Hannover, 03.04.2025 (lifePR) – Die Stiftung Niedersachsen zeichnet die norwegische Künstlerin Frida Orupabo mit dem renommierten SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie aus. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis ist mit einer Werkschau im Sprengel Museum Hannover sowie einer begleitenden Publikation verbunden. Die Ausstellung, die 32 teils großformatige Arbeiten aus den Jahren 2018 bis 2024 vereint, läuft vom 5. April bis 20. Juli 2025. Die Preisverleihung findet am 4. April 2025 um 19 Uhr gemeinsam mit der Ausstellungseröffnung statt.
Frida Orupabo erhält die Auszeichnung für ihre fotografischen Collagen, die auf besondere Weise Fragen von Identität, Rassismus, Geschlecht sowie der sexualisierten Ausbeutung und Objektivierung Schwarzer Körper thematisieren.
Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, die den Preis auslobt, betont:
„Der SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen ist eine der wenigen international herausragenden Auszeichnungen für künstlerische Fotografie. Alle bisherigen SPECTRUM-Preisträger, darunter Adrian Sauer, Zanele Muholi, Fiona Tan, Rineke Dijkstra, John Baldessari und Thomas Struth, haben mit ihren ganz unterschiedlichen fotografischen Positionen einen wichtigen Beitrag zur immer noch jungen Geschichte der künstlerischen Fotografie geleistet und damit die Kanonbildung in ihrer Kunstsparte vorangetrieben. Frida Orupabo ergänzt die Reihe der bisherigen Preisträger*innen in herausragender Weise, indem sie sich drängenden gesellschaftlichen Fragen widmet.“
Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:
„In der Auseinandersetzung mit den schmerzhaften Fehlstellen visueller Überlieferungen und ihren komplexen, auf Aufklärung zielenden Bildfindungen, in denen die Gewalttätigkeit tradierter Blickregime zur Anschauung gebracht wird, nimmt Frida Orupabo in der Fotografie der Gegenwart eine sehr besondere Rolle ein. Die Entscheidung der Jury für Frida Orupabo erweitert das Spektrum der bisherigen SPECTRUM-Preisträgerinnen um eine weitere, äußerst markante, künstlerisch herausragende Position.“
ZUR KÜNSTLERIN
Frida Orupabo, geboren 1986 in Norwegen, lebt und arbeitet in Oslo. Ursprünglich als Soziologin tätig, begann sie, Bilder aus dem Internet zu sammeln und auf Instagram unter @nemiepeba zu veröffentlichen. Ihre digitale Arbeit übertrug sie später in physische Formen, darunter Fotomontagen, Skulpturen und Videos. Ihre Werke sind in renommierten Sammlungen vertreten und werden international ausgestellt. Ihre künstlerische Praxis verbindet feministische und postkoloniale Theorien mit digitalen und materiellen Ausdrucksformen. Sie nutzt historische Fotografien kolonialer Gewalt und kombiniert sie mit literarischen Zitaten, um bestehende Sehgewohnheiten herauszufordern. Ihre Werke wie Big Girl I & II greifen Theorien der Selbstermächtigung Schwarzer Frauen auf, während Arbeiten wie Cloud of Confusion fragmentierte Bilder ohne Kontext zeigen und alternative Narrative eröffnen.
Kuratorin Inka Schube, Sprengel Museum Hannover, befindet:
„Frida Orupabo analysiert und zerlegt die gewaltvollen Bildarchive der Geschichte und setzt sie neu zusammen – nicht als Rekonstruktion, sondern als radikalen Akt der Selbstermächtigung. Ihre scharfkantigen, zumeist skulpturalen Collagen brechen dominante Blickregime auf und schaffen neue, mehrschichtige Erzählungen. Dass ihre Werke nun im Sprengel Museum Hannover gezeigt werden, ist folgerichtig: Wie einst Kurt Schwitters nutzt sie die Collage als Widerstands- und Ausdrucksform – erweitert diesen Ansatz jedoch um eine scharfsinnige Reflexion kolonialer und rassistischer Bildtraditionen.“
SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen
Der SPECTRUM-Preis wird alle zwei Jahre von der Stiftung Niedersachsen vergeben. Er ehrt herausragende zeitgenössische Fotokünstler*innen.
JURY
Lavinia Francke (Stiftung Niedersachsen), Gabriele Schor (SAMMLUNG VERBUND, Wien)
Inka Schube (Sprengel Museum Hannover), Christoph Wiesner (Direktor des Fotofestivals "Les Rencontres Internationales de la photographie d’Arles"), Franciska Zólyom (Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK), Leipzig)