Die ARD bringt die Vorgeschichte des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt als Thriller ins Programm. Die sechs Folgen von „Breitscheidplatz 19/12“ stehen ab Freitag, 30. Oktober, in der Mediathek bereit. Im Ersten laufen sie am 1. November ab 21:45 Uhr und am 6. November ab 23:55 Uhr.

Der islamistische Terrorist Anis Amri steuerte am 19. Dezember 2016, kurz nach 20:00 Uhr, einen entwendeten Lastwagen gezielt in die Menschenmenge des Weihnachtsmarkts. 13 Menschen starben, insgesamt waren über 170 Opfer und Angehörige direkt betroffen. Amri floh nach Italien und wurde am 23. Dezember 2016 in Sesto San Giovanni bei Mailand von der Polizei erschossen.

Den Tag der Tat zeigt die Serie bewusst nicht. Sie setzt im Jahr 2015 ein und begleitet Ermittler, die den späteren Attentäter Amri längst auf dem Schirm hatten.

Worum geht es in der Thrillerserie?

Im Zentrum steht Frank Laudin (Albrecht Schuch), Staatsschützer in Nordrhein-Westfalen. Er will an die Hassprediger heran, die junge Männer für den Islamischen Staat und den Krieg in Syrien anwerben. Sein Mann im Milieu ist Murat Cem (Tamer Trasoglu), ein früherer Krimineller, der für seine gefährlichen Einsätze Geld verlangt.

Über Cem gerät Amri (Wael Alkhatib) ins Blickfeld. Der V-Mann erkennt in dem instabilen, zu Gewalt neigenden Außenseiter genau jenen Typus, aus dem Attentäter werden. Polizistin Isra (Bayan Layla), deren Familie einst aus dem Irak floh, prüft seine Hinweise. Beim BKA beißt sie damit auf Granit: Ermittler Heyse (Hanno Koffler) hält Amri für unbedeutend.

Laudin dagegen ist überzeugt, dass nach den Anschlägen in Frankreich bald Deutschland an der Reihe ist. Zwischen konkurrierenden Behörden und unklaren Zuständigkeiten gerät Amri dennoch aus dem Fokus. Am 19. Dezember hält ihn niemand auf…

Wie nah ist die Serie an der Wirklichkeit?

Die Handlung ist erfunden, stützt sich aber auf reale Begebenheiten. Regisseur David Nawrath schrieb die Bücher mit David Marian und einem Autorenteam nach intensiver Recherche. Den Antrieb lieferte eine Frage, auf die es bis heute keine eindeutige Antwort gibt: Hätte der Anschlag verhindert werden können?

Auch der Untersuchungsausschuss konnte sie nicht klären. Nach Angaben des Senders erhielt er zwar umfangreiche Akten, große Teile davon waren jedoch unkenntlich gemacht, manche Seiten komplett leer. Elf Menschen starben, als der Lkw in die Menge fuhr, obwohl der Täter zuvor fast 18 Monate lang überwacht worden war.

„Uns, und insbesondere den Kreativen, die hinter ‚Breitscheidplatz 19/12‘ stehen, war es ein Anliegen, den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt nicht nachzuerzählen, sondern bewusst einen Scheinwerfer darauf zu richten, wo immer noch Schatten ist“, sagt Christoph Pellander, Geschäftsführer der ARD Degeto Film.

Schauspielerin Bayan Layla (geb. 1996) warnt dabei vor vorschnellen Urteilen. „Durch die Arbeit an der Serie habe ich gesehen, dass es tatsächlich Versäumnisse gab“, sagt die Isra-Darstellerin im Interview mit spot on news. Gleichzeitig habe sie verstanden, wie verschachtelt die Zuständigkeiten und Entscheidungswege der Behörden gewesen seien. Pauschal mit dem Finger auf sie zu zeigen, falle ihr deshalb schwer.

Wo lief die Serie bereits?

Gedreht wurde in Wien und Berlin, hinter der Kamera stand Tim Kuhn. Ihre Weltpremiere feierte die Serie beim Toronto International Film Festival, danach lief sie beim Filmfest Hamburg. Dort wurde Bayan Layla die Verantwortung ihrer Rolle nach eigenen Worten besonders bewusst. Bei der Premiere begegnete sie Hinterbliebenen und Überlebenden des Anschlags. „Dass sie mit der Serie zufrieden waren, war für mich das Wichtigste an diesem Tag“, sagt die Schauspielerin.

(ili/spot)

Bild: „Breitscheidplatz 19/12“: Frank Laudin (Albrecht Schuch) und Isra Al-Husseini (Bayan Layla). / Quelle: ARD Degeto Film/HR/NDR/rbb/NEUESUPER GmbH/Hubert Mican/BDA Creative