Wer in diesen Tagen mit dem Auto nach Frankreich fährt, sollte die Tankanzeige im Blick behalten. Laut ADAC müssen Reisende mit Problemen beim Tanken rechnen, denn in der Grand Nation ist vielerorts der Sprit knapp. Was Autoreisende wissen müssen.
Nach Daten der französischen Regierung vom Dienstagmorgen (6. Oktober) fehlte an rund elf Prozent der Tankstellen Benzin oder Diesel, rechnerisch an etwa 1.100 von rund 9.900 erfassten Stationen. Die Lage unterscheidet sich aber stark nach Region und kann sich kurzfristig ändern: Die Regierung aktualisiert ihre Erhebung mehrmals täglich.
Den Osten trifft es am härtesten
Am stärksten betroffen ist laut Wirtschaftsministerium die Region Grand Est mit Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne: Dort hatten 18 Prozent der Tankstellen Lieferprobleme. Deutlich über dem Schnitt lagen auch die Pays de la Loire (16 Prozent) und die Île-de-France rund um Paris (14 Prozent). In der Provence und an der Côte d’Azur waren es 5 Prozent, Korsika war nicht betroffen. Landesweit sank die Quote seit Sonntag (4. Oktober) von 14 auf 11 Prozent.
Am 21. September hatte die offizielle Erhebung noch 16 Prozent ausgewiesen. Allerdings zählt eine Station erst als betroffen, wenn Diesel oder alle Benzinsorten fehlen. Ist nur eine Sorte wie Super Plus aus, erfasst die Statistik das nicht. Wie oft einzelne Sorten fehlen, zeigt die Quote also nicht.
Preisdeckel lockt an die Zapfsäule
Wirtschaftsminister Roland Lescure bezeichnet die Engpässe als direkte Folge des Preisdeckels an den rund 3.300 Stationen von TotalEnergies auf dem Festland, auch der ADAC verweist auf den Andrang dort. Der Konzern hat den Deckel im Juli nach eigenen Angaben wegen des wieder aufgeflammten Nahost-Konflikts und gestiegener Weltmarktpreise erneut eingeführt. Benzin kostet dort höchstens 1,99 Euro pro Liter, Diesel 2,25 Euro. Im Landesschnitt lag Super (SP95) Anfang Oktober bei rund 2,21 Euro, Diesel bei rund 2,37 Euro.
Mitte September gehörten nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP fast neun von zehn Stationen mit Lieferproblemen zum Netz von TotalEnergies, Lescure nannte wenige Tage später 91 Prozent. Auf das Netz entfällt dabei nur rund ein Drittel aller Stationen. Um den Nachschub zu beschleunigen, dürfen Tanklaster in Frankreich ausnahmsweise auch sonntags fahren, vorerst bis Montag, 12. Oktober, 10 Uhr.
Niedrigwasser bremst den Nachschub
Vor allem im Elsass kommt ein zweites Problem hinzu: Die Region hat keine eigene Raffinerie und wird größtenteils per Binnenschiff über den Rhein versorgt. Schiffe aus den Nordseehäfen passieren dabei die Engstelle bei Kaub am deutschen Mittelrhein. Dort fiel der Pegel im August erstmals seit Messbeginn auf einen einstelligen Zentimeterwert, Ende September sogar leicht unter null. Der Pegel ist nicht die Wassertiefe, bestimmt aber, wie viel Ladung Frachter mitnehmen können. Eine Entspannung erwartet die Bundesanstalt für Gewässerkunde auch für die erste Oktoberhälfte nicht.
Das rät der ADAC
Der ADAC empfiehlt, vor dem Grenzübertritt vollzutanken und unterwegs jede Gelegenheit zum Nachfüllen zu nutzen. Auch auf deutscher Seite ist die Versorgung allerdings angespannt: Seit Montag (5. Oktober) liefen laut Tankstellen-Interessenverband einzelne Stationen unter anderem in Freiburg, Mannheim und Heidelberg zeitweise leer, vor allem beim Diesel. Als Gründe nennen Verband und Mineralölkonzerne die durch den Tankrabatt gestiegene Nachfrage und ebenfalls das Rhein-Niedrigwasser. Von einem Engpass will der Verband nicht sprechen.
Wer Sprit auf Vorrat kauft, sollte laut ADAC aus Sicherheitsgründen höchstens zehn Liter mitführen, nur für den Eigenbedarf. Auf Fähren rät der Club generell von Reservekanistern ab. Preise und Verfügbarkeit einzelner Stationen, auch entlang einer Route, zeigt die offizielle Karte unter prix-carburants.gouv.fr. Die Angaben stammen von den Tankstellen selbst und sind eine Momentaufnahme.
(elm/spot)
Bild: In Frankreich ist dieser Tage an vielen Tankstellen der Treibstoff knapp. / Quelle: Jean-Luc Ichard/iStock via Getty Images