Dick Brave ist zurück: Die Rock-’n‘-Roll-Kunstfigur, mit der Sasha (54) Anfang der 2000er Kultstatus erreichte, war lange von den Bühnen verschwunden. Am 23. Januar 2026 erscheint nun mit „Back for Good“ ein neues Album, begleitet von einer Clubtour durch Deutschland.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht der Musiker darüber, warum Dick Brave immer dann auftaucht, wenn Sasha selbst ins Stocken gerät, was er durch die Figur über sich gelernt hat und welches Musikprojekt ihn auch noch reizen würde.
Sie sind zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder in die Rolle des Dick Brave geschlüpft. Wie kam es dazu?
Sasha: Dick Brave springt oft ein, wenn Sasha nicht mehr so richtig weiß, was jetzt los ist. Das war schon beim ersten Mal so, da war ich sehr erschöpft – heute würde man vielleicht Burnout dazu sagen. Da kam dieses Dick-Brave-Ding zum ersten Mal auf. Das zweite Mal dann auch so nach sieben Jahren wieder. Und jetzt wieder. Es ist nicht immer der gleiche Zeitabstand dazwischen, aber es ist immer das gleiche Gefühl dazwischen.
Es ist vermutlich befreiend, eine Kunstfigur wie Dick Brave zu haben. Gibt es etwas, was Dick Brave darf, was Sie nicht dürfen?
Sasha: Alles. Auf meinem Album „Schlüsselkind“ ist ein Song drauf, der heißt „Gorilla“. Und das ist Dick Brave, er ist ein bisschen mein Gorilla. Der geht raus, wenn es auch mal tough wird.
In welchen Situationen zum Beispiel?
Sasha: Das sind Situationen des Alltags, auch des Musikeralltags. Also Dick Brave könnte zum Beispiel besser eine Laudatio halten als Sasha.
Ist Dick Brave Ihre Art von „Fake it till you make it“?
Sasha: Ich spiele eher mit den Charakteren. So unterschiedlich sind wir gar nicht – aber Dick Brave darf mehr, dem erlaube ich mehr.
Gibt es etwas, das Sie durch Dick Brave über sich gelernt haben?
Sasha: Dick Brave ist ja aus einem lustigen Weihnachtsprojekt entstanden – die Story kam später dazu, zuerst war die Musik. Ich habe dadurch tatsächlich gelernt, ein bisschen weniger nachzudenken und mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und vor allem das zu machen, was ich in dem Moment wirklich machen will.
Das war eine Art Therapie. Ich bin auf Tour gegangen, habe selber Verstärker geschleppt, Mikrofone aufgebaut und das sollte auch genauso sein. Ich habe das gemacht, damit ich wieder auf die Straße komme, damit ich wieder merke, wo es herkommt.
Was hat sich dadurch verändert?
Sasha: Ich habe meine gesamte Herangehensweise, wie ich Musik machen möchte, geändert. Ich habe danach die Leute gesucht, mit denen ich schreiben wollte, alles mehr in Eigenregie gemacht und mehr darauf gehört, was ich machen will.
Wenn Sie noch eine Kunstperson erfinden würden, in welche Richtung würde die gehen?
Sasha: Was ich mir wirklich schon seit 20 Jahren überlege, ist, ob ich nicht irgendwann mal ein Reggae-Projekt machen sollte. Das ist eine Musikrichtung, die ich seit meiner frühesten Jugend eingeatmet habe und nie wirklich ausleben konnte.
Bei Ihren Tourneen in diesem Jahr stehen Sie oft vier Abende hintereinander auf der Bühne. Wie machen Sie das mit 54 Jahren?
Sasha: Das weiß ich noch nicht. Ich habe eigentlich irgendwann mal angesagt, dass ich nur noch drei Abende am Stück mache und dann eine Pause brauche. Das ist nicht umgesetzt worden. Aber das ist Sasha. Dick Brave kann natürlich mehr.
(mia/spot)
Bild: Dick Brave ist für Sasha eine Art Therapie. / Quelle: JENS KOCH