John Nolan, britischer Bühnen- und Filmschauspieler, ist am Samstag gestorben. Er wurde 87 Jahre alt. Das berichtete zunächst der „Stratford-Upon-Avon Herald“. Nolan war der jüngere Bruder von Brendan Nolan, dem verstorbenen Vater der Filmemacher Christopher (55) und Jonathan Nolan (49).

Shakespeare und die Zusammenarbeit mit der Familie

Als einer der ersten Absolventen des renommierten Drama Centre in London begann Nolan seine Karriere mit einer berühmten Rolle: Er spielte den Romeo an der Seite von Francesca Annis als Julia am Richmond Theatre. Es folgten Jahre bei der Royal Court Company und der Royal Shakespeare Company, wo er unter anderem als Claudio in „Maß für Maß“ am Barbican auftrat und als Mark Anton in „Julius Cäsar“ auf sich aufmerksam machte. Am Royal National Theatre war er später in Stücken von Tom Stoppard, David Edgar und Rita Dove zu erleben.

In Film und Fernsehen arbeitete Nolan immer wieder mit seinen Neffen zusammen. Er trat in Christopher Nolans Regiedebüt „Following“ (1998) auf und verkörperte in „Batman Begins“ (2005) sowie „The Dark Knight Rises“ (2012) das Wayne-Enterprises-Vorstandsmitglied Douglas Fredericks. Einen weiteren Auftritt hatte er in „Dunkirk“ (2017) – eine kurze, aber laut dem „Stratford-Upon-Avon Herald“ eindrückliche Szene als blinder Mann.

„Freigeist und origineller Denker“

Für die CBS-Serie „Person of Interest“, entwickelt von Jonathan Nolan, übernahm er ab der zweiten Staffel (2013) die Rolle des mysteriösen John Greer, eines ehemaligen MI6-Agenten, der nun Decima Technologies und die KI Samaritan steuert. Aus einem einzelnen Gastauftritt wurde eine Serienrolle über alle fünf Staffeln – 28 Episoden insgesamt. Die Produzenten hatten erkannt, was das Publikum spürte: Nolan war jemand, den man nicht aus dem Bild lassen wollte. Seinen letzten Auftritt vor der Kamera hatte er mit 85 Jahren in der Serie „Dune: Prophecy“.

Seine Frau, die Schauspielerin Kim Hartman, die er während seiner zweiten Romeo-Inszenierung am Bristol Old Vic kennenlernte und 1975 heiratete, beschrieb ihn gegenüber dem „Stratford-Upon-Avon Herald“ als „Freigeist, der immer wusste, was er wollte und nach seinen eigenen Vorstellungen handelte“. Sie nannte ihn den einzigen wirklich originellen Denker, den sie je gekannt habe – artikuliert, intelligent, mit anarchischem Witz und stets bereit, beide Seiten eines Arguments zu hören. Und: Tiere hätten ihn geliebt. „John war ein beliebter und talentierter Lehrer, egal ob er einen Shakespeare-Monolog erklärte oder den Golfschwung lehrte, und er war seiner Familie sehr verbunden.“

John Nolan hinterlässt seine Frau Kim Hartman sowie die gemeinsamen Kinder Miranda und Tom, die beide ebenfalls als Schauspieler arbeiten, sowie zwei Enkelkinder.

(jom/spot)

Bild: Trauer um den „Person of Interest“-Star John Nolan. / Quelle: getty/Noam Galai/WireImage