Hendrik Duryn (58) ist in seiner Rolle als Vollblut-Lehrer zurück! Mit Unterbrechungen stand der Schauspieler von 2009 bis 2021 als „Der Lehrer“ vor der RTL-Kamera und verkörperte den unkonventionellen Chemielehrer Stefan Vollmer. In Staffel neun übernahm Simon Böer (51) die Hauptrolle in der Serie, danach wurde das Format abgesetzt. Im Februar 2025 dann die Ankündigung, dass der Original-Lehrer zurückkommt.

In der neuen Staffel (ab 21. Mai auf RTL+, ab 28. Mai um 20:15 Uhr bei RTL) hat sich Vollmer nach seinem Schuldienst-Ende in Leipzig mit seiner Tochter Frida (Hannah Jurgons) sowie einer eigenen Werkstatt ein neues Leben aufgebaut. Durch eine Verkettung von Ereignissen – ein gestohlenes Portemonnaie, eine rebellische Schülerin und eine vergessene Schulklasse – kehrt er jedoch in den Lehrerberuf zurück. Auch in seinem Privatleben steht Vollmer wie immer vor Herausforderungen: Als alleinerziehender Vater und durch die Begegnung mit seiner lebhaften Nachbarin Nadia (Birte Hanusrichter) muss er lernen, Beruf und Familie neu in Einklang zu bringen.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät Hendrik Duryn, wie es zum Comeback kam, was am Set bei der Rückkehr nicht fehlen durfte und wen er beim Dreh bis heute vermisst.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Rückkehr von Stefan Vollmer?

Hendrik Duryn: Weil er wiederkommen muss. Er konnte nicht so abtreten, wie er abgetreten ist. „Der Lehrer“ gehört meiner Meinung nach ins deutsche Fernsehen. Die Serie ist unterhaltsam und hat eine Kernbotschaft – in jeder Episode und über eine ganze Staffel hinweg. Sie liebt das Leben, den Menschen, den Perspektivwechsel. Und sie spricht den Verstand über das Herz und mit Humor an.

Wie sind Sie das Comeback angegangen?

Duryn: Zwei Jahre nach der Absetzung habe ich angeklopft und gesagt: Ich will es wieder machen, aber in einer neuen Form. Entweder als Spielfilm, sechs Filme pro Jahr, oder als Streaming-Format mit offener Länge, also zwischen 50 und 70 Minuten, je nach Thema. Ich war erstaunt, wie offen die Türen waren. Es wurde eher noch nachgefragt: Bist du dir sicher? Meinst du das wirklich? Dann haben wir angefangen zu entwickeln und schließlich fiel beim Sender die klare Entscheidung: lineare Ausstrahlung und 45 Minuten. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. So würde ich sehr gerne weitermachen, am liebsten im nächsten Jahr mit zehn Folgen. Ich habe riesig Bock. Auch weil es sich gut mit meiner Arbeit an den „Dünentod“-Krimis vereinbaren lässt. Aber darauf habe ich jetzt keinen Einfluss mehr. Das müssen die Zuschauer und dann der Sender entscheiden.

Es wird vom Comeback einer Kultserie gesprochen. Wie gehen Sie mit Erwartungsdruck um?

Duryn: Man sagt zwar: Unter Druck entstehen Diamanten. Aber: Er verformt auch den Charakter. Wir verwechseln oft Druck mit Disziplin und Konsequenz. Ich habe weder Erfolgsdruck, noch mache ich mir selbst Druck, weil ich das Ergebnis nicht beeinflussen kann. Es bringt nichts, wenn ich mich in die Ecke setze und denke: Hoffentlich wird das wundervoll. Wenn ich so denke, hat das nur einen Grund: Eitelkeit. Es geht aber nicht um mich, sondern um die Serie. Bis sie startet, kann ich alles dafür tun, dass möglichst viele Menschen wissen, dass sie kommt. Wenn die Zuschauer wissen, dass die Serie da ist, entscheiden sie, ob sie einschalten. Wenn nicht, ist es schade. Dann ist die Zeit vielleicht nicht dafür da, bestimmte Dinge zu erzählen.

Was war Ihnen für das Comeback wichtig? Was durfte nicht fehlen?

Duryn: Ich habe die Figur nie wirklich verlassen, Stefan Vollmer ist immer da. Er ist eine Kunstfigur, aber ein sehr lebendiger, vollwertiger Mensch. Für mich war vor allem die Tasche wichtig. Ich habe von Anfang an gesagt: Es gibt bestimmte Bewegungen, die dieser Typ draufhat. Wenn wir diese Motorik einmal gedreht haben, wenn ich sie einmal gelaufen bin, gibt es physisch keine Probleme mehr. Stefan Vollmer macht die Dinge vor allem auf den Punkt. Wenn er eine Tasche wirft, landet sie auch da, wo sie landen soll. Bei mir kann es passieren, dass sie zu weit rutscht und vom Tisch fällt (lacht). Wir hatten gleich am ersten oder zweiten Drehtag so einen Moment: Er kommt über den Schulhof und legt die Tasche über die Schulter. Genau dieser Schwung. Da dachte ich: Yes. Die Tasche muss einmal fliegen, dann sind wir wieder drin. Wichtig war auch das Wiedersehen mit den Lehrern am Kepler-Gymnasium, das Didaktiktraining vor den Klassen, der Austausch mit dem Chemielehrer: Welche Formel kann ich wirklich anbringen? Wie kann ich das Experiment so machen, dass es cool ist?

Lernt man bei der Rückkehr auch andere Seiten von Stefan Vollmer kennen?

Duryn: Das Schöne ist: Er entwickelt sich, bleibt aber im Kern derselbe. Es gibt viele Spin-offs und Serien, in denen man Hauptfiguren erst einmal ein Trauma verpasst – Burn-out, große Verluste oder irgendetwas, woran sie zwei Episoden lang knabbern müssen. Das trifft auf ihn nicht zu. Er hat einfach weitergelebt. Eigentlich kommt nicht er zurück, sondern die Zuschauer kommen wieder zu ihm. Natürlich ist er inzwischen seit zwölf Jahren alleinerziehender Vater, das macht etwas mit einem. Es kommen Themen auf wie die Begegnung eines Vaters mit der ersten Periode seiner Tochter. Das ist uns irgendwann eingefallen, und wir dachten: Na klar, logisch, das passt sehr in die heutige Zeit. Und natürlich wollten wir ihn in Situationen bringen, in denen er Mist bauen kann. Das ist uns gelungen (lacht).

In den neuen Folgen werden auch Themen wie Einsamkeit, Leistungsdruck oder Angstzustände angesprochen. Welches Thema war Ihnen besonders wichtig?

Duryn: Episode eins war mir besonders wichtig. Ich wollte, dass wir gleich zu Beginn einen Aufschlag haben, bei dem Schüler, aber auch Lehrer ihre Perspektive auf Schule wechseln. Denn es gibt nicht nur eine Schulpflicht für Schüler, sondern auch eine Lehrpflicht des Staates. Wenn Schüler den Spieß umdrehen und sagen: Moment, das steht mir zu. Ihr tut so, als hättet ihr mir Unterricht gegeben, aber 50 Prozent sind ausgefallen. Das lasse ich mir nicht gefallen. Ich streike so lange, bis ich meine Lohnerhöhung bekomme – also meinen Unterricht.

In den neuen Folgen ist ein frischer Cast dabei. Wie war die Zusammenarbeit mit den Jungschauspielern?

Duryn: Viele kommen von Theater- oder Schauspielschulen und sind teilweise professioneller als gleichaltrige Kollegen. Da war ich baff, aber sehr froh. Über junge Menschen wird ja allgemein oft schlecht gesprochen. Ich durfte feststellen: Alle jungen Schauspieler, die dabei waren, waren vorbereitet. Niemand stand mit einem Textzettel am Set. Bei mir gab es früher schon immer eine klare Ansage: Wenn wir proben, wird nicht abgelesen. Beim Drehen wirst du auch nicht auf den Zettel gucken, sondern jemanden anschauen und mit deiner ganzen Physis agieren. Das war diesmal von vornherein klar. Ich musste keine Ansage machen. Für uns als Kreatoren, für Regie, Kamera und mich als Showrunner, war das sehr angenehm. Wir hatten weniger Zeit, weil überall gespart wird. Deshalb mussten Fokus und Konzentration auf den Punkt stimmen.

Haben Sie beim Drehen jemanden vermisst?

Duryn: Ich habe die Arbeit mit Jessica Ginkel in den 2010er-Jahren unglaublich gemocht. Wir haben uns sehr schnell gefunden. Sie hatte richtig Lust, in die Figur einzusteigen und zu lernen. Weil ich mitgeschrieben habe, war ich immer ein paar Schritte voraus. Wir haben uns oft abends getroffen und Szenen für die nächsten Tage und Wochen vorbereitet. Wir haben wie im Theater im Vorfeld Varianten ausprobiert und kamen sehr gut präpariert ans Set. Das war Luxusarbeit. Gefühlt haben wir 70, 80 Stunden pro Woche gearbeitet, aber das hat nicht ausgelaugt, sondern stimuliert. Das war sehr schön – bis sie wegen der Kinder ausgestiegen ist, was ich total verstanden habe.

Sie spielen die Rolle schon lange. Was waren die schönsten Reaktionen, die Sie bisher erlebt haben?

Duryn: Als wir noch in Köln-Worringen gedreht haben, standen mindestens zweimal pro Woche junge Menschen aus ganz Deutschland vor unserer Drehschule. Meistens passierte das in meiner Mittagspause. Dann bekam ich zwar nichts zu essen, aber ich bekam viel mehr: die Geschichten dieser jungen Menschen. Es ging nicht nur um Selfies, Fotos oder Videobotschaften an die Mutter. Sie haben mir erzählt, was die Serie für sie bedeutet. Damit haben sie mir klargemacht, dass sie Teil dieser „Lehrer“-Familie sind. Bei ihnen kam genau das an, was wir wollten: dass sie sich selbst ins Zentrum ihres Lebens stellen. Nicht die Serie stand im Mittelpunkt, sondern sie haben an der Serie gemerkt, wie wichtig sie selbst für ihr eigenes Leben sind. Das waren Momente, in denen ich kurz vorm Heulen war. Da weiß man: Wir haben alles richtig gemacht.

(jom/spot)

Bild: Hendrik Duryn ist wieder „Der Lehrer“. / Quelle: RTL / Steffen Junghans