„Ein fester Stuhl im Löwen-Rudel? Das wäre natürlich ein Traum“, erklären Anne und Stefan Lemcke. Die Gründer von Ankerkraut kehren in der aktuellen „Die Höhle der Löwen“-Folge (9. März, 20:15 Uhr, VOX) zum zweiten Mal als Gastlöwen zurück. Das Ehepaar stand vor zehn Jahren selbst als Gründer vor dem Löwen-Rudel. Mit ihrem Unternehmen sicherten sich damals einen Deal mit Frank Thelen, der für 300.000 Euro 20 Prozent der Anteile erwarb.
Im April 2022 übernahm Nestlé die Mehrheit an Ankerkraut. Anne und Stefan Lemcke sind längst Multimillionäre und seit einigen Jahren fester Bestandteil der deutschen Investmentszene. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news blicken sie auf ihren Pitch von damals zurück, sprechen über Luxus, den sie sich heute gönnen, und geben Tipps für Gründerinnen und Gründer.
Ihr Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ ist jetzt zehn Jahre her. Wie blicken Sie heute auf Ihren Pitch zurück?
Anne Lemcke: Der Tag unseres Pitches bei „Die Höhle der Löwen“ gehört bis heute zu den aufregendsten Momenten unseres Lebens. Wir erinnern uns sehr gern daran zurück. Natürlich waren wir wahnsinnig nervös – aber sobald wir vor den Löwen standen und die ersten Sätze gesprochen hatten, fiel die Anspannung von uns ab. Ab da konnten wir den Moment sogar genießen. Als wir schließlich den Deal mit Frank Thelen gemacht haben, hat sich die gesamte Anspannung der Wochen zuvor gelöst – wir waren einfach nur glücklich.
Wären Sie heute da, wo Sie jetzt sind, wenn Sie damals nicht bei „Die Höhle der Löwen“ aufgetreten wären?
Stefan Lemcke: Ankerkraut stand auch vor unserem Auftritt wirtschaftlich schon sehr gut da – wir haben bereits Millionenumsätze erzielt und waren profitabel. Der mediale Rückenwind durch die Sendung war jedoch enorm. Und auch die Unterstützung von Frank und seinem Team hat uns strategisch deutlich vorangebracht. Wir sind überzeugt: Ankerkraut hätte es auch ohne die Sendung geschafft – aber das Wachstum wäre sicher langsamer verlaufen.
Im April 2022 hat der Lebensmittelkonzern Nestlé die Mehrheit an Ankerkraut übernommen. Haben Sie diesen Schritt jemals bereut?
Stefan: Wenn man sich mit Venture-Capital-Investoren wie Frank Thelen zusammenschließt, ist ein Exit langfristig Teil des Modells – das ist im Grunde von Anfang an mitgedacht, auch wenn das vielen nicht bewusst ist. Insofern stellt sich die Frage nach dem „Ob“ weniger als die nach dem „Wann“. Ein Verkauf gehört zu dieser Art von Partnerschaft dazu.
Was war Ihr größter Luxus, den Sie sich nach diesem Millionen-Deal gegönnt haben?
Anne: Materieller Luxus reizt uns wenig – teure Uhren oder Handtaschen waren nie unser Ziel. Was wir uns allerdings gönnen, ist Zeit mit der Familie und gemeinsame Erlebnisse. Wir reisen viel, entdecken die Welt und zeigen sie unseren Kindern. Diese Erinnerungen sind für uns der größte Luxus.
Wie viel Einfluss haben Sie heute noch auf Ankerkraut – und wie schwer ist es, loszulassen?
Anne: Wir halten heute nur noch wenige Anteile und haben entsprechend keinen operativen Einfluss mehr. Dennoch stehen wir dem Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite, wenn wir gebraucht werden. Das Loslassen war natürlich nicht leicht – Ankerkraut war unser „Baby“. Auch wenn es inzwischen längst erwachsen geworden ist, bleibt es immer ein Teil von uns.
Seit einigen Jahren sind Sie fester Bestandteil der deutschen Investmentszene und haben bereits über 25 direkte Investments in Start-ups getätigt. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob Sie investieren?
Stefan: Viele Investoren schauen in erster Linie auf Kennzahlen wie den „Total Addressable Market“. Für uns stehen vor allem zwei Dinge im Mittelpunkt: die Gründerpersönlichkeiten und die Idee. Schafft das Produkt echten Mehrwert? Haben die Gründer eine klare Vision? Und vor allem: Möchten wir mit diesen Menschen zusammenarbeiten? Die zwischenmenschliche Ebene ist für uns genauso entscheidend wie das Geschäftsmodell.
Vor allem im Bereich Food/Genuss ist der Wettbewerb brutal. Was muss ein Produkt heute mitbringen, um Regal und Warenkorb zu gewinnen?
Anne: Eine starke Marke entsteht immer aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Das Produkt muss ein echtes Bedürfnis erfüllen oder ein Problem besser lösen als andere. Die Marke braucht eine klare Haltung und eine Geschichte. Und natürlich muss der Preis zur Qualität passen. Wichtig ist außerdem eine kluge Multichannel-Strategie: Wer heute erfolgreich sein will, sollte nicht nur online oder nur im stationären Handel präsent sein, sondern möglichst viele relevante Vertriebskanäle bespielen.
Welche Tipps haben Sie für Gründer, die gerade erst ins Business starten?
Stefan: Seid fleißig und bleibt demütig. Niemand ist schlauer als der Markt. Behandelt Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden fair – langfristiger Erfolg basiert auf Vertrauen. Entwickelt ein Produkt oder eine Dienstleistung mit echtem Mehrwert. Bleibt neugierig und verbessert euch kontinuierlich. Nutzt moderne Technologien wie künstliche Intelligenz, um Prozesse effizienter zu gestalten. Und sucht euch Investoren, die nicht nur Kapital, sondern auch Erfahrung und Netzwerk mitbringen.
Sie sind bereits zum zweiten Mal als Gastlöwen dabei. Würde Sie auch ein Dauerplatz im Löwen-Rudel reizen?
Anne: Die Rolle als Gastlöwen macht uns unglaublich viel Spaß. Die Fernsehwelt ist faszinierend – und auch hinter den Kulissen arbeiten großartige Menschen. Wenn wir erneut eingeladen würden, wären wir sofort wieder dabei. Ein fester Stuhl im Löwen-Rudel? Das wäre natürlich ein Traum.
Gibt es jemanden aus dem Löwen-Team, mit dem Sie besonders gern investieren würden?
Stefan: Ohne alle Zahlen im Detail zu kennen, würden wir sagen, dass Frank Thelen einen beeindruckenden Track Record hat. Wir schätzen seine Art zu investieren und seine schonungslose Offenheit – sie hat auch bei Ankerkraut viel Positives bewirkt. Grundsätzlich investieren wir gern mit unterschiedlichen Partnern, aber durch die lange gemeinsame Geschichte verbindet uns mit Frank natürlich eine besondere Nähe.
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Bild: Mit Frank Thelen (l.) verbinden Anne und Stefan Lemcke eine Erfolgsgeschichte. / Quelle: RTL / Bernd-Michael Maurer