Jahre vergehen, doch der Schmerz bleibt. Und manchmal auch die Wut. Davon erzählt der neue Frankfurter „Tatort: Fackel“, der am Sonntag, 22. März, Landtagswahl-bedingt um 20:20 Uhr im Ersten läuft. Von Menschen, die nach einer Katastrophe nicht loslassen können, weil die Verantwortungsfrage bis heute nicht geklärt ist.
Darum geht’s im „Tatort: Fackel“
Im Mittelpunkt steht ein Hochhausbrand mit 13 Toten, der Jahre zurückliegt und dessen Ursache bis heute ungeklärt ist. Der Verdacht steht im Raum, dass vorschriftswidrig verbautes billiges Dämmmaterial das Feuer begünstigt hat. Ein Untersuchungsausschuss soll die Verantwortlichen benennen, droht aber ergebnislos zu enden. Für Almila (Seyneb Saleh), die in den Flammen ihre Mutter verloren hat, ist das keine abstrakte Frage nach Zuständigkeiten. Es ist ihr Leben.
Almila bittet ihren Ex-Freund Hamza Kulina (Edin Hasanovic) um Hilfe – und damit nimmt der dritte Fall des Frankfurter Ermittler-Duos Fahrt auf. Kulina und seine Kollegin Maryam Azadi (Melika Foroutan) beginnen zu ermitteln und stoßen schnell auf einen weiteren mysteriösen Todesfall sowie auf den Geschäftsführer eines Baustoffkonzerns (Stephan Luca), der beste Verbindungen in die Politik unterhält. Je tiefer die beiden graben, desto gefährlicher wird es – nicht nur für die Ermittlungen, sondern auch für Azadi und Kulina selbst…
Lohnt sich das Einschalten beim „Tatort: Fackel“?
Ja. Die Drehbuchautoren Sebastian Heeg und Tom Schilling – bekannt als Hauptdarsteller in „Werk ohne Autor“ oder „Achtsam Morden“ – haben sich ein sehr interessantes und passendes Thema für eine Hochhausmetropole wie Frankfurt am Main herausgegriffen. Und Regisseur Rick Ostermann, der bereits den zweiten Frankfurt-Fall „Licht“ (November 2025) inszeniert hat, setzt „Fackel“ unmittelbar, körperlich und politisch um. „Das zentrale erzählerische Mittel ist die enge, subjektive Bindung des Politthrillers an Hamza“, erklärt Ostermann dem Sender dazu – die ist allerdings auch der kleine Minuspunkt, denn die private Verbindung zwischen dem Ermittler und der Opfervertreterin wirkt etwas konstruiert.
Die inhaltliche Inspiration für „Fackel“ lieferte eine reale Tragödie: Der Film lehnt sich an den verheerenden Brand im Londoner Grenfell Tower im Jahr 2017 an, bei dem 72 Menschen ums Leben kamen. Ostermann betont: „Uns ging es um die emotionalen und gesellschaftlichen Dimensionen solcher Katastrophen – die Fragen nach Verantwortung, Versäumnissen, Verdrängung und den Folgen für die Betroffenen.“
Im dritten „Tatort“ des neuen Cold‑Case‑Ermittlerteams, dessen Auftaktkrimi „Dunkelheit“ (Oktober 2025) just mit dem Grimme-Preis in der Kategorie „Fiktion“ ausgezeichnet wurde, können Melika Foroutan (49) als Maryam Azadi und Edin Hasanovic (33) als Hamza Kulina erneut überzeugen. Bemerkenswert ist zudem, dass fachliche Begriffe und Zusammenhänge aus der Baustoffbranche so langsam erklärt werden, dass es auch der unbeleckte Zuschauer – was die meisten sein werden – versteht.
Wie es nach „Fackel“ für dieses spannende Frankfurter Team weitergeht, ist bis dato noch nicht bekannt. Da es aber längerfristig aufgebaut werden soll, ist mit weiteren Folgen zu rechnen.
(ili/spot)
Bild: „Tatort: Fackel“: Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) ermitteln Jahre nach einem fatalen Hochhausbrand in Frankfurt am Main. / Quelle: HR/ARD Degeto Film/Sommerhaus/Philipp Sichler