Nach rund 20 Jahren Bühnenpause wagt Freddy Quinn (95) noch einmal einen Auftritt. Der Sänger, der sich seit Langem aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, will für einen kleinen Zirkus ins Rampenlicht zurückkehren. Das berichtet die „Bild“-Zeitung. Für den einstigen Schlagerstar ist es eine Rückkehr zu seinen künstlerischen Wurzeln.

Quinn, der am 27. September seinen 95. Geburtstag feierte, hatte sich eigentlich weitgehend aus der Öffentlichkeit verabschiedet und wollte nie wieder vor Publikum auftreten. Nun soll ihn ein besonderes Erlebnis dazu bewegt haben, eine Ausnahme zu machen.

Der entscheidende Moment ereignete sich bei einem Besuch im Zirkus der Familie Traber in Henstedt-Ulzburg. Seine Ehefrau Rosi hatte ihm den Ausflug zum Geburtstag geschenkt. In dem weiß-roten Zelt saßen an diesem Nachmittag gerade einmal sieben Zuschauer. Quinn war einer von ihnen. Nach der Vorstellung ging er auf die Zirkusfamilie zu und bot seine Hilfe an: „Wenn es Ihnen hilft, die Bude voll zu machen, komme ich gern wieder. Schreiben Sie das gern auf die Plakate“, berichtet die „Bild“-Zeitung.

Ab Mittwoch gastiert der Zirkus in Leezen im Kreis Segeberg. Am Samstag soll Quinn als Ehrengast dabei sein. Kunststücke will der 95-Jährige nicht vorführen. Eine Zirkusnummer anzusagen, kann er sich allerdings vorstellen.

Seine Motivation erklärt er gegenüber der „Bild“-Zeitung deutlich: „Da blutet einem doch das Herz. Der Zirkus ist das Schönste, was es für mich gibt. Kein Getüddel drumherum, kein Blödsinn. Ehrliche Arbeit. Die Königsdisziplin.“

Freddy Quinn verbindet eine lange Geschichte mit dem Zirkus

Bevor Quinn als Sänger berühmt wurde, sammelte er bereits als Jugendlicher Erfahrungen in der Manege. Mit 16 Jahren schloss er sich einem Wanderzirkus an und arbeitete dort unter anderem als Kapellmeister und Akrobat. Später trat er auch als Seiltänzer auf. Mit der Familie Traber verbindet ihn eine besondere Geschichte: Quinn trainierte bei ihnen das Seillaufen. 1984 war er zudem Taufpate eines der Kinder der Familie.

Die Zirkuswelt begleitete ihn durch seine Karriere. Quinn moderierte Fernsehsendungen wie „Zirkus, Zirkus“ und „Manegen der Welt“ und war mehrfach in der Unterhaltungssendung „Stars in der Manege“ zu sehen. Für seine Verbundenheit mit der Zirkuskunst wurde ihm sogar ein sogenannter Zirkus-Oscar verliehen.

Schlagerlegende lebt zurückgezogen

Musikalisch gehörte Quinn zu den erfolgreichsten Künstlern der Nachkriegszeit. Mit Liedern wie „Junge, komm bald wieder“, „Heimweh“ und „Die Gitarre und das Meer“ wurde er zum Publikumsliebling. Bis zur Jahrtausendwende verkaufte er nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks mehr als 60 Millionen Schallplatten.

Heute lebt der Künstler mit seiner Frau Rosi zurückgezogen. Ob der geplante Auftritt tatsächlich zustande kommt, und wann Quinn wieder in der Manege zu sehen sein wird, ist noch offen.

(ncz/spot)

Bild: Freddy Quinn kehrt nach zwei Jahrzehnten Pause auf eine Bühne zurück. / Quelle: imago images/STAR-MEDIA