damals schon sehr verehrt und bewundert, weil sie so schrill, bunt und mutig war“, sagt Olivia Jones. „Was ich damals gemacht habe, war eigentlich schon Drag und nicht nur klassische Travestie. Ich war schon immer etwas schräg und überzeichneter, vielleicht auch ein bisschen meiner Zeit voraus.“

Dass Angela Merkel (71) dieses Lied später für ihren Großen Zapfenstreich 2021 auswählte, kommentiert Olivia Jones schmunzelnd: „Ja, das fand ich lustig. Das ist eben auch der Humor der Kanzlerin, ausgerechnet dieses Lied zu wählen. Ich fand nur ein bisschen schade, dass sie mich nicht angerufen hat, damit ich dazu auftrete.“

Originalkostüme und Perücken im Backofen

Optisch geht „Olivia“ ebenfalls nah an die Wirklichkeit heran. „Im Film sind Originalperücken und auch Originalkostüme zu sehen“, verrät Jones. „Ich habe dafür vorübergehend meinen Kostümfundus, den unsere Kult-Kieztouren-Gäste besichtigen dürfen, geplündert.“ Darunter befindet sich auch jenes Kostüm, das sie 2016 bei ihrer Anmoderation des „Wort zum Sonntag“ vor dem ESC-Finale trug. Bei all den bunten Looks nennt sie als Lieblingsfarbe „ganz klischeehaft: Pink.“

Eine Filmszene zeigt Perücken, die im Backofen aufbewahrt werden – ein Detail, das ebenfalls der Realität entspricht. „In meiner Küche lagern tatsächlich immer noch meine Perücken, weil ich ja nicht koche“, erzählt Olivia Jones. „In den Regalen, wo bei anderen Gewürze stehen, liegen bei mir Accessoires. Und ich habe in der Küche auch eine Schublade mit Brüsten und Wimpern. Das haben die wenigsten Frauen.“

Mut bewies Olivia Jones auch jenseits der Bühne: Zur Musterung erschien sie einst in voller Drag-Montur – eines der Highlights im Film. „Das war tatsächlich einer der abgefahrensten Momente in meinem Leben, weil es wirklich genauso passiert ist“, sagt sie. „Im Nachhinein bewundere ich meinen Mut da manchmal selbst. Aber es hat ja funktioniert.“

Reeperbahn-Jubiläum und neue Pläne

Während das Biopic im Stream läuft, plant die Kiez-Gastronomin bereits weiter. Mit „Olivias Dschungel Bar“ hat sie unlängst eine Reality-Bar im Dschungelcamp-Stil eröffnet, inklusive Reality-Quiz. „Reality hat im Moment eine enorme Strahlkraft und dass ‚Reality-Star‘ heute tatsächlich ein Beruf sein kann, hätte ich früher auch nicht gedacht“, so Olivia Jones. 2026 stehen zudem zwei große Jubiläen an: 400 Jahre Reeperbahn und 20 Jahre Kult Kieztouren. „Das wird ein wildes Jahr.“

Die Biografie „Olivia Jones Ungeschminkt“ war 2021 auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestsellerliste gestürmt. „Olivia“ ist ab 5. Mai in der Mediathek zu sehen und wird am 13. Mai um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

(ili/spot)

Bild: Biopic „Olivia“: Nach harten, entbehrungsreichen Jahren auf der Reeperbahn hat Oliver Knöbel als Olivia Jones (Johannes Hegemann) endlich den Durchbruch geschafft. / Quelle: ZDF / Bjørn Haneld