Der Strafprozess gegen Mette-Marits (52) Sohn Marius Borg Høiby (29) findet seit zehn Tagen vor Gericht in Oslo statt, noch einen Monat lang wird er sich aller Voraussicht nach ziehen. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen könnte dem 29-Jährigen ausgerechnet der Kauf einer unscheinbaren App zum Verhängnis werden, die er in einem sehr auffälligen Zeitraum erworben haben soll.

Namentlich handele es sich Berichten norwegischer Medien nach um eine App namens „PhotoVault“, übersetzt also in etwa „Foto-Tresorraum“. Mit einem solchen Programm lassen sich Video- oder Fotoaufnahmen hinter einem zusätzlichen PIN-, Passwort- oder Fingerabdruck-Schutz verbergen. Ausgerechnet am Tag der mutmaßlichen Vergewaltigung eines der Opfer, von der Høiby auch Aufnahmen gemacht haben soll, habe er demnach ein einjähriges Premium-Abo für die Applikation gekauft.

Der zeitliche Rahmen des Abo-Abschlusses lege laut den Strafverfolgern nahe, dass Høiby sich seiner Taten sehr wohl bewusst war. So erfolgte der Kauf laut Staatsanwalt Sturla Henriksbø weniger als zwei Stunden, nachdem er Videos angefertigt hatte. Alle fünf Aufnahmen verschob er daraufhin in die App.

Diese Handlung stehe im krassen Gegensatz zu Høibys Behauptungen, er könne sich aufgrund von exzessivem Drogen- und Alkoholkonsum nicht einmal daran erinnern, die besagten Videos aufgenommen zu haben.

38 Anklagepunkte, vier Vergewaltigungsvorwürfe

Der mutmaßliche Übergriff auf den Lofoten gilt als zentraler und schwerster Anklagepunkt im gesamten Verfahren und prägt die laufende zweite Verhandlungswoche. Insgesamt umfasst die Anklage 38 Punkte, darunter vier Vorwürfe der Vergewaltigung nach norwegischem Recht. In drei Fällen soll es zu sexuellen Handlungen ohne Geschlechtsverkehr gekommen sein, in einem Fall zu Geschlechtsverkehr. Sämtliche mutmaßlichen Taten sollen sich laut Staatsanwaltschaft im Anschluss an zunächst einvernehmliche sexuelle Kontakte ereignet haben – meist nach starkem Alkoholkonsum, bei dem die betroffenen Frauen nicht mehr in der Lage gewesen sein sollen, sich zu wehren.

Bereits in der vergangenen Woche hatte ein erstes mutmaßliches Opfer vor Gericht ausgesagt. Die Frau erklärte, sie sei im Dezember 2018 nach einer Party im Keller der Residenz des Kronprinzenpaars in Oslo von Høiby vergewaltigt worden.

(stk/spot)

Bild: Marius Borg Høiby sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. / Quelle: getty/LISE ASERUD / NTB/AFP via Getty Images