Anke Engelke (60) und Bastian Pastewka (54) verbindet eine der bemerkenswertesten Freundschaften im deutschen Showbusiness. Seit Jahrzehnten stehen sie gemeinsam vor der Kamera und sorgen mit immer wieder neuen Rollen für Lacher. Dass aus dieser langen Verbindung bislang noch nie ein gemeinsames Synchronprojekt entstanden ist, mag man bei den Traum-Duo kaum glauben. Doch damit ist es jetzt vorbei: Für den Film „Glennkill – Ein Schafskrimi“ mit Hollywoodstar Hugh Jackman als schrulliger Schäfer in der Hauptrolle, der am 14. Mai in die Kinos kommt, standen die beiden erstmals gemeinsam hinter dem Mikrofon.
Engelke leiht in der deutschen Synchronisation dem Schaf Lily ihre Stimme, Pastewka dem Schaf Mopple. Im Interview mit spot on news sprechen die beiden Schauspieler über die Herausforderungen der Synchronarbeit, den Wohlfühlkrimi mit ernstem Kern – und darüber, was ihre eigene Freundschaft mit der engen Verbindung ihrer Schaf-Alter-Egos verbindet.
Was war Ihr erster Gedanke, als Sie gehört haben: Sie sollen ein ermittelndes Schaf sprechen?
Bastian Pastewka: Das fanden wir erst mal aufregend. Wir sind Schafsermittler, wie schön! Wir bekamen die Anfragen getrennt voneinander, aber es stand mit drin, es wäre schön, wenn der beziehungsweise die jeweils andere auch dabei wäre. Es war das erste Mal, dass wir gemeinsam für ein Synchronprojekt angefragt wurden.
Anke Engelke: Wir haben schon sehr früh das englische Original sehen dürfen, natürlich mit allerlei Sicherheitsauflagen, so richtig mit Wasserzeichen und allem Pipapo, es hätte also anstrengend werden können – aber der Film ist so spannend, lustig und emotional, da war das Drumherum sofort vergessen, denn er entwickelt schnell einen unglaublichen Sog. Wir waren beide sofort begeistert. Man weiß aber bei der Zusage auch sofort, was für eine Arbeit da angerollt kommt: Das Synchronisieren halte ich für die schwerste Disziplin innerhalb unseres Schauspielberufs. Die englischen Originalstimmen sind von Julia Louis-Dreyfus und Chris O’Dowd. Sie haben den Text in einem Tonstudio quasi gespielt und eingelesen und daraufhin wurden die Schafe erst animiert. Wir dagegen haben synchronisiert, waren also formal eingeschränkt, und haben große Freude und sportlichen Ehrgeiz entwickelt, die Schafe im Deutschen mit unseren Stimmen und unserem Spiel so zu beleben, dass es homogen aussieht.
Wie schmal ist da die Gratwanderung, dass nicht zu viel Pastewka und Engelke in die Schafe wandert?
Pastewka: Das ist genau das Entscheidende. Im Synchronstudio sind Leute, die sich im Gegensatz zu mir vorbereitet haben, die das Buch geschrieben haben. Hinter der Scheibe ist jemand, der sich was denkt bei der Auswahl sämtlicher Teilnehmenden. Natürlich ist es vollkommen unangebracht, irgendeinen aktuellen Comedy-Charakter unterzubringen, die große Bastian-Pastewka-Show zu machen. Das würden wir auch niemals tun. Wir sind ja nicht doof – obwohl, ich bin hin und wieder doof.
Engelke: Ja doch, ich bin auch ein bisschen doof.
Pastewka: Aber im Ernst, die Idee ist: Was macht die Figur im Original? Chris O’Dowd und ich haben zwei unterschiedliche Stimmen. Ich kann aber nicht raus aus meiner Figur Mopple. Als Synchronsprecher muss ich wie ein Musiker manchmal mit dem richtigen Finger im richtigen Moment auf die richtige Taste drücken. Und dann geht es aber auch ganz flott, wenn man einen guten Tag und eine gute Regie und ein gutes Buch hat. Das hatten wir glücklicherweise.
Sie haben schon so viele Tiere synchronisiert, jetzt sind es zum ersten Mal Schafe. In welches Tier können Sie sich denn am besten hineinversetzen?
Pastewka: Wir sind ja keine professionellen Synchronspielenden. Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die tagtäglich irgendwelche Figuren, Serien und Filme synchronisieren. Wir können nur Tiere offenbar, denn meistens werden wir für lustige Animationsfilme gefragt. Anke war zum Beispiel Dorie in den „Findet Nemo“-Filmen, ich war die Giraffe bei „Madagascar“ und so weiter. Die schönsten Tiere sind die, die am lustigsten sind. Da ist es egal, ob sie groß oder klein sind, viel Fell haben oder wenig. Diese vermenschlichten Tiere haben eine Art von Charakter und das muss mit einer stimmlichen Entsprechung zu tun haben. Und da hoffe ich, dass wir die mitbringen.
Frau Engelke, für Sie ist Freundschaft die Essenz von „Glennkill“. Erkennen Sie in der Schaf-Freundschaft von Lily und Mopple etwas wieder, das auch Ihre eigene Verbindung zu Herrn Pastewka ausmacht?
Engelke: Da gibt es auf jeden Fall Parallelen zu Bastian und mir, hier und da erinnern mich Lily und Mopple schon sehr an uns: Sie sind sehr vertraut miteinander, sie teilen ihre Gedanken und Ängste. Das ist für eine Freundschaft essenziell, finde ich, dass man sich nicht geniert, eine Angst oder Bedenken zu äußern oder auch mal Inkompetenz. Ich finde es total gut, dass man einander nicht immer nur die eigene Sonnenseite zeigt, sondern auch die Schattenseite. Freundschaft ist so ein großes Wort, aber ich hoffe, dass Menschen den Film schauen und hinterher miteinander erkennen: Freundschaft ist unterbewertet. Dass wir alle noch mal ein bisschen besser hingucken und fragen, wie wir mit Freunden und Freundinnen umgehen. Bin ich eine gute Freundin oder ein guter Freund?
(eyn/spot)
Bild: Anke Engelke und Bastian Pastewka sind in „Glennkill – Ein Schafskrimi“ erstmals gemeinsam in einem Synchronprojekt zu hören. / Quelle: Sebastian Reuter/Getty Images for Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH