Eine tote Studentin, eine dubiose WG, ein Nachtclub, Leistungsdruck und eine kaputte Familie. Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer, 36) und Linda Selb (Luise Wolfram, 38) bekommen es im neuen „Tatort: Wenn man nur einen retten könnte“ (25. Januar um 20:15 Uhr im Ersten) mit allerlei Baustellen zu tun. Oder besser gesagt: Nur Moormann, denn Kollegin Selb wird schon in den ersten Minuten des neuen Bremen-Falls außer Gefecht gesetzt. Stattdessen hilft Patrice Schipper (Tijan Njie, 34) vom Kriminaldauerdienst aus – und verdreht Moormann fast den Kopf.

Darum geht es im „Tatort: Wenn man nur einen retten könnte“

Eine junge Jurastudentin wird tot an einem Nachtclub gefunden, sie wurde die Treppe am Notausgang hinuntergestoßen. Kommissarin Moormann will mit Selb die Ermittlungen aufnehmen, doch Letztere wird bei der Verfolgung eines mutmaßlichen Zeugen verletzt. Deshalb muss Moormann vorerst mit „Prince“ vom KDD als Kollegen an ihrer Seite vorliebnehmen.

Gemeinsam tauchen die beiden immer tiefer in das aus den Fugen geratene Leben der 23-jährigen Anni ein. Offenbar hatte sie trotz eines wohlhabenden Hintergrunds große finanzielle Probleme. In ihrer noblen WG, in der auch ihr reicher Ex-Verlobter Hannes lebt, erfuhr sie wenig Unterstützung – kaum einer scheint ehrlich um sie zu trauern. Und dann hatte sie auch noch Probleme im Studium: Gegen den Leistungsdruck halfen auch die Drogen nichts mehr.

Ihre Mutter und ihre Schwester Betty wollen davon nichts mitbekommen haben – oder? Betty, völlig verliebt in den Besitzer eben jenes tödlichen Nachtclubs, scheint Moormann und Schipper etwas zu verheimlichen. Und was hat der Obdachlose damit zu tun, der Selb niedergeschlagen hat und einst mit Moormann auf die Schule ging?

Lohnt sich der „Tatort: Wenn man nur einen retten könnte“?

Na ja. Der ganze „Tatort: Wenn man nur einen retten könnte“ ist nicht richtig authentisch. Allem voran sind die verschiedenen Studententypen in der ungleichen Wohngemeinschaft schon sehr konstruiert. Das reiche Söhnchen, der nur aus Prestigegründen eine Beziehung eingeht, die naiv verblendete Freundin des Nachtclubbesitzers und der empathische, aber erfolglose Künstler strotzen nur so vor Klischees – ebenso die Handlungsorte wie der Club und die Nobelviertel. Dass die schauspielerische Leistung teilweise zu wünschen übrig lässt, tut da leider sein Übriges.

Dennoch hat der „Tatort“ auch positive Seiten. Immerhin sieht man Liv Moormann mal von einer anderen, beinahe flirtenden Seite. Nachdem Selb direkt ausgeschaltet wird, bleiben Konflikte mit ihr aus. Stattdessen versteht sich die sonst so kühle Ermittlerin mit ihrem KDD-Kollegen Schipper ungewöhnlich gut. Seine lockere Art sorgt immer wieder für Lacher und damit für Lichtblicke in diesem „Tatort“. Schade ist nur, dass sich aus dem leichten Flirt nichts entwickeln wird – bei Tijan Njies Figur handelt es sich um eine einmalige Episodenhauptrolle.

Sehr gelungen ist der eigens für den Film komponierte Song „Feuer über Bremen“, der die Stimmung passend einfängt. Überzeugend auch die schauspielerische Leistung von Catrin Striebeck (59) als Annis Mutter Gabriele Höpken: Ihr kauft man die Abwärtsspirale nach Insolvenz und Tod ihres Mannes, dem Mord an ihrer Tochter und dem fortschreitenden Untergang ihres zweiten Kindes völlig ab.

Man habe „mit einem empathischen, aber unbestechlichen Blick die Atemlosigkeit unserer leistungsfixierten Gegenwart“ erzählen und zudem das Ringen der Figuren um einen Platz in „dieser überreizten Welt“ zeigen wollen, erklären die Autorinnen Elisabeth Herrmann und Dr. Christine Otto. Orientiert haben sie sich dabei an dem realen Fall einer jungen Frau, die über Jahre vorgab, Jura zu studieren. Im Kern ein guter Ansatz mit einigen Glanzpunkten, der auch zum Nachdenken über Leistungsdruck in der Gesellschaft anregen kann – alles in allem aber einer der schlechteren Fälle aus Bremen.

(eyn/spot)

Bild: Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) muss im „Tatort: Wenn man nur einen retten könnte“ weitgehend auf Kollegin Selb verzichten und bekommt stattdessen Unterstützung von Patrice Schipper (Tijan Njie). / Quelle: Radio Bremen/Magdalena Stengel