Ob auf dem Schulhof mit improvisierten Regeln oder im Keller bei Freunden: Tischtennis ist eine der Sportarten, die fast jedes Kind schon einmal gespielt hat. Doch aktuell erlebt das Ballspiel wieder einen Hype – befeuert durch Social Media, neue urbane Spielkonzepte und auch Popkultur-Impulse wie den Film „Marty Supreme“.
Auch die Zahlen sprechen dafür: Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) verzeichnet ein leichtes Wachstum. Rund 542.000 Menschen sind in deutschen Vereinen organisiert, das entspricht einem Plus von etwa 2,8 Prozent im Jahr 2025 und damit dem dritten Wachstumsjahr in Folge.
Ein Grund für die Beliebtheit dürfte auch sein, wie niedrigschwellig der Sport ist: Eine Platte, zwei Schläger, ein Ball – mehr braucht es nicht. Tischtennis lässt sich spontan spielen, kostet wenig und funktioniert fast überall, drinnen wie draußen. Genau diese Zugänglichkeit macht den Sport für viele Altersgruppen attraktiv.
Dabei ist Tischtennis mehr als ein lockeres Freizeitspiel: Aus sportmedizinischer Sicht ist es sogar ein überraschend umfassendes Training. „Tischtennis ist ein Ausdauersport, bei dem unsere gesamte Muskulatur trainiert wird – insbesondere die der Oberschenkel, der Arm-, Schulter-, Gesäß- sowie Rumpfmuskulatur“, sagt Sportmediziner Dr. Bastian Marquaß im Interview mit spot on news. Auch wenn die Bewegungen klein wirken, arbeitet der ganze Körper kontinuierlich mit.
Ein Sport für Reaktion und Präzision
Im Mittelpunkt steht beim Tischtennis nicht rohe Kraft, sondern Reaktionsfähigkeit und Koordination. „Beim Tischtennis kommt es auf Beweglichkeit, Schnelligkeit sowie Reaktions- und Orientierungsfähigkeit an“, so Marquaß. „Aber auch koordinative Fähigkeiten sind gefragt, also die perfekte zeitliche und räumliche Abstimmung der Bewegungen von Beinen, Armen, Hand und Schläger.“ Besonders entscheidend sei die Auge-Hand-Koordination, die durch das schnelle Spiel permanent geschult werde.
Der Sport wirkt jedoch nicht nur auf Muskeln und Reflexe, sondern auch auf das Gehirn. „Tischtennis ist ein gutes ‚Gehirn-Jogging‘. Es stimuliert den Hippocampus – einen für Erinnerungs- und Lernprozesse wesentlichen Teil unseres Gehirns – und fördert Konzentration und Koordination“, sagt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Der Experte verweist auch auf mögliche langfristige Effekte: „Neue Forschungen zeigen, dass Tischtennis den neuronalen Abbau und somit sogar den Krankheitsverlauf von Alzheimer- und Parkinson-Patienten verzögern kann.“ Zudem sei das Verletzungsrisiko vergleichsweise gering, da kein Körperkontakt stattfindet.
Auch lockeres Spielen bringt Effekte
Selbst wer nur gelegentlich spielt, profitiert gesundheitlich. „Auch das gemächlichere Spiel kann Herz- und Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirken, den Stoffwechsel ankurbeln und unsere gesamte Muskulatur stärken“, sagt Marquaß. Wichtig sei jedoch ein kontrollierter Einstieg: „Nicht vergessen sollte man stets die Aufwärmphase vor dem Match, insbesondere des Schulterbereichs. Zudem sollten vor allem Anfänger darauf achten, dass sie es nicht übertreiben.“
Ein klassisches Training ersetzt Tischtennis zwar nicht, es sei aber eine effiziente Ergänzung sowie eine Alternative für diejenigen, die kaum Sport machen. Neben den körperlichen Effekten hebt Marquaß auch den sozialen Aspekt hervor: „Am Ende fördert es auch die soziale Interaktion durch Kommunikation mit dem Gegner und zwingt einen, sich auch mal mit Niederlagen auseinanderzusetzen.“
Der Experte: Privatdozent Dr. Bastian Marquaß ist Sportmediziner und leitender Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezielle Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Seine Behandlungsschwerpunkte sind Sportmedizin, Knie-, sowie Schulter- und Ellenbogenschmerzen.
(ncz/spot)
Bild: Tischtennis erlebt seit einiger Zeit einen neuen Hype. / Quelle: Sinenkiy/iStock via Getty Images