Vor rund 228 Jahren hat das Rules erstmals seine Türen geöffnet. Damit gilt es als das älteste Restaurant in der englischen Metropole London – und über die Jahrhunderte waren schon unzählige große Persönlichkeiten zu Gast.
Laut Angaben des Restaurants hat das Rules seit der Eröffnung im Jahr 1798 erst dreimal den Besitz gewechselt, während es die Regentschaft von rund dreimal so vielen britischen Monarchen erlebt hat. Das Lokal blieb lange im Besitz der Familie von Gründer und Namensgeber Thomas Rule, bis sein Nachfahre Charles Rule es kurz vor dem Ersten Weltkrieg an den Gastronomen Tom Bell verkaufte. Dessen Tochter veräußerte es 1984 an John Mayhew. Mittlerweile befindet es sich im Besitz von Ricky McMenemy, der seit mehr als 30 Jahren mit dem Restaurant verbunden ist.
„Das Rules ist für mich zu einer Art Ersatzkind geworden“, erzählte McMenemy im Sommer dem US-Sender CNN. „Es hat einfach etwas, das einen tief im Herzen berührt. Es ist wirklich ein ganz besonderer Ort, der die Menschen verführt.“ Die Kunst der Verführung spielt auch in der Geschichte des Restaurants eine besondere Rolle. Der spätere König Edward VII. (1841-1910) soll hier angeblich – noch als Prinz von Wales – mit seiner Geliebten Lillie Langtry (1853-1929) diniert haben.
Zwischen Theater und Hollywood
Dank seiner Lage mitten im berühmten Kulturviertel Covent Garden, in Gehreichweite vom Royal Opera House und zahlreichen Bühnen des Londoner West Ends haben hier schon unzählige Stars und Sternchen die traditionsreiche Atmosphäre genossen. Auf der Webseite des Restaurants wird das Rules als inoffizieller Green Room der Unterhaltungsbranche in London beschrieben – mit dem Begriff wird eigentlich der Aufenthaltsraum für Künstler hinter der Theater- oder Konzertbühne bezeichnet.
Die Liste der prominenten Kundschaft reicht laut Angaben des Restaurants und Medienberichten von Buster Keaton und Charlie Chaplin, über Joan Collins und Clark Gable, bis hin zu Laurence Olivier und Henry Irving. Auch Harrison Ford, David Bowie oder Madonna haben demnach hier schon Mahlzeiten genossen. Auch der weltberühmte Schriftsteller Charles Dickens und sogar Queen Elizabeth II. verbrachten hier schon ihre Zeit. Zahlreiche Porträts und Zeichnungen an den Wänden des Lokals zeugen von der außergewöhnlichen Kundschaft.
Auf der Webseite des Rules wird das Restaurant als „lebendiges Relikt der Londoner Vergangenheit“ umschrieben. Spezialisiert hat man sich hier schon seit Jahrhunderten auf Austern, Wild und traditionelle britische Küche. Wirft man einen Blick auf die aktuelle Karte, finden sich dort Gerichte zu Preisen, die vor diesem Hintergrund im Vergleich zu anderen gehobenen Lokalitäten überraschend niedrig ausfallen: Einen Rote-Beete-Salat gibt es momentan für knapp 18 Pfund, das Rumpsteak kostet rund 37 Pfund und zur Nachspeise wird für etwas weniger als 12 Pfund Sticky Toffee Pudding serviert.
(wue/jmk/spot)
Bild: Das Rules liegt im Viertel Covent Garden in London. / Quelle: iStock via Getty/Manuta