Draußen herrscht klirrende Kälte, auf den Scheiben liegt Frost. Jetzt heißt es: Einmummeln und abwarten, bis der Frühling kommt? Nicht ganz. Viele unserer instinktiven Strategien gegen die Kälte – vom heißen Bad bis zum gemütlichen Glühwein – bewirken aber leider genau das Gegenteil von dem, was wir beabsichtigen. Wer gesund, warm und sicher durch die Frostperiode kommen will, sollte diese sieben typischen Winterfallen kennen.
1. Die „Heizung aus“-Taktik
Angesichts hoher Energiekosten ist die Versuchung groß, die Heizung komplett abzuschalten, wenn man das Haus verlässt. Doch das ist ein teurer Trugschluss. Wenn Wände und Möbel erst einmal komplett ausgekühlt sind, benötigt das Wiederaufheizen deutlich mehr Energie als das Halten einer moderaten Basistemperatur (ca. 16 bis 17 Grad).
Zudem droht eine unsichtbare Gefahr: Schimmel. Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit speichern als warme. Sinkt die Temperatur im Raum zu stark, schlägt sich die Feuchtigkeit an den Wänden nieder – der ideale Nährboden für Sporen.
2. Der Mythos vom wärmenden Glühwein
Es klingt so logisch: Ein heißes, alkoholisches Getränk befeuert die innere Hitze. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Alkohol wirkt gefäßerweiternd. Das Blut strömt zwar in die Extremitäten (weshalb Hände und Wangen glühen), entzieht dabei aber dem Körperkern wertvolle Wärme. Die Wärme verpufft über die Hautoberfläche, und die Körpertemperatur sinkt insgesamt schneller ab. Wer wirklich aufwärmen will, greift besser zu Ingwertee oder einer heißen Suppe.
3. Akku der Kälte schutzlos ausliefern
Schon mal gewundert, warum das Smartphone bei minus fünf Grad plötzlich von 30 Prozent auf null springt? Moderne Lithium-Ionen-Akkus basieren auf chemischen Prozessen in einer Elektrolyt-Flüssigkeit. Bei Kälte wird diese zähflüssiger, die Ionen bewegen sich langsamer und der Innenwiderstand steigt.
Tipp: Das Handy nicht in der äußeren Jackentasche tragen, sondern nah am Körper (Innentasche). Auch E-Bike-Akkus sollten bei Frost nicht am Rad im Freien bleiben, sondern mit in die Wohnung genommen werden.
4. Hitzeschock-Bad
Nach einem Winterspaziergang tiefgefroren in die kochend heiße Badewanne steigen? Klingt himmlisch, ist aber Schwerstarbeit für den Kreislauf. Die plötzliche Hitze weitet die Gefäße schlagartig aus, was zu Schwindel oder sogar Ohnmacht führen kann. Zudem warnt die Dermatologie: Wasser über 45 Grad kann die Haut so stark strapazieren, dass Symptome ähnlich einem Sonnenbrand entstehen. Wer fröstelt, sollte mit einem ansteigenden Fußbad beginnen – das wärmt sanfter und effektiver durch.
5. Falsche Hautpflege
Im Winter benötigt die Haut eine andere „Garderobe“. Viele herkömmliche Feuchtigkeitscremes haben einen hohen Wasseranteil. Bei klirrender Kälte kann dieses Wasser auf der Hautoberfläche theoretisch gefrieren und die Schutzbarriere schädigen.
Lieber zu „Wasser-in-Öl“-Emulsionen wechseln. Reichhaltige Cremes mit hohem Fettanteil legen sich wie ein Schutzschild über die Poren und verhindern, dass die Haut durch trockene Heizungsluft und eisigen Wind austrocknet.
6. Beim Sport durch den Mund atmen
Sport im Winter stärkt das Immunsystem – solange man es richtig macht. Ein häufiger Fehler ist die Mundatmung beim Joggen oder Radfahren. Die eiskalte Luft trifft so ungefiltert auf die Bronchien und Schleimhäute, was Reizhusten und Entzündungen begünstigen kann. Wer durch die Nase atmet, nutzt die natürliche „Klimaanlage“ des Körpers: Die Luft wird auf dem längeren Weg in die Lunge angewärmt und befeuchtet. Ein Schlauchtuch vor dem Gesicht hilft zusätzlich.
7. Den Zwiebellook unterschätzen
Es ist nicht der dicke Wollpullover allein, der warmhält, sondern die Luft dazwischen. Wer nur eine einzige, sehr dicke Schicht trägt, friert schneller als jemand mit drei dünnen Schichten. Das Zwiebelprinzip nutzt stehende Luftschichten als Isolation. Wichtig dabei: Die Kleidung muss atmungsaktiv sein. Wer in Baumwolle schwitzt, wird durch die feuchte Kleidung erst recht ausgekühlt. Stattdessen sollte man auf Wolle oder Funktionstextilien setzen, die Feuchtigkeit nach außen leiten.
(ncz/spot)
Bild: Der Zwiebellook ist einer der effektivsten Wege, sich warm zu halten. / Quelle: iStock via Getty Images/Михаил Руденко