Anfang der 1980er Jahre startete Horst Kummeth (69) als Schauspieler im deutschen Fernsehen durch. In der Mini-Serie „Die fünfte Jahreszeit“ hatte er seine erste große Rolle. Spätestens mit seiner Hauptrolle in der Serie „Wildbach“ wurde er in den 1990er Jahren deutschlandweit bekannt. Weitere Engagements unter anderem in „Die Rosenheim-Cops“ und „Forsthaus Falkenau“ folgten. Neben der Schauspielerei schrieb er zusammen mit seiner Ehefrau Evi zahlreiche Drehbücher.

Bekannt ist Kummeth heute aber vor allem für seine Rolle als Apotheker Roland Bamberger in der BR-Erfolgsserie „Dahoam is Dahoam“. Vor rund zwei Jahren kehrte er Lansing den Rücken, doch als Bamberger wird er immer noch erkannt. „Ich habe diese Rolle über 16 Jahre lang gespielt“, erinnert sich der Schauspieler im Interview mit spot on news. „Wenn man wirklich jeden Tag auf Sendung ist, hat sich das natürlich in die Köpfe eingebrannt.“ Dabei wollte er die Rolle zuerst gar nicht übernehmen. In seiner Biografie „Drehbuch meines Lebens“, die am 19. März im Bonifatius Verlag erscheint, widmet der Schauspieler der BR-Serie ein eigenes Kapitel. Im Interview erzählt er, wie er sich den zunächst unliebsamen Bamberger erspielt hat.

Ihr „Dahoam is Dahoam“-Ausstieg ist jetzt schon rund zwei Jahre her. Wie ist es Ihnen ergangen?

Horst Kummeth: So wie es älteren Leuten geht. Man hat unheimlich viel zu tun, obwohl man immer denkt: Jetzt wird es weniger mit der Arbeit. Das ist natürlich nicht der Fall. Aber uns geht es gut. Für mich ist es sehr angenehm, nicht mehr jeden Tag vor der Kamera stehen zu müssen.

Werden Sie noch als Roland Bamberger auf der Straße erkannt?

Kummeth: Ja. In München werde ich sehr oft mit Bamberger angesprochen: „Ja, Herr Bamberger, guten Morgen.“ Oder: „Sie sind ja der Bamberger.“ Dann sage ich: „Nein, ich spiele den Bamberger. Aber ich bin nicht die Figur.“ (lacht) Ich habe diese Rolle über 16 Jahre lang gespielt – wenn man wirklich jeden Tag auf Sendung ist, hat sich das natürlich in die Köpfe eingebrannt.

Jetzt haben Sie sich einem neuen Projekt gewidmet. Woher kam die Idee oder der Wunsch, eine Biografie zu verfassen?

Kummeth: Ich selbst wäre noch gar nicht auf die Idee gekommen, vielleicht später. Tatsächlich sind der Bonifatius Verlag und meine Co-Autorin Karoline Kuhn auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich nicht Lust auf eine Biografie oder sogar eine Autobiografie hätte. Aber Autobiografien bergen immer die Gefahr, dass man sich so überaus positiv darstellt, und das hätte mich – und ich glaube auch die Leser – nicht interessiert. Also haben wir uns alle zusammengesetzt und in einem langen Prozess ein ganz schönes Buch zusammengebracht.

Im Vorwort Ihrer Biografie sprechen Sie darüber, dass wir alle von „Fehler zu Fehler“ leben. Gibt es Fehler, die Sie gemacht haben, über die Sie heute froh sind?

Kummeth: Eine einzige Sache kann ich da gar nicht benennen. Aber ich glaube, es gibt im Leben immer wieder Wendepunkte, bei denen man sich rückblickend fragt: „Mensch, was hast du da gemacht?“ Ich konnte früher sehr jähzornig sein. Das habe ich leider von meinem Vater geerbt. Ich habe mich auch mit Regisseuren angelegt, wenn ich etwas als falsch empfunden habe. Heute diskutiere ich solche Dinge mit viel mehr Gelassenheit und in Ruhe.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie genauer darüber nachdenken, wofür Sie Zeit investieren. Inwiefern hat sich das auf die Auswahl Ihrer Rollen ausgewirkt?

Kummeth: Ich führe heute ein Leben, das ausgeglichener ist und ich wähle bestimmte Dinge aus. Wenn ich auf etwas Lust habe, dann drehe ich das, und wenn nicht, dann nicht. Ich habe im letzten Herbst bei einem sehr schönen „Tatort“ mitgespielt. Das hat mir Freude gemacht. Da hat alles gestimmt von der Regie, über die Kollegen, die Produktion bis hin zum Aufwand, der betrieben wurde. Aber ich lasse mich nicht mehr zu Dingen breitschlagen, die ich nicht machen will. Da habe ich gelernt, Nein zu sagen, und das ist sehr wichtig für mich.

Im vergangenen Jahr waren Sie auch in „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ an der Seite von Désirée Nick zu sehen. Wie war das?

Kummeth: Das war sehr nett und lustig mit der Désirée. Wir zwei hatten großen Spaß. (lacht) Dank meiner Genetik habe ich immer ein bisschen jünger ausgesehen und von daher auch viel jüngere Rollen gespielt. Bei „In aller Freundschaft“ konnte ich wirklich mal mein Alter spielen. Ich sollte auch hinken und eigentlich heimlich einen Stock benutzen, den ich aber nicht zeige. Das war eine nette kleine Komödie, die wir da gespielt haben.

Was hatte Sie an Roland Bamberger gereizt? Den wollten Sie ja zuerst gar nicht spielen, wie Sie in Ihrer Biografie verraten.

Kummeth: Ja, die Rolle hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe dem Produzenten erzählt, wie ich diese Figur, also diesen Bamberger sehen würde – davon stand aber nichts im Skript. Meine Version hat ihm gefallen und so durfte ich als Bamberger meinen Blödsinn treiben.

Welche Ideen stammen von Ihnen?

Kummeth: Ich habe immer versucht, den Bamberger ein bisschen wie ein Eichhörnchen zu spielen, der etwas durcheinander in seiner Apotheke hin und her huscht. Bestimmte Ausdrücke wollte ich auch gern einbauen, wie zum Beispiel: „Ach, geh zu.“ Wenn etwas passiert ist, habe ich das gesagt. Das ist ein fränkischer Ausspruch, den ich von meiner Oma kannte. Erfreulicherweise kam es auch bei den Zuschauern sehr gut an.

Gab es private Parallelen zwischen Ihnen und Bamberger?

Kummeth: Interessant fand ich an dieser Rolle unter anderem, dass Bamberger mit meinem Privatleben überhaupt nichts zu tun hatte. Der war bindungsunfähig und das bin ich ja nun gar nicht. Ich bin ein Familienmensch und seit fast 50 Jahren verheiratet. Er ist Radfahrer und Bergsteiger. Das bin ich auch nicht. Er ist so ein wuseliger Typ und ich bin eher ruhig. Ihn mir zu erspielen, war reizvoll und schön. Anscheinend ist es mir auch ganz gut gelungen – zumindest war die Resonanz der Zuschauer sehr gut.

Früher haben Sie zusammen mit Ihrer Frau Drehbücher geschrieben. Haben Sie nun wieder gemeinsame Projekte oder konzentrieren Sie sich eher auf die Schauspielerei?

Kummeth: Meine Frau und ich schreiben viel weniger. Auch bei der Schauspielerei habe ich mich sehr zurückgenommen. Manche Sachen wecken schon noch mein Interesse, aber meine Zeit ist – wie bei jedem Menschen natürlich – endlich. Die möchte ich nicht endlos mit neuen Projekten füllen. Natürlich habe ich auch sehr viele private Interessen. Vor allem mein Glaube und meine Religion sind mir da sehr wichtig. Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die möchten arbeiten, bis sie tot umfallen. Zu denen gehöre ich nicht. Ich habe Gott sei Dank ein sehr gutes Privatleben mit meiner Frau, meinen Kindern, Enkelkindern und Schwiegersöhnen. Wir sind eine große Familie, da ist immer etwas los und das genieße ich sehr. Wir holen sehr viel Familienleben nach und das ist großartig. Ich bin ein Familienmensch, wie er im Buche steht.

(sv/spot)

Bild: Zwei Jahre nach seinem „Dahoam is Dahoam“-Ausstieg hat Horst Kummeth seine Biografie veröffentlicht. / Quelle: Dariusz Gontarski