Ein Klick, ein kurzer Nervenkitzel – und schon ist wieder Geld weg. Was früher am Spielautomaten passierte, findet heute oft unauffällig im Kinderzimmer statt: Videospiele locken mit Lootboxen, Zufallsgewinnen und bunten Animationen, die echtes Geld kosten, aber wie harmlose Spielchen wirken. Kritiker warnen seit Jahren vor Mechaniken, die suchtähnliches Verhalten auslösen können, fehlender Transparenz und gezielter Ansprache junger Spieler. Nun wagt Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig (SPD) einen erneuten Vorstoß und stellt die grundsätzliche Frage, ob Glücksspiel im digitalen Gewand für Kinder überhaupt noch erlaubt sein darf.
Im Mittelpunkt steht der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor manipulativen Geschäftsmodellen, der über klassische Altersfreigaben hinausgehen soll. Hubig spricht bei „heise online“ in diesem Kontext explizit „Videospiele mit Glücksspiel-Elementen wie Lootboxen“ an und sieht darin ein echtes Problem für junge Nutzer.
Was sind Lootboxen – und warum die Sorge?
Lootboxen sind virtuelle „Überraschungskisten“, die innerhalb von Videospielen für echtes Geld oder In-Game-Währung erwerben können. Was sie enthalten, entscheidet häufig ein Zufallsmechanismus – ein Kernelement, das Kritikern wie der Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen zufolge starke Parallelen zum Glücksspiel aufweist. Entsprechende Forderungen reichen von der Pflicht zur Altersverifikation bis hin zu generellen Verboten von Glücksspielelementen in Spielen, die sich (auch) an Minderjährige richten.
Rechtliche Grauzone in Deutschland und Europa
Rechtlich befinden sich Lootboxen derzeit in einer Art Schwebezustand. In Deutschland und vielen EU-Staaten gelten sie noch nicht als klassisches Glücksspiel, weshalb sie bislang auch ohne Altersbeschränkung in zahlreichen Titeln enthalten sind. Das Europäische Parlament hat bereits Petitionen behandelt, die ein vollständiges Verbot von Lootboxen in Spielen fordern, die für Minderjährige zugänglich sind – ähnlich wie es beispielsweise in Belgien bereits der Fall ist.
Gleichzeitig bestehen in einzelnen Mitgliedstaaten widersprüchliche Urteile: So entschied ein österreichisches Gericht, dass Lootboxen in bestimmten Spielen als Glücksspiel einzustufen seien, während das dortige Oberste Gericht jüngst eine gegenteilige Haltung vertrat.
Umfrage: Verbraucher wollen Schutz
Laut einer vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz in Auftrag gegebenen Umfrage sprechen sich viele Menschen dafür aus, preisliche Transparenz bei In-Game-Käufen einzuführen und Ausgaben begrenzen zu können – insbesondere um Kinder vor unkontrolliertem Ausgeben zu schützen.
Fast vier von fünf Befragten befürworten ein Verbot von glücksspielähnlichen Elementen in Spielen, die sich an Minderjährige richten. Strittig bleibt allerdings, wo die rechtliche Grenze genau gezogen werden soll und wie ein Verbot konkret durchgesetzt werden könnte.
Die politische Debatte geht weiter
Hubigs Vorstoß fällt in eine Phase, in der europäische Gesetzgeber und Verbraucherschützer versuchen, zeitgemäße Regeln für digitale Geschäftsmodelle zu entwerfen. Der im kommenden Jahr erwartete „Digital Fairness Act“ soll unter anderem Verbraucherrechte im Netz stärken – und dürfte auch dieser Debatte weitere Impulse geben.
Für Eltern, spielende Jugendliche und die Spieleindustrie bleibt die Frage offen: Sollen Zufallsmechaniken wie Lootboxen grundsätzlich als Glücksspiel eingestuft und für Kinder verboten werden – oder reichen klarere Regeln und Alterskontrollen? Die Antwort darauf dürfte mit darüber entscheiden, wie digitaler Jugendschutz in Zukunft aussehen wird.
Was Eltern unternehmen können
Verbraucherschützer raten Eltern, das Thema In-Game-Käufe und Lootboxen aktiv zu begleiten: Dazu gehören vor allem offene Gespräche über Kosten und Zufallsmechaniken mit den Kindern und Jugendlichen. Aber auch In-App-Käufe per PIN abzusichern oder zu deaktivieren, sowie keine dauerhaft gespeicherte Zahlungsdaten zu hinterlegen, kann sinnvoll sein. Empfohlen werden zudem Ausgabenlimits etwa über Prepaid-Guthaben und ein genauer Blick auf Spiele, bevor Kinder sie nutzen.
(elm/jmk/spot)
Bild: Auf jüngere Spielerinnen und Spieler haben die Lootbox-Mechaniken eine besonders starke Wirkung. / Quelle: istock/LSOphoto