„Guten Abend, meine Damen und Herren. Einer der prägenden Köpfe des Internetzeitalters ist tot.“ Mit diesen Worten hat Nachrichtensprecherin Susanne Daubner (65) am 6. Oktober 2011 die „Tagesschau“ eröffnet. Dies alleine zeigt, wie viel Einfluss der vor allem als Mastermind des Techriesen Apple bekannte Steve Jobs (1955-2011) auf die jüngere Zeitgeschichte hatte. Am heutigen 5. Oktober 2026 jährt sich sein Tod zum 15. Mal.
Kaum ein anderer Unternehmer hat die moderne Welt in Bezug auf Technik so stark geprägt. Unter seiner Führung entstanden bei Apple Produkte wie der Macintosh, der iPod oder das iPhone, die ganze Produktkategorien nachhaltig veränderten. „Die Welt ist durch Steve unermesslich besser“, hieß es 2011 von Unternehmensseite nach seinem Tod.
Jobs gilt bis heute für viele als besonderer Visionär und als sagenumwobener Vordenker. Viele Geschichten, Artikel und Berichte ranken sich um ihn. Doch der Mann, der unter anderem für das Tragen maßgeschneiderter, schwarzer Rollkragenpullis bekannt war, war viel mehr als der große Boss bei Apple. Neben den Storys rund um seine Zeit bei dem Techunternehmen gab es einige Kapitel in Jobs‘ Leben, die selbst vielen Technikfans nur wenig bekannt sein dürften. Und manche davon klingen zunächst fast zu kurios, um wahr zu sein.
Die Sache mit der Ernährung
Jobs‘ Ernährung und seine Überzeugung diesbezüglich sollen stellenweise so ungewöhnlich gewesen sein, dass andere Menschen angeblich ungern mit ihm zusammenarbeiteten und Ashton Kutcher (48) sie für einen Film nachahmte. Das brachte allerdings unerwünschte gesundheitliche Folgen für den Schauspieler mit sich.
Jobs experimentierte schon in jungen Jahren mit stellenweise extrem eingeschränkten Ernährungsformen. Walter Isaacson (74), dessen „Steve Jobs“-Biografie im Jahr 2011 kurz nach dem Tode des Tech-Idols erstmals erschien, erklärte „CBS News“ im selben Jahr, wie es dazu kam. Jobs arbeitete einst für die spätere Videospielgröße Atari. „Wissen Sie, er war der Überzeugung, dass seine vegane Ernährung und seine Lebensweise dazu führten, dass er kein Deodorant benutzen oder sich nicht so oft duschen musste“, erzählte Isaacson. „Das war ein Irrtum, worauf ihn die Leute bei Atari auch immer wieder hinwiesen.“ Zu dieser Zeit soll Jobs ein recht schroffer Zeitgenosse gewesen sein, bei Atari verstand man aber, was man an ihm hatte. Statt ihn zu feuern, wurde er demnach in die Nachtschicht gesteckt.
Teils versuchte sich Jobs am Frutarismus, einer eingeschränkteren Form des Veganismus. Er soll sich wochenlang nur von zwei Lebensmitteln ernährt haben, von Äpfeln und Karotten. Diese Gewohnheit wurde Jahre später Teil der Vorbereitung Kutchers auf seine Rolle im 2013 erschienenen Biopic „Jobs“. Der Hollywoodstar versuchte sich ähnlich wie sein Rollenvorbild Steve Jobs zu ernähren. „Ich musste etwa zwei Tage vor Drehbeginn ins Krankenhaus“, erzählte Kutcher im Rahmen der Premiere des Films auf dem Sundance Film Festival „USA Today“. Er habe sich vor Schmerzen gekrümmt und seiner Erfahrung nach könne eine solche Diät zu „ernsthaften Problemen“ führen. Seine Bauchspeicheldrüsenwerte seien „völlig aus dem Ruder gelaufen“ gewesen.
Steve Jobs arbeitete an Atari-Klassiker mit
Jobs arbeitete wie erwähnt einst beim Videospielpionier Atari. Dort war er an der Entstehung eines Arcade-Klassikers beteiligt, den ältere Semester in bester Erinnerung haben dürften – „Breakout“. Selbst auf der heutigen Webseite von Atari steht, dass Jobs „als Leiter eines Ein-Mann-Teams von Nachtschicht-Ingenieuren“ bei anderen Atari-Mitarbeitern „nicht sonderlich beliebt“ gewesen sei. Damals habe er zusammen mit seinem späteren Apple-Mitgründer Steve Wozniak (76) daran gearbeitet, der eigentlich bei Hewlett Packard angestellt war.
Bemerkenswert ist dabei besonders auch die Geschichte um die Bezahlung für die Arbeit an „Breakout“. Jobs habe nicht nur größtenteils die Lorbeeren für die technische Meisterleistung eingeheimst, sondern auch den „Löwenanteil“ eines gebotenen Bonus, heißt es von Seiten Ataris. Es gibt unterschiedliche Angaben über die genauen Beträge. Der Bonus soll sich auf 5.000 Dollar belaufen haben. Wozniak erfuhr erst viel später davon und wurde mit rund 350 Dollar abgespeist, wie er selbst berichtete. Jobs habe ihm erzählt, dass 700 Dollar gezahlt würden – und ihm die Hälfte davon überwiesen.
Eine ganz andere Pixar-Geschichte ohne Steve Jobs?
Apple war nicht Jobs‘ einziges großes Geschäft. Laut offizieller Unternehmensgeschichte kaufte er im Jahr 1986 die Computer Division von George Lucas‘ (82) Lucasfilm und machte daraus das eigenständige Unternehmen Pixar, heute als Pixar Animation Studios für Filme wie „Toy Story“, „Cars“, „Die Monster AG“ oder „Ratatouille“ bekannt.
Noch im selben Jahr entstand der Kurzfilm „Luxo Jr.“. Er gilt als ein Meilenstein der Computeranimation. Es ist der erste komplett im Computer entstandene Film, der für einen Oscar nominiert wurde. Daneben wurde er zur Vorlage für die heute weltweit bekannte Lampe aus dem Pixar-Logo.
Rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte die Firma zu dem Zeitpunkt, als Jobs einstieg. Laut Mitgründer Alvy Ray Smith habe Jobs Pixar nicht einfach gekauft, sondern damals das Unternehmen finanziert, das sich danach zu 70 Prozent im Besitz des Unternehmers befand und zu 30 Prozent in der Hand der Mitarbeitenden. Über die ersten fünf Jahre sei mehrfach das Geld ausgegangen, man konnte weder Rechnungen noch die Angestellten zahlen. Jobs hielt das Unternehmen am Leben. Immer wieder habe er weiter investiert, bis es rund 50 Millionen US-Dollar gewesen sein sollen. Jeder Scheck habe effektiv die Beteiligung der Mitarbeitenden verringert, im März 1991 habe er die Firma dann vollständig von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gekauft.
Kalifornien hatte einen „Steve Jobs Day“
Auch dass Steve Jobs einen eigenen Tag gewidmet bekommen hat, zeigt, wie bedeutsam er als Geschäftsmann war. Im US-Bundesstaat Kalifornien – Apple hat seinen Firmensitz in Cupertino – wurde der 16. Oktober 2011, ein Sonntag keine zwei Wochen nach dem Tod des Tech-Idols, zum Steve-Jobs-Tag ernannt.
Der damalige kalifornische Gouverneur Jerry Brown (88) würdigte Jobs in einer Bekanntmachung als „Verkörperung des kalifornischen Traums“. Den Unternehmer nur einflussreich zu nennen, sei „eine Untertreibung“, hieß es. Weiter lobte Brown unter anderem, dass Jobs‘ Innovationen „eine Branche transformiert“ hätten und „die Art und Weise verändert haben, wie die ganze Welt kommuniziert“. Im Gegensatz zu manchen Erzählungen im Internet handelt es sich allerdings nicht um einen jährlichen Feiertag, explizit der 16. Oktober 2011 wurde zum Steve-Jobs-Tag ernannt.
Die letzten Worte von Steve Jobs
Eine richtige Motivationsrede soll Steve Jobs kurz vor seinem Tod aufgesetzt haben, glaubt man manchen nebulösen Internetquellen. Immer wieder lässt sich etwa ein angebliches Zitat aus seinen letzten Minuten finden, in dem er eine 30-Dollar-Uhr mit einer 3.000-Dollar-Uhr verglichen haben soll, die doch beide dieselbe Uhrzeit zeigten. Seine letzten Worte sollen aber ganz andere gewesen sein.
Nicht ganz einen Monat nach Jobs‘ Tod veröffentlichte die „New York Times“ eine Trauerrede der Autorin Mona Simpson (69), der leiblichen Schwester des Verstorbenen. Die beiden lernten sich erst kennen, als sie längst erwachsen war. Darin schrieb sie: „Bevor er sich auf den Weg machte, hatte er seine Schwester Patty angesehen, dann lange seine Kinder, dann seine Lebensgefährtin Laurene und schließlich über deren Schultern hinweg geblickt. Steves letzte Worte waren: Oh wow, oh wow, oh wow.“
(wue/spot)
Bild: Steve Jobs, der Mann mit dem schwarzen Rollkragenpullover, ist vor 15 Jahren verstorben. / Quelle: imago images/ZUMA Press Wire/Eric Slomanson