John Travolta (72) hatte mit vielem gerechnet an diesem Abend im Théâtre Debussy von Cannes – aber nicht damit. Als Festivalleiter Thierry Frémaux vor der Premiere von Travoltas Regiedebüt „Propeller One-Way Night Coach“ ans Mikrofon trat, ahnte der Schauspieler noch nicht, was gleich passieren würde. Dann hielt Frémaux die Ehren-Palme d’Or in die Höhe – Cannes‘ höchste Auszeichnung für ein Lebenswerk.
„Surprise complétement!“, rief Travolta auf Französisch, wie das Branchenmagazin „Variety“ berichtete. Die Stimme brach ihm dabei fast weg. „Ich kann das nicht glauben. Das war das Letzte, womit ich gerechnet hätte.“ Dann wandte er sich direkt an Frémaux: „Du hast gesagt, es wird ein besonderer Abend. Aber das hier – das übertrifft sogar den Oscar.“
Vater und Tochter gemeinsam auf dem roten Teppich
Dass dieser Abend für Travolta so emotional wurde, hatte auch damit zu tun, wen er an seiner Seite wusste. Schon zuvor war der 72-Jährige gemeinsam mit seiner Tochter Ella Bleu (26) über den roten Teppich der Cannes-Premiere von „Karma“ geschritten. Für die beiden gibt es in diesen Tagen doppelten Grund zur Freude: Ella Bleu spielt in „Propeller One-Way Night Coach“ eine charmante junge Flugbegleiterin – und ist damit Teil eines Projekts, das ihrem Vater außerordentlich am Herzen liegt.
Travolta wäre schon allein damit zufrieden gewesen, mit seinem Film überhaupt nach Cannes zu kommen. Er hatte Frémaux das Projekt im vergangenen November vorgestellt – bescheiden und ohne große Erwartungen. Als er erfahren habe, dass sein Film ausgewählt worden sei, habe er geweint wie ein kleines Kind. „Ich konnte es einfach nicht fassen. Denn für mich bist du die anspruchsvollste Person in der gesamten Filmindustrie. Ich war schon froh, überhaupt hier sein zu dürfen.“
Der Ursprung des Films reicht noch weiter zurück – bis ins Jahr 1997. Damals schrieb Travolta das Buch, das „Propeller“ zugrunde liegt, als Weihnachtsgeschenk für seine Familie. Die Geschichte folgt einem kleinen Jungen und seiner alleinerziehenden Mutter, die 1962 gemeinsam von Washington D.C. nach Los Angeles fliegen – mit dem Traum von Hollywood im Gepäck.
Ein Film wie ein Kindheitstraum
Obwohl „Propeller“ nur zur Hälfte autobiografisch ist – Travolta selbst schätzt das Verhältnis von Realität und Fantasie auf fifty-fifty -, steckt viel von ihm persönlich in diesem Werk. Der Film geht auf seinen allerersten Flug zurück, ein Erlebnis, das eine lebenslange Leidenschaft für die Luftfahrt entfachte. „Es ist wirklich ein Film über die Hoffnung aus der Perspektive eines Kindes“, erklärte Travolta gegenüber „Entertainment Weekly“. „
Frémaux fasste es vor dem Cannes-Publikum schlicht zusammen: Travolta sei „einer der größten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts“ – und sein Film der erste, der offiziell für die 79. Ausgabe des Festivals ausgewählt worden sei.
(mia/spot)
Bild: John Travolta und seine Tochter Ella Bleu in Cannes. / Quelle: ddp/Darren Brade / eyevine