Es gibt Fußballfilme, die vor allem Tore, Taktik und Triumphe feiern. Und es gibt Filme wie „Ein Sommer in Italien – WM 1990“, die spürbar machen wollen, warum ein Turnier Jahrzehnte später noch immer nachhallt. Ab 15. Mai ist die Sky Original Doku bei Sky zu sehen – und damit rechtzeitig vor der WM 2026, wenn Fußball-Deutschland wieder auf ein großes Turnier blickt.
Die Dokumentation über den WM-Sommer 1990 setzt nicht nur auf die großen – und weitgehend bekannten – Bilder des Titelgewinns, sondern vor allem auf Stimmungen, Erinnerungen und Augenblicke, die über den Sport hinausgehen. Gerade darin liegt der Reiz des Films, der bereits im März in den Kinos auf positive Resonanz stieß: „Ein Sommer in Italien“ erzählt natürlich keine neue Geschichte über den Ausgang dieses Turniers – aber eine, die vielen Szenen noch einmal eine neue emotionale Stärke gibt.
Die Weltmeister nicht nur als Denkmalfiguren
Eine der spannendsten Fragen bei solchen Sport-Dokus ist immer, wie nah sie ihren Hauptfiguren wirklich kommen. Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Andreas Brehme oder auch Franz Beckenbauer stehen für einen der größten Erfolge der deutschen Fußballgeschichte. In „Ein Sommer in Italien“ erscheinen sie aber nicht nur als ferne Denkmalfiguren, sondern als Teil einer Mannschaft, deren Zusammenhalt damals zum Mythos wurde.
Genau diese Nähe macht den Stoff bis heute interessant. Die Namen sind vertraut, die Bilder ikonisch, der Ausgang bekannt. Doch die Doku zeigt vor allem, was zwischen den großen Fußballmomenten passierte: im Teamquartier, an den Tagen am Comer See, in den lockeren Szenen rund um die Mannschaft. Dort, abseits des Rasens, entsteht oft das Bild einer Gruppe junger Männer unterschiedlichster Charaktere, die in diesem Sommer eine besondere Dynamik entwickelte und am Ende gemeinsam den größtmöglichen Triumph im Weltfußball feiern konnte.
Wenn die bekannten WM-Bilder neue Wucht bekommen
„Ein Sommer in Italien“ spart natürlich die ikonischen Momente des Turniers nicht aus. Die hitzigen Duelle, die Dramatik der K.-o.-Phase und die Zuspitzung bis zum Finale gehören fest zu diesem Stoff. Vor allem der Vorfall um Rudi Völler und die Spuck-Attacke von Frank Rijkaard im Achtelfinale gegen die Niederlande wirkt auch mehr als 35 Jahre später noch nach. Und wenn am Ende alles auf Andreas Brehme und den entscheidenden Moment von Rom zuläuft, bekommen selbst oft erzählte Szenen noch einmal neue Kraft. Man sieht nicht nur Sportgeschichte, sondern spürt, was in dieser Mannschaft damals emotional in Bewegung war.
Natürlich weiß jeder, wie diese Erzählung endet: mit Andreas Brehmes Elfmeter, Lothar Matthäus mit dem Pokal, Franz Beckenbauer alleine auf dem Platz im Olympiastadion von Rom. Doch darum geht es nicht. „Ein Sommer in Italien“ legt den Fokus auf die vielen kleinen Szenen dazwischen. Was hat Teamchef Franz Beckenbauer mit Spielern gemacht, die abends zu spät ins Hotel zurückgekommen sind? Wie ging er mit den Ersatzspielern um, die keine Einsatzzeit bekamen? Die Sky Original Doku erzählt logischerweise keine neue Geschichte, setzt aber dadurch andere Akzente – auch für ein jüngeres Publikum, das die WM 1990 nicht selbst erlebt hat.
(dr/spot)
Bild: Lothar Matthäus in der Sky-Doku „Ein Sommer in Italien“ am Ort des Triumphes: im Stadio Olimpico di Roma. / Quelle: Sky