Erst ein Brennen und Kribbeln unter der Haut, Tage später ein streifenförmiger Ausschlag mit Bläschen: Gürtelrose kündigt sich oft unscheinbar an. Menschen mit Diabetes trifft die Viruserkrankung häufiger als andere, und die Folgen können bei ihnen länger nachwirken.

Über 95 Prozent der Erwachsenen tragen das Virus, welches Windpocken auslöst, in sich, meist seit der Kindheit. Es ruht das ganze Leben lang in den Nervenknoten und wird vom Immunsystem in Schach gehalten. Lässt die Abwehr nach, kann das Virus wieder erwachen und als Gürtelrose ausbrechen.

Etwa jeder dritte Erwachsene erkrankt im Laufe des Lebens daran. Als wichtigster Risikofaktor gilt das Alter: Ab etwa 50 Jahren steigt das Risiko deutlich, denn die Abwehrkräfte werden mit den Jahren natürlicherweise schwächer. Bei Diabetes kommt ein weiterer Faktor hinzu.

Warum Diabetes das Risiko erhöht

Diabetes kann sich auf das Immunsystem auswirken. „Menschen mit einem gesunden Immunsystem schaffen es, das Virus in den Nervenzellen zu halten, sodass es nicht zum Ausbruch kommt. Bei Menschen mit einem eingeschränkten Immunsystem ist das anders“, erklärt Dr. Dietrich Tews, Diabetologe aus Gelnhausen.

Nach seinen Angaben liegt das Gürtelrose-Risiko bei Diabetes um bis zu 45 Prozent höher. Gefährdet sind Menschen mit Typ-1- wie mit Typ-2-Diabetes. Ein nicht optimal eingestellter Blutzucker kann das Risiko weiter steigern. Glukosesensoren messen genau, wie stabil die Werte im Tagesverlauf sind. „Anhand dieser Daten lässt sich häufig schon früh erkennen, ob bei einer Person möglicherweise ein zusätzlich erhöhtes Risiko für Gürtelrose besteht“, so Dr. Tews.

Wenn der Nerv weiter schmerzt

Typisch für eine Gürtelrose ist ein meist einseitiger Streifen aus Bläschen auf der Brust, dem Rücken, dem Bauch oder im Gesicht. Dass sie immer um die Taille verläuft, ist ein Mythos. Der Ausschlag heilt meist nach zwei bis drei Wochen ab, der entzündete Nerv braucht oft länger. Mitunter halten die Schmerzen Monate an und allein die Berührung eines T-Shirts auf der Haut kann schmerzhaft sein.

Bei Menschen mit Diabetes ist das Risiko für solche anhaltenden Nervenschmerzen um 18 Prozent höher als bei Menschen ohne Diabetes. Das legen Daten nahe, die 2014 im Fachjournal „Open Forum Infectious Diseases“ veröffentlicht wurden. Außerdem kann Gürtelrose den Stoffwechsel aus dem Takt bringen: Laut einer spanischen Studie verschlechterten sich danach bei rund einem Viertel der Betroffenen mit zuvor gut eingestelltem Diabetes die Blutzuckerwerte.

Vorsorge im Praxisgespräch klären

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Personen ab 60 Jahren sowie Personen ab 18 Jahren mit erhöhtem Erkrankungsrisiko, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Welche Vorsorgemaßnahmen im Einzelfall infrage kommen, lässt sich beim nächsten Kontrolltermin in der hausärztlichen Praxis besprechen. Dabei kann auch eine Checkliste helfen, um die wichtigsten Punkte und Fragen schon vor dem Gespräch zu sammeln.

Gürtelrose ist mehr als ein Hautausschlag: Sie betrifft die Nerven und kann lang anhaltende Schmerzen verursachen. Gerade für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, die ersten Anzeichen zu kennen – und im Optimalfall innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der Symptome zu handeln, um Komplikationen zu vermeiden.

(jmk/spot)

Bild: Diabetes kann sich auf das Immunsystem auswirken und das Risiko für eine Gürtelrose und ihre Folgen erhöhen. / Quelle: djd/www.guertelrose-wissen.de/Simon Veith