Runde zwei in der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ (montags, 20:15 Uhr, VOX oder vorab auf RTL+): Als Erste treten die besten Freunde Till Soll (31) und Lukas Jordan (34) aus Hamburg vor die Löwen. Mit ihrem Start-up „Hansegrün“ wollen sie die Investoren „gesund und fit machen“. Ihre Superfoods in Pulverform, aus denen sich zu Hause Shots anmischen lassen, vermarkten sie als „Shot-Revolution“ – und fordern dafür 350.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.

„Kein Schnäppchen“, bemerkt Dagmar Wöhrl (71) trocken. Die Familienunternehmerin investiert bereits in eine andere Firma, die sehr ähnliche gesunde Shots herstellt und ist direkt raus. Auch Carsten Maschmeyer (66) mag zwar die Shots, ist jedoch nicht an einer Investition interessiert.

Superfood in Pulverform

Tech-Investor Frank Thelen (50) will wissen, warum „Hansegrün“ eine so hohe Investition wert sei. „Wir haben im letzten Jahr knapp 1,7 Millionen Euro Umsatz erzielt“, entgegnen die Jungunternehmer. Jetzt werden die verbleibenden Löwen hellhörig. „Ich hätte echt Spaß, das mit euch aufzubauen“, so Thelen – er will aber nicht 10, sondern 20 Prozent Firmenanteile. Auch Beauty-Investorin Judith Williams (54) ist interessiert, sie will sogar 25 Prozent. Handelsprofi Ralf Dümmel (59) ist ebenfalls interessiert. Er fordert 20 Prozent.

Nachdem sich Till und Lukas mit ihrer einzigen Vollzeitmitarbeiterin am Telefon beraten, entscheiden sie sich für ein Kombiangebot der Löwen Williams und Thelen. Nach einigem Hin und Her einigen sich beide Seiten auf 20 Prozent Firmenanteile. „Das waren unsere Wunsch-Löwen“, jubeln die Superfood-Macher.

Urinstrahl-Messer mit Tücken

Urologe Dr. Stefan Siemer (60) und die beiden Unternehmer Sebastian Heidrich (44) und Sebastian Janus (37) haben ein Gerät für die urologische Früherkennung zu Hause entwickelt. Sie wollen dem Problem entgegenwirken, dass nur 20 Prozent der Männer regelmäßig zur Vorsorge gehen – obwohl Prostatabeschwerden viele betreffen und statistisch etwa jeder zweite Mann im Laufe seines Lebens damit zu tun hat.

Das Gerät klingt vielversprechend. Der Mann uriniert zu Hause in einen Becher, der nicht nur die Stärke des Harnstrahls, sondern auch Werte im Urin misst, die rechtzeitig auf Krankheitsrisiken wie Krebs, Diabetes oder Nierenerkrankungen hinweisen. Bei Auffälligkeiten schickt das Gerät den Mann zum Urologen.

Die Löwen sind zwar von der Innovation begeistert, sehen aber Probleme. „Vorsorge lässt sich leider nur sehr schwer verkaufen“, so Thelen. Außerdem glaubt niemand daran, dass Männer, die sich vor dem Arztbesuch scheuen, ein Gerät zum Preis von knapp 200 Euro kaufen. Die gefragte eine Million Euro will niemand investieren.

Gin aus der Pipette

Die vierfachen Eltern Yuka Suzuki (52) und Dr. Hauke Günther (46) sind zweifache Gin-Weltmeister und produzieren in einer Hamburger Mikro-Distillerie erfolgreich Gin. Ihre neue Idee: Das Paar kreierte eine Gin- und eine Rum-Essenz, die via Pipette in den Drink gegeben wird und fast keinen Alkohol mehr enthält. Die Drinks zum Probieren kommen an. „Das schmeckt fantastisch“, findet Judith Williams zum fast alkoholfreien Gin Tonic. Auch Janna Ensthaler (42) ist begeistert: „Das schmeckt zu 90 Prozent wie ein Gin Tonic“. Dagmar Wöhrl: „Das Produkt kriegt zehn Punkte!“

Die Männer sind skeptischer: Ralf Dümmel trinkt keinen Alkohol, lehnt das Probieren dankend ab und ist auch als Investor raus. Genauso wie Carsten Maschmeyer, der sich an eine jugendliche Alkohol-Eskapade erinnert und darum nicht in ein Gin-Start-up investieren will.

Das Paar will 120.000 Euro, um seine fast alkoholfreien Extrakte zu vermarkten, und geben dafür 10 Prozent der gesamten Firma ab. Der Knackpunkt: Niemand will in Alkohol investieren. Dagmar Wöhrl und Judith Williams sind raus. Janna Ensthaler jedoch erklärt: „Am Gesamt-Business will ich mich nicht beteiligen. Alkohol ist eine Gesellschaftsdroge, von der wir besser ein Stück weit wegkommen.“ An den Alkoholessenzen jedoch ist sie interessiert. Darum verhandelt sie neu mit Yuka und Hauke. Ihre Investition von 120.000 Euro soll nur für die Essenzen, nicht für die herkömmlichen Spirituosen verwendet werden, dafür nimmt sie 30 Prozent Anteile dieses Teils der Firma. Die drei schlagen ein.

Nasenhaare mit Herzblut

Als Nächstes pitcht der 26-jährige Vincent Samuel Kirchberger-Puechlong – kurz Sam. Der in Dubai lebende Deutsche entwickelte eine neuartige Lösung zur schmerzfreien Entfernung von Nasen- und Ohrenhaaren. Seine Smartwax-Sticks gleichen einem Wattestäbchen mit Wachspfropfen an einer Seite. Mit einem Haarföhn erhitzt er die Sticks für einige Sekunden, bevor er sie seinem Kollegen in die Nasenlöcher steckt. Anderthalb Minuten später zieht er die mit Härchen übersäten Sticks schmerzfrei aus der Nase. Was im TV in Großaufnahme zu sehen ist, wollen die Investoren nicht aus der Nähe sehen.

Vom Produkt und vom Start-up-Unternehmer sind die Löwen begeistert. Sam will 90.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile. Und: „Ich wünsche mir als Jungunternehmer einen Mentor und das passende Netzwerk.“ Weil das Beauty-Produkt nicht zu Tech-Investor Thelen passt, ist er raus. Genauso wie Dagmar Wöhrl: „Ich bin ein haarloser Mensch und damit raus.“ Janna Ensthaler erklärt: „Ich liebe andere Themen mehr als Nasenhaare und bin raus.“

Dass dies die Chance für Beauty-Investorin Judith Williams ist, war vorherzusehen. „Ich bin super stark im Online-Marketing und bei Beauty-Produkten. Ich bin die Richtige für dich“, preist sie sich als Investorin an. Für die 90.000 Euro will sie jedoch 20 Prozent Anteile. Das gleiche Angebot macht Ralf Dümmel. „Für dieses Produkt bin ich der absolut Richtige. Ich habe in meinem Leben so viele elektrische Nasenhaar-Rasierer verkauft.“ Sams Favorit war von Anfang an Dümmel. Als er ihm als Gegenangebot 15 Prozent Firmenanteile vorschlägt, muss der Handelsprofi nicht lange überlegen und sagt: „Ja!“

Komplizierte Physik-Lern-App

Die drei Studenten Philipp Siedhoff (18), Jost Reelsen (18) und Felix Lachtrup (18) wollen zum Ende der Sendung 225.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile an ihrer Physik Lern-App. Diese soll mithilfe von Augmented Reality komplexe Physik-Experimente digital erlebbar machen.

Schnell stellt sich heraus, dass das Start-up noch ganz am Anfang steht und sehr viel Unterstützung braucht. Der einzig interessierte Löwe ist Carsten Maschmeyer, der zuvor bereits in eine ähnliche Mathematik-App investierte. Er stellt viele Fragen, während die anderen Investoren alle abspringen. Doch auch für Maschmeyer ist das Angebot zu heikel. Sein Gegenangebot: Er will 50 Prozent der Firma. Das ist den drei Studenten zu viel. Sie verlassen „Die Höhle der Löwen“ ohne Deal.

(ero/spot)

Bild: Investorin Judith Williams nimmt gesunde Shots zum Selbermachen unter die Lupe. Auch Carsten Maschmeyer (l.) probiert. / Quelle: RTL / Stefan Gregorowius