Kinder wischen über Displays, Eltern lesen nebenbei Nachrichten: Diesem vertrauten Bild in Restaurants will ein Pilotprojekt auf Sardinien etwas entgegensetzen. Ab 1. November können Familien einen Monat lang in 15 Lokalen ihre Handys beim Essen beiseitelegen und miteinander spielen und reden. Die Aktion heißt „A tavola senza schermi“, zu Deutsch „Am Tisch ohne Bildschirme“.

Hinter dem Projekt stehen Anna Cau, die regionale Ombudsfrau für die Rechte von Kindern und Jugendlichen, und der Gastronomieverband Fipe Confcommercio Sardegna, unterstützt vom italienischen Kinderärzteverband Fimp. Geplant waren zunächst acht Betriebe, nun machen 15 Restaurants in zehn Orten mit, von Cagliari im Süden bis Santa Teresa Gallura im Norden. Bei der Vorstellung am 26. Oktober sagte Cau, Eltern müssten Risiken und Chancen der Technik kennen.

Spiele statt Bildschirm

Ein striktes Verbot ist das nicht: Die Lokale bieten Familien bei der Ankunft einen freiwilligen „Pakt“ an. Wer mitmacht, steckt die Handys in die Tasche oder legt sie in einen Korb. Dafür gibt es ein Set mit Buntstiften und altersgerechten Spielen für die Wartezeit aufs Essen. Ausnahmen vereinbart man vorab, dringende Anrufe erledigt man abseits des Tisches. Ein Faltblatt mit Tipps zur Mediennutzung führt per QR-Code zum Ratgeber der Fimp.

Die Träger stützen sich auf den Ratgeber von 2023, der ältere Studien bündelt: Laut einem Censis-Bericht von 2021 nutzten 95 Prozent der Jugendlichen in Italien ein Handy. In einer Studie aus Norditalien hatte mehr als die Hälfte der Jugendlichen das Gerät rund um die Uhr an. Problematische Nutzung beziffert der Ratgeber auf bis zu ein Viertel. Wiederum 87 Prozent der Eltern von 11- bis 15-Jährigen wünschten sich mehr Informationen von Kinderärzten. Die meisten Eltern seien sich der Risiken nicht bewusst, sagte Osama Al Jamal, Präsident der Fimp auf Sardinien und Mitautor des Ratgebers. Schlaflosigkeit und soziale Isolation seien unübersehbar.

Erwachsene als Vorbild

Für Emanuele Frongia, Präsident der Fipe auf Sardinien, sind Restaurants Orte der Begegnung. Von Kindern den Verzicht aufs Handy zu verlangen, ergebe aber nur Sinn, wenn Erwachsene vorangingen. Ein gutes Erlebnis im Restaurant könne auch zu Hause nachwirken, sagte Giuseppe Scura, Direktor von Confcommercio Sud Sardegna. Nach dem Testmonat prüfen die Träger eine Ausweitung auf alle Mitgliedsbetriebe des Verbands.

(elm/spot)

Bild: Handyfotos vom eigenen Essen? In einigen Restaurants auf Sardinien soll damit testweise Schluss sein. / Quelle: Remains/iStock via Getty Images