Karlsruhe, 14.09.2026 (lifePR) – Warum erreicht klassische Kommunikation junge Zielgruppen immer schwerer – und was verändert sich, wenn aus einer Botschaft ein VR-Erlebnis wird? Dieser Frage widmen sich Dr. Oliver Langewitz vom Filmboard Karlsruhe e. V. und Prof. Dr. Matthias Wölfel von der Hochschule Karlsruhe am kommenden Donnerstag, 17. September, beim Kommunikationskongress 2026 in Berlin. In ihrem Workshop „Im Labyrinth der Demokratie – Der Einsatz von Virtual Reality-Technologie als strategisches Kommunikationsmedium für junge Zielgruppen“ zeigen sie, wie immersive Technologien neue Zugänge zu komplexen gesellschaftlichen Themen schaffen können. Im Mittelpunkt steht das Karlsruher VR-Projekt „Im Labyrinth der Demokratie: Finde Deinen Weg!“.

Das Grundprinzip: Während klassische Kommunikation eine Botschaft vermittelt, versetzt Virtual Reality die Nutzerinnen und Nutzer in konkrete Konflikt-Situationen, in denen sie selbst Entscheidungen treffen und deren Konsequenzen erleben. Präsenz, Immersion, Interaktion und insbesondere die eigene Handlungsmacht – die sogenannte „Agency“ – verändern damit die Kommunikationslogik. Das demonstriert „Im Labyrinth der Demokratie“ anhand interaktiver VR-Episoden zum Grundgesetz: Bei Artikel 1 müssen die Teilnehmenden beispielsweise entscheiden, wie sie reagieren, wenn ein obdachloser Flaschensammler angegriffen wird. In einer Episode zu Artikel 5 geraten sie in einen Konflikt um Pressefreiheit und politischen Druck. Statt zu vermitteln „Pressefreiheit ist wichtig“, stellt die Experience die Frage: „Was passiert, wenn ich sie nicht verteidige?“

Dabei verstehen Langewitz und Wölfel VR ausdrücklich nicht als technischen Selbstzweck. Entscheidend ist die Verbindung von individueller Immersion und gemeinsamer Reflexion. Das Karlsruher Projekt setzt deshalb auf Blended Learning: Nach dem Eintauchen in die virtuelle Situation und den dort getroffenen Entscheidungen kehren die Teilnehmenden in die Gruppe zurück, vergleichen ihre Handlungswege und diskutieren deren Konsequenzen. „Die VR-Experience allein hat noch keinen Workshop-Charakter“, betont Langewitz. „Spannend wird es, wenn Menschen nach der immersiven Erfahrung miteinander darüber sprechen, warum sie sich unterschiedlich entschieden haben. Genau dort entsteht der eigentliche Diskurs.“

Beim Kommunikationskongress richtet sich der Blick deshalb auch über die politische Bildung hinaus auf Unternehmenskommunikation, Marketing und interne Kommunikation. Immersive Entscheidungssituationen können beispielsweise bei Employer Branding, Onboarding, Change-Prozessen, Compliance und Ethik, Sicherheitstrainings oder der Vermittlung von Unternehmenswerten eingesetzt werden. Die zentrale Frage lautet dabei stets: Wann ist eine konkrete, selbst erlebte Entscheidungssituation wirkungsvoller als die reine Kommunikation einer Botschaft? Zugleich machen Langewitz und Wölfel deutlich, dass nicht jedes Kommunikationsproblem eine XR-Lösung benötigt. Entscheidend ist, ob Immersion, Perspektivwechsel und Interaktion tatsächlich zum jeweiligen Kommunikationsziel passen.

Mit dem Auftritt in Berlin möchte das Projektteam zugleich neue Kooperationen anstoßen. Gesucht werden Partner und Finanziers für die Weiterentwicklung von „Im Labyrinth der Demokratie“. Darüber hinaus bietet das Filmboard die VR-Experience mit moderierten Demokratieworkshops für Unternehmen und Institutionen an. Hier können individuelle XR-Experiences für konkrete Kommunikationsziele entwickelt werden – von Konzeption und Storytelling über VR-Produktion und Interaktion bis zum Einsatz bei Trainings, Veranstaltungen oder Bildungsformaten. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.labyrinth-der-demokratie.de.

Das Projekt wird gefördert durch die Innovationsfonds 2025 des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben!, dem Stadtjugendausschuss Karlsruhe und dem Lions-Club Karlsruhe-Mitte sowie dem Lions-Club Distrikt-SN.