Auf einem knapp einen Kilometer langen Abschnitt der Londoner Oxford Street rollt seit Montag kein regulärer Verkehr mehr. Zwischen Orchard Street und Great Portland Street sind Autos, Busse, Taxis und Mietwagen mit Fahrer ebenso ausgeschlossen wie Fahrräder, E-Scooter und Fahrradrikschas. Bürgermeister Sadiq Khan will damit eine der belebtesten Einkaufsstraßen Europas stärken, die zuletzt an Anziehungskraft verloren hatte.

Was sich für den Verkehr ändert

Ganz neu ist ein Fahrverbot an dieser Stelle nicht: Privatautos durften den Abschnitt bereits montags bis samstags zwischen 7 und 19 Uhr nicht befahren. Nun gilt die Sperre rund um die Uhr und auch für Busse, Taxis und Radfahrer.

Rettungsdienste oder Mobilitätshilfen wie elektrische Rollstühle haben weiterhin jederzeit Zugang, Lieferungen sind zwischen Mitternacht und 7 Uhr morgens erlaubt. Fünf Querstraßen innerhalb des gesperrten Bereichs, darunter die Regent Street und die New Bond Street, bleiben befahrbar. Die Busse werden über umliegende Straßen umgeleitet; die neuen Haltestellen liegen rund 200 Meter von der Fußgängerzone entfernt.

Sperre dauerhaft, Gestaltung zunächst auf Probe

Umgesetzt wird das Projekt von der Verkehrsbehörde Transport for London (TfL) und der eigens gegründeten Entwicklungsgesellschaft „Oxford Street Development Corporation“ (OSDC). Während die Verkehrssperre dauerhaft gilt, ist die Gestaltung der Straße vorerst eine Übergangslösung. In der Testphase sollen Rückmeldungen von Anwohnern, Geschäften und Verbänden für Barrierefreiheit gesammelt werden, die in den endgültigen Entwurf einfließen.

Bis Ende des Frühjahrs 2027 sollen unter anderem mehr als 50 Bäume, über 100 Sitzplätze und zwei öffentliche Plätze entstehen. Laut „BBC“ gehören zu den schrittweisen Änderungen auch angehobene Fahrbahnflächen und neu getaktete Ampeln. Der dauerhafte Umbau soll erst danach beginnen. Insgesamt soll das Projekt rund 150 Millionen Pfund (etwa 179 Millionen Euro) kosten.

Damit ist rund die Hälfte der etwa 1,9 Kilometer langen Oxford Street verkehrsfrei. Befahrbar bleiben das westliche Ende bis Marble Arch und der östliche Teil bis zur Tottenham Court Road. Für den Osten hatte sich der Bezirk Westminster im Februar nach eigenen Angaben zusichern lassen, dass dort weiterhin Busse fahren. Parallel wird ein Rahmenkonzept für die gesamte Straße erarbeitet. Ob weitere Abschnitte gesperrt werden, ist offen. Mögliche Verkehrsregelungen müssen erst öffentlich konsultiert werden.

Kritik und erste Staus

Unumstritten ist das Vorhaben nicht. Tim Barnes, konservativer Vizechef des Bezirks Westminster, dessen Planungshoheit für die Straße seit August bei der OSDC liegt, hatte nach Bekanntgabe des Starttermins gewarnt, der Verkehr werde in kleine Nebenstraßen verdrängt. Fragen zu Zugang, Luftqualität und Sicherheit seien ungeklärt, so Barnes. Am ersten Tag bildeten sich laut dem Sender LBC im Berufsverkehr Staus in den umliegenden Straßen, zudem ignorierten einige Fahrradfahrer das Verbot.

(elm/spot)

Bild: Die Oxford Street – hier noch mit Verkehr – ist eine der berühmtesten Straßen Londons. / Quelle: Claudiac8/iStock via Getty Images