Es sollte der letzte Feinschliff vor Olympia werden – stattdessen endete der Weltcup in Crans-Montana für Lindsey Vonn (41) mit einer bangen Hubschrauber-Fahrt über die Schweizer Alpen. Die US-Amerikanerin stürzte am Freitag bei der Abfahrt schwer und humpelte anschließend sichtlich angeschlagen von der Piste.

Vonn hatte als sechste Starterin und erste der gesetzten Fahrerinnen das Rennen sieben Tage vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Milano-Cortina aufgenommen. Am ersten Zwischenzeit-Punkt lag sie noch in Führung, doch dann geriet sie nach einem Sprung im oberen Streckenabschnitt aus der Balance, rutschte seitlich in die Sicherheitsnetze, ihr Airbag löste beim Aufprall aus.

Trainer gibt vorsichtig Entwarnung

Mehrere Minuten blieb Vonn am Boden liegen, während Sanitäter sie versorgten. Als sie schließlich aufstand, belastete sie ihr linkes Knie kaum. Mit Hilfe ihrer Skistöcke arbeitete sie sich langsam den Hang hinunter, musste dabei immer wieder anhalten. Nach einem kurzen Aufenthalt im Sanitätszelt wurde sie an einem Seil hängend per Helikopter abtransportiert.

Vonns Trainer Aksel Lund Svindal gab im ORF vorsichtig Auskunft über den Zustand seiner Schützlinge: „Wir sind nicht ganz sicher, sie wird jetzt untersucht.“ Vonn habe „ein bisschen Schmerzen im linken Fuß und linken Knie“ verspürt, so der Norweger, der sich dennoch zuversichtlich zeigte: „Aber ich bleibe positiv.“

Die Rennleitung brach die Abfahrt kurz nach Vonns Unfall ab. Drei der ersten sechs Starterinnen waren in den schwierigen Verhältnissen gestürzt – die Strecke war wegen des Wetters bereits verkürzt worden. Die Österreicherin Nina Ortlieb erwischte es an derselben Stelle wie Vonn, sie konnte aber eigenständig weiterfahren. Die Norwegerin Marte Monsen krachte weiter unten in die Netze und wurde mit einer Verletzung im Gesicht auf einer Trage abtransportiert.

Comeback-Story vor dem Höhepunkt

Der Sturz trifft Vonn zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die Ski-Legende führt aktuell die Weltcup-Abfahrtswertung an – fünf Rennen, fünf Podestplätze, davon zwei Siege. Eine Bilanz, die angesichts ihrer Vorgeschichte fast unglaublich erscheint. Vor nicht einmal zwei Jahren erhielt sie eine Teilprothese im rechten Knie, ihr Comeback nach fast sechs Jahren Wettkampfpause gilt als eine der bemerkenswertesten Geschichten im alpinen Skisport. Sie selbst hatte zuletzt betont, körperlich so gut in Form zu sein wie seit Jahren nicht mehr.

Bei Olympia in Milano-Cortina sollte Vonn am 8. Februar in der Abfahrt starten, außerdem ist sie für den Super-G und die neue Team-Kombination gemeldet. Die Damen-Wettbewerbe finden in Cortina d’Ampezzo statt – einem Ort, der für Vonn fast schon magisch ist. Zwölf Weltcup-Siege hat sie dort eingefahren, mehr als jede andere Fahrerin.

(mia/spot)

Bild: Lindsey Vonn ist in der Schweiz schwer gestürzt. / Quelle: getty/[EXTRACTED]: Fabrice COFFRINI / AFP via Getty Images