Juan Atkins (1962-2026) gab dem Techno seinen Namen: Nun ist der Begründer des Detroit Techno und einer der wichtigsten Vertreter der Musikrichtung gestorben. Seine Agentur Greensmith Artists bestätigte den Tod des DJs und Produzenten gegenüber „Resident Advisor“. Er wurde 64 Jahre alt.

Nach Informationen des Musikportals wurde Atkins am Samstag vor einem geplanten Auftritt in Mexiko-Stadt leblos in seinem Hotelzimmer gefunden. Im Krankenhaus konnten die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen.

„Mein Bruder Juan Atkins ist von uns gegangen“

Unter den Ersten, die sich zu dem Verlust meldeten, war Kevin Saunderson. „Herzzerreißende Neuigkeit heute. Mein Bruder Juan Atkins ist von uns gegangen“, schrieb der Musiker in den sozialen Medien. „Juan war der Urheber des Techno, ein echter Visionär, der so vielen von uns die Tür geöffnet hat – mir eingeschlossen.“

Saunderson erinnerte daran, wie Atkins ihm einst geholfen habe, seine erste Platte „Triangle of Love“ fertigzustellen. Gemeinsam hätten sie eine Reise geteilt, „die die Musik für immer verändert hat“.

Drei Schulfreunde aus Belleville

Diese Reise begann in der Provinz. Atkins kam 1962 in Detroit zur Welt, zog mit seiner Familie aber später in den ländlichen Vorort Belleville. „Ich war es einfach nicht gewohnt, mit dem Schulbus zur Schule zu fahren und an einer unbefestigten Straße zu wohnen“, erzählte der US-Amerikaner 2024 dem „Guardian“. Ausgerechnet dort traf er auf Saunderson und Derrick May.

Als Belleville Three gelten die drei heute als Architekten des Detroit Techno. Laut „Rolling Stone“ verschmolzen sie den Chicago House mit der elektronischen Musik von Bands wie Kraftwerk und Yellow Magic Orchestra. Atkins war der Erste, der für diesen harten elektronischen Stil den Begriff Techno benutzte.

Er selbst sah das gelassener. In Detroit habe niemand gewusst, dass das Techno sei. Die Jugendlichen hätten nur gespürt, dass es ein neuer Sound war. „Als es nach Europa kam, musste Europa ihm irgendeinen Namen geben.“

Von Cybotron zu Model 500

Noch als Schüler gründete Atkins mit Richard Davis das Duo Cybotron, ausgestattet mit damals erschwinglich gewordener Technik wie der Drum Machine Roland TR-808. Die Inspiration lieferte ausgerechnet der Unterricht. „Ich hatte einen Kurs namens Zukunftsforschung, in dem es um den Übergang von der Industriegesellschaft zur Technologiegesellschaft ging“, erinnerte er sich 2014 in einem Interview.

Tracks wie „Cosmic Cars“ und „Clear“ eroberten die Tanzflächen, 1983 erschien das Album „Enter“. Zwei Jahre später trennte sich das Duo, weil es Davis zur Rockmusik zog. Atkins gründete sein Label Metroplex und nahm fortan als Model 500 auf. Seine Single „No UFO’s“ trug den Detroit-Sound bis nach Großbritannien, wo sie eine eigene Techno-Compilation inspirierte.

Missy Elliott baute ihren Hit auf „Clear“

Auch später blieb Atkins umtriebig. Als Infiniti veröffentlichte er 1998 das Album „Skynet“, mit Moritz von Oswald brachte er als Borderland zwei Alben heraus. In den 2010er-Jahren tourte er mit May und Saunderson als The Belleville Three, 2023 belebte er Cybotron wieder.

Sein Einfluss reichte da längst über die Clubs hinaus. Dutzende Künstler haben allein „Clear“ gesampelt. Missy Elliott machte den Track zum Kern ihres Hits „Lose Control“, der es 2005 auf Platz drei der US-Billboard-Charts schaffte.

(ae/spot)

Bild: Juan Atkins prägte die Techno-Szene über mehrere Jahrzehnte. / Quelle: imago images/Fotoarena/Yuri Murakami