Seit dem 1. November ist Neapel-Capodichino, der wichtigste Flughafen Süditaliens, geschlossen, voraussichtlich bis zum 30. November. Die meisten Airlines haben ihre Neapel-Flüge für diesen Zeitraum gestrichen. Ein Teil des Verkehrs weicht auf den rund 60 Kilometer Luftlinie entfernten Flughafen Salerno aus, andere Reisende werden über Rom umgeleitet.

Warum der Flughafen geschlossen ist

Betreiber Gesac lässt die einzige Start- und Landebahn des Flughafens samt Rollwegen und Befeuerung von Grund auf erneuern. Rund 500 Beschäftigte arbeiten rund um die Uhr, die Kosten beziffert Gesac auf 30 Millionen Euro. Den November hat der Betreiber gewählt, weil in diesem Monat traditionell am wenigsten geflogen wird.

Linienflüge sollen ab dem 1. Dezember wieder starten. Gesac-Geschäftsführer Roberto Barbieri hält bei günstigem Wetter auch eine etwas frühere Wiedereröffnung für möglich. Schon ab dem 22. oder 23. November könnten Privatjets und Maschinen des Wartungsbetriebs Atitech die Piste nutzen, je nach Wetter und Baufortschritt. Für Linienpassagiere ändert das nichts.

Wie die Airlines reagieren

Die meisten Fluggesellschaften setzen ihre Verbindungen nach Neapel im November schlicht aus. Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines etwa streichen sämtliche Flüge ab Frankfurt, München, Zürich und Wien. Betroffene Reisende werden, sofern sie zustimmen, auf Flüge nach Rom-Fiumicino umgebucht. Wer das nicht möchte, kann auf Verbindungen anderer Airlines ausweichen. In bestimmten Fällen erstattet die Lufthansa Group nachträglich die Kosten für die Weiterreise per Bahn oder Bus. Fahrkarten und Belege sollten Reisende deshalb aufbewahren.

Von Fiumicino fährt der Leonardo Express in gut einer halben Stunde zum Hauptbahnhof Roma Termini. Von dort brauchen Hochgeschwindigkeitszüge rund 70 Minuten nach Neapel. Mit Umsteigen und Wartezeiten sollten Reisende für die Strecke vom Flughafen Rom bis Neapel gut zwei Stunden einplanen. Die italienische ITA Airways ersetzt ihre Flüge zwischen Rom und Neapel im November ganz durch Busse.

Was der Flughafen Salerno bietet

Der kleine Flughafen Salerno Costa d’Amalfi, den ebenfalls Gesac betreibt, übernimmt im November einen Teil des Neapel-Verkehrs. Von dort gehen Flüge zu insgesamt 15 Zielen. Innerhalb Italiens sind das Bergamo, Mailand (Malpensa und Linate), Genua, Turin und Triest. International geht es nach Amsterdam, Barcelona, Casablanca, Dubai, Düsseldorf, Madrid, Paris, Sharm el-Sheikh und Stuttgart.

Für Reisende aus Deutschland heißt das: Direkt nach Salerno fliegt nur Eurowings, ab Düsseldorf dreimal und ab Stuttgart viermal pro Woche. Ryanair und easyJet bieten ab Salerno zwar ebenfalls Flüge an, allerdings nur innerhalb Italiens nach Bergamo beziehungsweise Mailand. Aus Österreich und der Schweiz gibt es keine Direktverbindung nach Salerno.

Neben dem regulären Passagierterminal in Salerno ist im November auch das neu eröffnete Terminal für Privatflüge in Betrieb. Dort werden die Flüge nach Casablanca, Dubai und Sharm el-Sheikh abgefertigt, die außerhalb des Schengen-Raums liegen, außerdem die Verbindung nach Madrid. Alle übrigen Flüge starten und landen am Hauptterminal. Die beiden Gebäude liegen rund 1,3 Kilometer auseinander, ein kostenloser Shuttlebus verbindet sie.

So kommen Reisende von und nach Salerno

Für die Strecke zwischen Neapel und dem Flughafen Salerno hat Gesac gemeinsam mit dem Busunternehmen Busitalia eigens für den November Sonderbusse eingerichtet. Sie starten an der Haltestelle Via Galileo Ferraris am Hauptbahnhof Napoli Centrale. Pro Richtung gibt es acht Fahrten am Tag, die Abfahrtszeiten sind auf die Flüge abgestimmt. Der erste Bus verlässt Neapel um 5 Uhr morgens, der letzte um 20:50 Uhr abends. In Salerno startet der erste Bus Richtung Neapel um 8:20 Uhr, der letzte um 22:20 Uhr. Die Fahrt dauert meist rund 75 Minuten.

Mitfahren darf nur, wer ein Flugticket für denselben Tag hat; eine Fahrt kostet 12 Euro. Beim Fahrer wird ausschließlich mit Karte bezahlt, Bargeld wird nicht angenommen. Alternativ gibt es die Tickets vorab an Verkaufsstellen der Netze PuntoLis, DropPoint und Mooney.

Wer nicht nach Neapel, sondern nach Salerno selbst oder an die Amalfiküste will, braucht den Sonderbus nicht. Vom Flughafen fährt der Linienbus Salerno Airlink in rund 40 Minuten zum Bahnhof Salerno. Auf dieser Strecke sind im November zusätzliche Fahrten im Einsatz. Außerdem fahren Züge vom Bahnhof Salerno nach Neapel.

Welche Rechte Passagiere haben

Grundlage für mögliche Entschädigungen ist die EU-Fluggastrechteverordnung. Sie gilt für alle Flüge, die in der EU starten. Für Flüge in die EU gilt sie nur, wenn eine Airline aus der EU, Norwegen, Island oder der Schweiz sie durchführt. Wer also etwa mit flydubai aus Dubai oder mit Air Arabia aus Casablanca nach Salerno fliegt, kann sich auf die Verordnung nicht berufen.

Wird ein Flug gestrichen, haben Reisende die Wahl: Sie bekommen den Ticketpreis erstattet oder werden auf eine andere Verbindung umgebucht. Wer am Flughafen auf einen Ersatzflug wartet, hat zudem Anspruch auf Mahlzeiten und Getränke und, falls nötig, auf eine Hotelübernachtung.

Eine zusätzliche Entschädigung von 250 bis 600 Euro gibt es dagegen in aller Regel nicht. Sie steht Reisenden nur zu, falls die Airline die Streichung weniger als zwei Wochen vor dem Abflug mitteilt. Die Sperrung ist aber seit dem Sommer bekannt, die Fluggesellschaften haben ihre Kunden entsprechend früh informiert.

(elm/spot)

Bild: Der Flughafen Neapel nimmt erst Ende November, Anfang Dezember wieder seinen Betrieb auf. / Quelle: Marina113/iStock via Getty Images