Im Finale der Jubiläumsstaffel von „Die Höhle der Löwen“ (montags, 20:15 Uhr, VOX und RTL+) wird noch einmal fleißig gepitcht. Den Auftakt machen Jonathan Vincentz (29) und Lukas Ludwig (29) aus Leipzig mit ihrer faltbaren Fahrrad-Transportbox „allpacka One“. Ausgeklappt bietet sie 30 Liter Stauraum und trägt bis zu 20 Kilogramm Gewicht. Dass darin sogar eine ganze Bierkiste Platz findet, demonstrieren die Gründer direkt auf der Bühne. Carsten Maschmeyer (67) nimmt die Konstruktion genauer unter die Lupe und zeigt sich skeptisch: „Fällt das nicht um in einer Kurve?“ Kollegin Janna Ensthaler (42) will es genauer wissen, schwingt sich kurzerhand aufs Fahrrad und dreht eine Proberunde durch das Studio.
Die faltbare Lastenbox hat allerdings ihren Preis: 169,95 Euro soll sie im Handel kosten. Auch die Produktionskosten fallen mit etwas mehr als 50 Euro vergleichsweise hoch aus – nicht zuletzt, weil die Box in Deutschland gefertigt wird. „Ist das nicht ‚a little bit‘ teuer?“, gibt Investorin Judith Williams (54) zu bedenken. Doch nicht nur der Verkaufspreis sorgt für Skepsis. Für 250.000 Euro bieten der Ingenieur und der BWLer lediglich zehn Prozent ihrer Firmenanteile an. „Eure Bewertung ist astronomisch“, urteilt Williams und steigt aus. Auch Maschmeyer winkt ab: „Umsatzmäßig eine Vollkatastrophe und die Bewertung ein No-Go.“
Trotz der Kritik gibt es gleich zwei Angebote: Janna Ensthaler ist bereit, die geforderten 250.000 Euro zu investieren, verlangt dafür allerdings 30 Prozent der Firmenanteile. Johannes Kliesch fordert sogar 40 Prozent. „Wir sind damit nicht zufrieden“, erklären die Gründer selbstbewusst und schlagen ihrerseits 25 Prozent vor. Ensthaler kommt ihnen noch einmal entgegen: „Treffen wir uns bei 27,5 Prozent?“ Doch die beiden bleiben hart und verlassen die Höhle ohne Deal. „Ich glaube, das ist ein Fehler. Aber viel Erfolg“, gibt ihnen die Investorin zum Abschied mit auf den Weg.
Alkoholfreie Drinks aus Portionsbeuteln?
Als Nächstes betritt Jungunternehmerin Isabella Steiner die Bühne. Mit ihrer Marke „nüchtern“ setzt sie auf alkoholfreie Drinks aus flüssigen Konzentraten, die in kleinen Portionsbeuteln abgefüllt und mit Tonic Water gemischt werden. Seit der Gründung im Jahr 2020 hat ihr Onlineshop bereits drei Millionen Euro Umsatz erzielt. Das lässt Getränkeunternehmer Andreas Herb (55) aufhorchen. Bei der Verkostung fällt sein Urteil allerdings ernüchternd aus: „Das ist von Aperol Spritz kilometerweit entfernt.“ Selbstbewusst fügt er hinzu: „Ich mache seit 32 Jahren Getränke. Ich weiß, wie man damit Geld verdienen kann.“ Auch den Markennamen „nüchtern“ hält er für wenig verkaufsfördernd und steigt aus. Bei den übrigen Investoren sorgt einmal mehr die hohe Firmenbewertung für Zurückhaltung. Für 300.000 Euro will Steiner lediglich zwölf Prozent ihrer Firmenanteile abgeben. „Auch kein Schnäppchen“, findet Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl (72).
Die deutliche Kritik an ihrem Produkt und ihrer Marke geht an Steiner nicht spurlos vorbei. Als die Investoren immer weitere Schwachstellen aufzeigen, kann die Gründerin ihre Tränen schließlich nicht mehr zurückhalten. Dagmar Wöhrl zeigt Mitgefühl, steht auf und nimmt die sichtlich verunsicherte Jungunternehmerin in die Arme. „Du machst das richtig toll und schlägst dich tapfer. Alle Achtung“, spricht sie ihr Mut zu. Ein Happy End gibt es für Steiner dennoch nicht: Sie muss die Höhle ohne Deal verlassen.
Zum Staffelfinale fließen unfreiwillig Tränen
Zum Abschluss der 20. Staffel wartet auf die Löwen eine besondere Überraschung: ein Wiedersehen mit „Mexican Tears“. Die scharfe Sauce brachte bereits in der allerersten Staffel 2014 die Investoren zum Weinen – und hat offenbar nichts von ihrer Wirkung verloren. „Boah, Alter!“, entfährt es Frank Thelen (50) nach dem Probieren. „Das tut weh“, ächzt Judith Williams neben ihm. Neulöwe Andreas Herb hingegen ist begeistert: „Ich liebe hot, hot, hot!“ Kurzerhand wittert er sogar eine Geschäftschance. „Braucht ihr noch einen Partner?“, fragt er und schiebt hinterher: „Ruf mich an!“
Danach wird es wieder ernst. Mit „meinhaus.digital“ stellen Leonie Dowling (37) und Carolin Krebber (35) einen KI-gestützten Assistenten vor, der Renovierungen und Sanierungen einfacher, transparenter und günstiger machen soll. Dafür fordern die Gründerinnen 425.000 Euro und bieten gerade einmal fünf Prozent ihrer Firmenanteile an. Doch wird ihnen die hohe Unternehmensbewertung zum Verhängnis?
KI-Assistent überzeugt gleich drei Löwen
Der KI-Assistent richtet sich vor allem an Hauskäufer, die ihre Immobilie renovieren oder sanieren möchten. Die Software soll sie durch den gesamten Prozess begleiten: von der ersten Einschätzung notwendiger Maßnahmen und der Kostenkalkulation über die Finanzierung bis hin zur konkreten Renovierungsplanung. Auch bei der Suche nach geeigneten Handwerkern soll sie helfen.
Trotz der hohen Firmenbewertung zeigen sich überraschend gleich drei Investoren interessiert: Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl. Alle drei fordern zunächst zehn statt der angebotenen fünf Prozent Firmenanteile. Schließlich schließen sich Ensthaler und Maschmeyer zusammen und bieten den Gründerinnen einen gemeinsamen Deal für zehn Prozent an. Zudem stellen sie in Aussicht, bei Bedarf weiteres Kapital zu investieren. Das überzeugt Dowling und Krebber, die sich für das Duo entscheiden. Wöhrl nimmt die Absage wenig begeistert auf und kommentiert kühl: „Ich wäre besser gewesen für euch.“
Emotionaler Familien-Pitch begeistert Ralf Dümmel
Beim nächsten Pitch wird es emotional: Nabil Chehade (46) erzählt, wie sein damals elfjähriger Sohn vor sechs Jahren beinahe an einer Erdbeere erstickt wäre. Während er selbst vor Schreck wie erstarrt danebenstand, rettete seine Frau dem Jungen mit beherzten Rückenschlägen das Leben. Das Erlebnis ließ die Familie nicht mehr los. Gemeinsam mit seinen Cousins Aiman (32) und Jusef (31) entwickelte Nabil deshalb den „LifeSaveAir“, ein Erste-Hilfe-Gerät, das bei lebensgefährlichen Atemwegsblockaden mithilfe eines erzeugten Vakuums helfen soll.
Für eine Überraschung sorgt der inzwischen 17-jährige Sohn, der ebenfalls die Bühne betritt. Als Handelsprofi Ralf Dümmel (59) ihn nach seiner Einschätzung der Geschäftsidee fragt, antwortet der Teenager schlagfertig: „Das ist ein Milliardengeschäft!“ Dümmel ist begeistert und überlässt ihm kurzerhand seinen Sessel. Von dort aus darf der Junge seinem Vater nun selbst die unangenehmen Investorenfragen stellen – mit bissigen Kommentaren, die Dümmel ihm zuflüstert und die für einige Lacher sorgen. Doch irgendwann hält es der Teenager vor Spannung kaum noch aus: „Bitte Ralf, mach ein Angebot. Du bist mein Wunschkandidat.“ Und tatsächlich: Dümmel lässt sich überzeugen. Statt der ursprünglich angebotenen zehn Prozent für 100.000 Euro einigen sich die Gründer mit ihm schließlich auf 25 Prozent Firmenanteile.
Der Erfinder vom Schrottplatz rührt die Löwen zu Tränen
Patrick Waligorski (51) aus Essen wollte eigentlich nur seine schmerzenden Handgelenke entlasten – und entwickelte kurzerhand „Kippo“, einen drehbaren Griff für Schubkarren, der die Gartenarbeit erleichtern soll. Beim Ausschütten drehen sich die Griffe mit, sodass die Handgelenke nicht verdreht werden müssen. Hauptberuflich betreibt der Tüftler einen Schrottplatz, doch dessen Zukunft ist ungewiss: Sein Mietvertrag läuft bald aus. „Dann müsste ich theoretisch mit 51 Jahren von null noch mal neu anfangen“, erzählt er sichtlich bewegt. Seine Erfindung soll ihm deshalb eine neue berufliche Perspektive eröffnen. Für 50.000 Euro bietet er 30 Prozent seiner Firmenanteile an.
Mit seiner persönlichen Geschichte rührt Waligorski die Investoren zu Tränen. Auch er selbst wird beim Erzählen emotional und kämpft mit den Tränen. Andreas Herb zögert nicht lange: „Ich bin dabei“, verkündet er und bietet die geforderte Summe. Doch Ralf Dümmel will das Feld nicht kampflos räumen. „Warte mal, was noch passiert“, wirft er ein und zieht wenig später mit einem identischen Angebot nach. Waligorski kann sein Glück kaum fassen: „Darf ich auch beide nehmen?“, fragt er ungläubig. „Ihr macht es mir so schwer.“
Schließlich trifft er seine Entscheidung: „Andreas, ich mag dich. Aber ich habe mich schon vor ganz langer Zeit für Ralf entschieden.“ Damit geht der Deal an Dümmel. Hinter der Bühne brechen beim 51-Jährigen endgültig alle Dämme. Unter Tränen erklärt er erleichtert: „Mir fällt so eine Last runter. Das ist so ein tolles Gefühl.“
(ero/obr/spot)
Bild: Die Löwen Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Janna Ensthaler, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (v.l.), kämpfen mit den Auswirkungen einer sehr, sehr scharfen Sauce. / Quelle: RTL / Bernd-Michael Maurer